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Karin Beate Nøsterud/norden.org / CreativeCommons 2.5 Dänemark / Bildquelle Wikimedia
Noch herrscht eisig-schönes Winteridyll in Norwegen - doch die Gletscher schmelzen stetig...

Bildzitat science.nbcnews.com
Marianne Vedeler vom Norwegischen Museum für Kulturhistorisches zeigt die 1.700-Jahre alte Tunika aus dem südlichen Norwegen.

Bildzitat Reuters
Textilreste der gefundenen Wolltunika aus dem Lendbreen Gletscher

Bildzitat science.nbcnews.com
Blick über die südlichen Berge Norwegens, die nun ein vorwikingisches Textil freigaben.

Bildzitat science.nbcnews.com
Die Wolltunika wird nach Abschluss der Untersuchungen im Norwegischen Museum für Kulturhistorik in Oslo ausgestellt.

Gemeinfrei. Bildquelle: Wikipedia
Wappen des Königreichs Norwegen


Norwegischer Gletscher gibt vorwikingische Wolltunika frei
Erstaunlich gut erhaltener Fund im Eis des Lendbreen entdeckt
Simone "Mone" Jatropulus
23.03.2013 11:11

Vergangenen Dienstag erklärten norwegische Wissenschaftler, die globale Erwärmung sei ein Segen für die Archäologie: Ein schmelzender Gletscher im Süden Norwegens gab vor 2 Jahren 2.000 Meter über dem Meeresspiegel eine bemerkenswert gut erhaltene Wolltunika aus vorwikingischer Zeit frei. Nun wurden Details zum Fund herausgegeben.

Das grünlich-blaue Kleidungsstück war bequem geschnitten, locker sitzend passte es einer etwa 176 Zentimeter großen Person. Der Fundort war vermutlich Teil einer römischen Handelsroute im südlichen Norwegen. Die Carbondatierung ergab, dass die Tunika etwa um 300 n. Chr. gefertigt wurde.

“Es ist besorgniserregend, dass die Gletscher schmelzen, aber auch aufregend für uns Archäologen,“ sagte der dänische Forscher Lars Piloe, der auf norwegischen Gletschern arbeitet, als die Tunika erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Das Kleidungsstück wurde seit seinem Fund im Jahr 2011 von ihm und anderen Wissenschaftlern studiert und untersucht.

Etwa 1.600 Artefakte wurden in Norwegens südlichen Gletschern freigelegt, seit das Eis im Jahr 2006 rascher zu schmelzen begann – unter anderen ein wikingischer Fausthandschuh aus 800 n. Chr., ein kunstvoll verzierter Gehstock, ein Lederschuh aus der Bronzezeit, sowie altertümliche Bögen und Pfeilspitzen die bei der Rentierjagd verwendet wurden.
”Das ist erst der Anfang,” so Piloe, der weitere Funde prophezeit.

Ein antiker Holzpfeil weist eine aus einer Seemuschel gefertigte Spitze auf, was auf eine aufwendige Herstellung deutet und die hohe Handwerkskunst früherer Zeit enthüllt.

Schmelzende Gletscher

Als bisher berühmtester Gletscherfund gilt der 1991 entdeckte Ötzi, ein prähistorischen Mann der vor 5.300 Jahren die Alpen zwischen Österreich und Italien durchstreifte. In den letzten Jahren gaben die Gletscher von Alaska bis zu den Anden immer mehr Funde aufgrund der großen Schmelzen frei. Schuld daran ist der Mensch, der unter anderem durch seinen verantwortungslosen Umgang mit fossilen Brennstoffen Treibhausgase freisetzt und damit den Klimawandel beschleunigt.

Die am norwegischen Lendbreen gefundene Tunika zeigt auf, dass der Gletscher seit dem Jahr 300 n. Chr. nicht mehr so klein war. Wenn unbehandelte antike Textilien aufgrund einer solchen Schmelze plötzlich der Luft ausgesetzt werden, können sie binnen weniger Wochen durch Bakterien- oder Insektenbefall zerfallen.

“Die Tunika war schon etwas abgetragen – sie wurde schon einige Male geflickt,“ sagt Marianne Vedeler, Expertin für Konservierung am Kulturhistorischen Museum Norwegen.
Die Tunika wurde aus Lammwolle gefertigt und weist ein Rautenmuster auf, welches mit der Zeit verdunkelte. Nur eine handvoll ähnlicher Tuniken in Europa konnte so lange überdauern.

Klima-Auswirkungen

Die Klimaerwärmung zeigt massive globale Auswirkungen. Patrick Hunt von der Stanford University erklärt, dass im vergangenen Sommer auf 2.500 Metern Höhe ungewöhnlich wenig Schnee in den Alpen lag. Hunt sucht in den Alpen die vergessene Route, über die Hannibal 218 v. Chr. mit seinen Kriegselefanten zog, um Italien einzunehmen – und scheiterte.

Die massiven Schneeschmelzen vereinfachen die Suche.
”Ich favorisiere die Clapier-Savine-Coche-Route über die Alpen, nachdem ich zu Fuß mindestens 25 Pässe überquert habe, sämtliche anderen Hauptkandidaten eingeschlossen,“ schrieb Hunt laut NBC News gegenüber Reuters in einem Mail.

Die Forscher in Oslo versuchen nun herauszufinden, was den ursprünglichen Träger der Tunika dazu bewegte, angesichts der eisigen Kälte auf dem Gletscher ein solch warmes Kleidungsstück abzulegen. Eine mögliche Erklärung wäre, dass der Eigentümer in einen Schneesturm geraten und durch starke Unterkühlung extrem verwirrt war, was einen Menschen durchaus dazu verleiten kann, Kleidung abzulegen - in dem Irrgauben, ihm sei zu warm.

Der englische Original-Artikel findet sich unter nachstehendem Link.


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1. Kommentar von Brecuno am 16.04.2013 um 13:25

Tunikasucht
Kann mich nicht sattsehen, an der Tunika..

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.



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