Outlander - Alienüberfall im Frühmittelalter
Die Drachen kamen aus dem Weltraum...
11. 01. 2009 - 12:30
Michael Brunnbauer
Nach "Wikinger gegen Neandertaler" und "Wikinger gegen Indianer" wurde nun ein neuer würdiger Gegner für die kampferprobten Nordmänner gefunden. In Outlander gilt es eine außerirdische Bestie zu bekämpfen, die in bester Drachenmanier den furchtlosen Kämpfern das Fürchten lehrt. Der prominent besetzte Film ist hierzulande ab Ende Jänner käuflich erhältlich, Grund genug für eine ausführliche Vorschau...
Wir befinden uns im Norwegen des Jahres 709 n. Chr. Ein abstürzendes Raumschiff erleuchtet den nächtlichen Himmel feuerrot und stürzt in einen See. Soldat Kainan (James Caviezel) ist der einzige Überlebende. Nicht weit von der Absturzstelle entdeckt er eine verwüstete, menschenleere Ansiedlung. Zerstörte Hütten, verbogene Schwerter und Blutspuren zeugen davon, dass noch etwas den Absturz überlebt hat. Kainan zückt seine Waffe und macht sich auf die Jagd nach dem außerirdischen Raubtier namens Moorwen. Es ist eine Furcht erregende Bestie, die zuvor schon Kainans Familie und die Besatzung des Raumschiffs getötet hat.
Man glaubt dem Fremden nicht...
Die Jagd dauert nicht lange, da wird Kainan im Wald vom Wikinger-Krieger Wulfric (Jack Huston) aufgegriffen und in dessen Dorf gebracht. Zu allem Übel verliert er dabei seine Energiewaffe, sodass der weitere Kampf gegen den Moorwen ausschließlich mit frühmittelalterlichen Mitteln vonstatten gehen kann. Die Dorfbewohner, angeführt von König Rothgar (John Hurt), schenken Kainans Erzählungen von der Bestie allerdings wenig Glauben. Sie sind vielmehr darüber besorgt, dass sich die Krieger des benachbarten, verwüsteten Dorfes an ihnen rächen würden, weil man sie aufgrund alter Zwistigkeiten für die Angreifer halten könnte.
Bewährung durch Rettung des Königs
Es kommt, wie es kommen musste. Der Moorwen dringt im Schutz der Dunkelheit ins Dorf ein und holt sich die ersten Bewohner. Tags darauf rüsten sich die Krieger zur Jagd auf die Bestie. Man erlegt auch einen grimmigen Bären, dem die Tat zugesprochen wird. Kainan, von den Nordmännern "Outlander" bzw. in der deutschen Fassung "Nordländer" genannt, kann sich bei der Gelegenheit beweisen und dem König das Leben retten. Das bringt ihm die Achtung des Dorfes und die Aufmerksamkeit der schwertschwingenden Königstochter (Sophia Myles), die ohnehin bereits auf der Suche nach Alternativen zum poteziellen Heiratskandidaten und Königsnachfolger Wulfric ist.
Alien beendet blutigen Bruderkrieg
Die Lage spitzt sich zu, als Gunnar (Ron Perlman), der Anführer des verwüsteten Nachbardorfes mit seinen Leuten von einer Handelsfahrt zurückkehrt und bittere Rache für die begangene Bluttat schwört. Sie greifen Rothgars Dorf an, doch eine weitere nächtliche Attacke des Moorwen beendet das sinnlose Blutvergießen. Man sieht sich gezwungen, die alten Streitigkeiten beiseite zu legen und gemeinsam gegen die übermächtige Bestie zu kämpfen.
Bekannte Namen bei Team und Darstellern
Hauptdarsteller James Caviezel dürfte auf heilbringende Rollen aus dem "Himmel" festgelegt sein ("Angel Eyes", "Die Passion Christi"). Nur dass seine Rolle hier, zwar ungewollt aber doch, zuerst Tod und Verderben in Form der außerirdischen Bestie namens Moorwen über die Nordländer bringt. Sein Kainan ist nicht der typische Actionheld, sondern ein nachdenklicher Charakter mit leidvollem Blick, dessen Motivation davon geleitet wird, dass er bereits alles, was ihm lieb und teuer war, verloren hat. Er gibt sich selbst die Schuld dafür und als Sühne will er den Moorwen aufhalten. Insofern ist Caviezel die Idealbesetzung für diese Rolle und braucht sich auch nicht besonders bemühen, da er diesen "leidvollen" Blick offensichtlich schon von Geburt an hat.
Beeindruckende Aufnahmen
Der zweite Star des Films sind die Bilder des kanadischen Kameramanns Pierre Gill, ein wahrer Meister seines Faches, dem es zu verdanken ist, dass der Film trotz seines bescheidenen Budgets aussieht, als käme er aus Hollywoods Oberliga. Seine Aufnahmen zeichnen sich oft durch ruhige, fließende Bewegungen aus und wirken natürlich und farbenprächtig zugleich. Von Gills anderen Arbeiten sind dem internationalen Publikum am ehesten noch "Hitler - Der Aufstieg des Bösen", der "Jeanne d'Arc" TV-Film von 1999 mit der untalentierten Leelee Sobieski und der Wesley Snipes Kracher "The Art of War" bekannt.
Verletzliche Menschen statt Superhelden
Was den Film von den meisten anderen "Monster Movies" unterscheidet, sind neben der ausgezeichneten Kameraarbeit und der tollen Ausstattung vor allem auch die ruhigen Passagen des Films, in denen statt gekitschter Dialoge (unter denen sogar "Der Herr der Ringe" stellenweise litt), durchaus nachvollziehbare, bodenständige Lebensweisheiten zum Besten gegeben werden.
Die Krieger in diesem Film sind keine beowulfschen, unzerstörbaren Heldengestalten, sondern Menschen, die sich bewusst sind, dass sie nur ein einziges Leben zu verlieren haben - auch wenn dieser Aspekt zum Schluss hin zwecks "Spaß-Maximierung" ein wenig gebeugt wird.
Ron Perlman als kriegerischer Clanführer
Einzig Ron Perlman ("Hellboy", "Der Name der Rose") darf als grölender, Hammer schwingender Clanführer Gunnar etwas übertreiben. Dafür wirkt er unter all den "Wikingern" mit seinem krachigen Auftritt am wenigsten echt. Wieder einmal eine Rolle, die ihm in keiner Weise gerecht wird. Seinen Fans sei die englische Tonspur besonders ans Herz gelegt. Die anderen Darsteller machen alle ihre Sache sehr gut, allen voran John Hurt ("Hellboy", "Harry Potter", "Alien"), Jack Huston und Sophia Myles ("Tristan & Isolde", "Underworld"). Ebenso Cliff Saunders, der den "lustigen Wikinger" Boromir gibt, also als "comic relief" dient, der aber nie ins Alberne abgleitet.
Die Sache mit der Logik
Zugute halten muss man dem Film auch, dass sich die Filmemacher sichtlich bemüht haben, die Geschichte möglichst seriös und glaubhaft, ohne größere Logikfehler abzuliefern, was in diesem Genre nicht selbstverständlich ist. Es hat zwar auch bei "Outlander" nicht zu 100% funktioniert, doch es beginnt schon nach dem Absturz, als Kainan sich mit Hilfe eines Computers die Sprache und den Wissensstand der Nordländer aneignet (die Technik ist aus Total Recall bekannt). Dabei wird auch erklärt, warum die Außerirdischen Menschen sind: In diesem Erzähl-Universum ist die Erde offenbar eine aufgegebene Kolonie. Offensichtlich wurden ein paar der Kolonisten vergessen. Sehr schön sind auch die Zwischensequenzen mit der Vorgeschichte, die Kainans "Problem" mit dem Moorwen näher beleuchten. Eine der großen Logikfragen ist sicherlich, wie der Dorfschmied in Windeseile aus dem hochwertigen Raumschiffstahl ein Moorwen-resistentes Schwert im Conan-Stil erschafft, doch über die Einblendung "Ein paar Wochen später..." hätten wohl mindestens ebensoviele Leute gelacht.
Solide Story ohne Überraschungen
Optisch ist der Film über den meisten anderen Beowulf-Verfilmungen anzusiedeln, inhaltlich bietet er eine solide, wenn auch nicht sonderlich überraschende Handlung. Die beiden Drehbuchautoren haben auch das Script zu "Underworld 3" geschrieben und einen Drehbuchentwurf für den geplanten neuen Conan-Film verfasst. Spätestens wenn man die Begriffe "Bestie" und "König Rothgar" zusammenzählt, weiß man, was Howard McCain (der auch Regie geführt hat) und Dirk Blackman mit ihrem Drehbuch im Sinn hatten. Ähnlich wie in Michael Crichtons Buch "Eaters of the Dead" ("Der 13. Krieger"), wurde hier versucht, eine Ursprungsgeschichte der Beowulf-Saga zu erschaffen.
"Niemand will noch einen Beowulf-Film sehen"
Die Entstehungsgeschichte des Films geht zurück bis ins Jahr 1992, als McCain noch als Filmstudent ein Drehbuch zu Beowulf verfasste. Man sagte ihm damals, dass niemand einen Beowulf-Film sehen wolle, weil in den englischsprachigen Ländern schon die Schulkinder im Unterricht bis aufs Blut damit gequält werden. 1998 traf er dann seinen Autorenkollegen Blackman, der die Idee mit den Science Fiction Elementen in die Geschichte einbrachte. Auch wenn die Figuren andere Namen bekamen, blieb der Kern und die Grundstruktur von Beowulf in "Outlander" bestehen.
Geldmittel der Weinstein Company
Man versuchte die nächsten Jahre ohne Erfolg, das Drehbuch an eine Filmgesellschaft zu verkaufen. Erst 2004 gelang es, den "Herr der Ringe" Produzenten Barrie M. Osborne und eine unabhängige Filmproduktionsfirma für das Projekt zu begeistern. Da mit der Weinstein Company eine weitere Produktionsfirma für das Projekt gewonnen werden konnte und so ausreichend Geldmittel zur Verfügung standen, wurde geplant, den Film als Big-Budget-Produktion in Neuseeland zu drehen und die Effekte von der durch "Herr der Ringe" bekannt gewordenen Effektfirma Weta erstellen zu lassen.
Budget und andere Schwierigkeiten
Doch daraus wurde nichts, da schon zu Beginn der Produktion eine der beteiligten Firmen in finanzielle Schwierigkeiten geriet und man deshalb das Budget des Films radikal zusammenkürzen musste. Man entschied sich als Drehort für das kostengünstigere Kanada, wo auch "Der 13. Krieger" gedreht wurde, und für eine kanadische Effektfirma. Für die Dreharbeiten stand ebenfalls weniger Zeit zur Verfügung als ursprünglich geplant und selbst auf die Einhaltung einer festgelegten Filmlänge wurde peinlichst genau bestanden. Es gibt keine offiziellen Zahlen, doch der Film sollte ursprünglich für mehr als 50 Mio. US$ gedreht werden. Schlussendlich schaffte man es angeblich mit etwa 30 Mio. US$ (offiziell wird immer noch 47$ Mio. angegeben). Es konnte unter anderem eine Sequenz zu Beginn des Filmes nicht verwirklicht werden, die den Kampf gegen den Moorwen im Raumschiff zeigt - und somit die Ursache für den Absturz.
Das alles hat dem Film aber vermutlich wenig geschadet. Monsterfilme funktionieren sowieso meist am besten, wenn das Monster nicht schon zu Beginn komplett gezeigt wird, sondern der Phantasie etwas Spielraum gelassen wird. Was man am Film kritisieren kann, hätte man ohnehin schon im Drehbuch ändern können.
Wikinger-Dorf unter Wasser
Wie hart die Dreharbeiten für das Team wirklich waren, kann man erahnen, wenn man sich den mitgelieferten Audiokommentar anhört. Die größere Schlacht wurde offenbar hinter der Kamera geschlagen. Die Entscheidung für den Dreh in Nova Scotia, Kanada dürfte recht überstürzt gefallen sein. Dem Bauern, auf dessen Grund man das "Wikinger"-Dorf errichtet hat, hatte man bei der ersten Begehung wohl nicht richtig zugehört, als er erklärte, der Grund sei ein Überschwemmungsgebiet. Das fertige Dorf stand dann natürlich auch einmal unter Wasser, was der Authentizität allerdings sicher nicht geschadet hat. Der Grundwasserspiegel war dort allerdings so hoch, dass eine große Fallgrube im Film nur 1 Meter tief ausgehoben werden konnte, obwohl sie mindestens 5mal so tief sein sollte - da musste dann getrickst werden, wie so oft im Film. Das Holz für den Aufbau des Dorfes schlägerte man übrigens aus Kostengründen selbst vor Ort, statt es im Sägewerk zu kaufen. Die Gegend war generell gut durchforstet. Zum Leidwesen der Filmemacher, denn so fanden sich trotz verzweifelter Suche so gut wie keine "urigen" Waldstellen, die für die Aufnahmen dringend benötigt wurden.
Anleihen bei "verwandten" Produktionen
Man nutzte jeden Trick aus, um Geld zu sparen. So warb man die Kostümbildnerin an, die zuvor an "Beowulf & Grendel" (die 'authentische' Fassung mit Gerard "Leonidas" Butler) gearbeitet hatte und von dort auch einen Fundus an Kostümen mitbrachte, um die Komparsen einzukleiden. Genauso verpflichtete man Stuntleute, die frisch von "300" kamen und daher gut auf die Kampfszenen vorbereitet waren. Die nächtlichen Kampfszenen im kanadischen Winter verlangten den Schauspielern das Letzte ab - die meisten von ihnen, auch Ron Perlman, mit halbnacktem Oberkörper - und das 6 Wochen lang bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Der Boden war so hart, dass sich Wulfric-Darsteller Jack Huston während des Kampfes mit dem Moorwen bei einem Sturz die Schulter brach.
Gefällige Musikuntermalung
Der Soundtrack von "Outlander" ist ein konservativer, aber gefälliger Hollywood-Score von Geoff Zanelli, der aus der Hans Zimmer Schule kommt und unter anderem auch bei den "Fluch der Karibik"-Filmen ausgeholfen hat. Der Film hat eine eingängige Leitmelodie, die allerdings sehr oft verwendet wird.
Unterhaltsamer Monsterfilm in historischem Setting
"Outlander" ist ein liebevoll gestalteter Monsterfilm im historischen Gewand, gewürzt mit ein paar Science Fiction Elementen. Der Film ist kein Meisterwerk, man fühlt sich aber gut und spannend unterhalten, auch beim mehrmaligen Ansehen. Definitiv sehenswert.
Neueste Informationen
Seit der DVD und Blu-Ray Veröffentlichung in England erklimmt der Titel dort, eigentlich unerwartet, die Spitze der Verleih- und Verkaufs-Hitparaden. Hierzulande ist der Verkaufsstart für den 29. Jänner geplant (Koch Media).
Daten:
Outlander
USA | Deutschland 2008
Premiere: 11. Juli 2008, Lettland
Action | Abenteuer | Sci-Fi
Blu-ray, DVD
115 Min
Virtual Films, Ascendant Pictures, VIP 4, Rising Star, Outlander Productions, The Weinstein Company
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