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(C) Verlag Beck

Steckbrief, Ausweis und Kontrolle im Europa des Mittelalters
Ich bin ich - sicherlich?
9. 3. 2011 - 22:30
Andrea Eberl


Immer ausgefeilter und genauer werden unsere Dokumente und Ausweispapiere. Fälschungssicher durch Fingerabdruck, Sicherheitsmerkmale, Hologramme, Sicherheitspapiere, unzähligen Nummern, frontale Passbilder, bei denen man zumindest optisch einem Terroristen ähnelt. Echt muss das Dokument sein, damit es jeder Überprüfung standhält. Die Vereinigten Staaten fordern moderne biometrische Pässe, deren elektronisch lesbarer Chip digitalisierte Daten zur Gesichtsform speichert und damit eine genauere Identifikationssicherheit verschafft. Aber ist auch die Person dazu echt? Und wie beweist man das?

Ihre Papiere, bitte!

Der Autor beschreibt in seinen Studien und Untersuchungen humorvoll, elegant und mit viel Sachkenntnis den Wunsch der zweifelsfreien Identifizierung von Menschen vom achten Jahrhundert bis heute. War damals nur der Name wesentliches Kontrollmerkmal, kamen bald auch Beschreibungen der Kleidung, Haar- und Hautfarbe, Muttermale, Narben und Tätowierungen hinzu. Die Ausweise hatten ihren Ursprung beim Geleitbrief und der dadurch belegten Privilegien, während der Steckbrief auf die Identifizierung abzielte. Im Spätmittelalter stellten Wappen, Siegel und Insignien eine Person dar. Aber was bedeutet Identität? Was würde es für uns heute bedeuten, wenn wir unsere Identität ohne Ausweise und Dokumente beweisen müssten?

Klappentext

Wie wurden Menschen in den Jahrhunderten vor der Fotografie, vor dem Fingerabdruck und der DNA-Analyse identifiziert? Wie wurden sie beschrieben, damit andere, die sie noch nie gesehen hatten, sie erkennen konnten? "Steckbrief" und "Passport" sind Begriffe des Mittelalters. Von ihrer Geschichte handelt dieses Buch, von Kennzeichen und Portraits, von Papieren und Fälschungen. Die Geschichte des Identifizierens in Europa handelt von Spionen und falschen Fürsten, von der Geschichte der Hautfarben und vom unaufhaltsamen Siegeszug des Ausweises samt seiner Fälschungen: In den Papieren, die uns heute bescheinigen, wer wir sind, steckt das Mittelalter. Im ganz wörtlichen Sinn: Die Geschichte der Identitätspapiere, Personenbeschreibungen und Ausweise führt uns zurück in die Zeit zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert. Aus Geleitbriefen und Siegeln, Erkennungszeichen und Portraits, zwischen wandernden Handwerksgesellen, Hochstaplern und Zigeunern entwickelten sich jene Aufschreibesysteme, die Name und Identität einer Person amtlich und schwarz auf weiß bescheinigten.

Der Autor Valentin Gröbner

Prof. Dr. Valentin Gröbner, geboren 1962 in Wien, ist Professor für Geschichte des Mittelalters und der Renaissance. Er studierte in Wien, Marburg und Hamburg und ist seit März 2004 Professor für Geschichte des Mittelalters und der Renaissance an der Universität Luzern. Seit 1997 ist er Mitherausgeber der Zeitschrift Historische Anthropologie.

Ausstattung und Ausführung

Das Buch besteht aus 183 Seiten Text, der aufgrund der eher kleinen, engen Schrift etwas anstrengend zu lesen ist. Ab und an wird es durch Schwarzweiß-Bilder illustriert. Es umfasst auch einen sehr umfangreichen Anhang und ein ebenso großes Register.

Ungewöhnlich interessant

Die Idee, sich mit Identität und derer Beweisbarkeit zu beschäftigen, fand ich zuerst ungewöhnlich, aber durchaus interessant. Je mehr man dann in die Materie eintaucht umso spannender aber auch beunruhigender wurde es. Für uns ist es heute ganz normal, einen Führerschein, Pass oder Personalausweis mit uns zu führen und wir gehen selbstverständlich davon aus, dass wir damit unsere Identität beweisen können. Doch was wäre, wenn wir deren alle verlustig gingen? Wie würde man uns zweifelsfrei beschreiben können? Menschen mit 1.70 Meter Größe, braunem Haar und braunen Augen gibt es viele. So regt das Buch zu etlichen Diskussionen und Gedankengängen an. Es ist teilweise sehr humorvoll und locker geschrieben, aber an anderen Stellen verlangt es eine hohe Konzentration. Ein wenig Ahnung von Kunst und Kultur ist dann durchaus hilfreich, wenn sich der Autor auf Opern oder Theaterstücke ohne zusätzlicher Ausschweifungen zum Inhalt beruft. Die Rezensentin konnte es jedenfalls kaum aus der Hand legen, bis es "verschlungen" war.

Daten

Der Schein der Person. Steckbrief, Ausweis und Kontrolle im Mittelalter
Valentin Gröbner
Gebundene Ausgabe: 223 Seiten
Verlag: Beck; Auflage: 1 (16. September 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3406522386
ISBN-13: 978-3406522383


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