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Elmar Buchner
Das faszinierende Fundstück. Eine frühbuddhistische Statue aus Meteoritenmetall. Die weltweit einzige bekannte Figurendarstellung aus einem solchen Material gibt viele Rätsel auf und hat eine abenteuerliche Fundgeschichte.

Gemeinfrei / Wikipedia
Bishamonten-Darstellung aus dem 12./13. Jahrhundert. Die kriegerische Gottheit trägt ein kugelförmiges Objekt in der Hand, der Kopf ist von einem Flammenkranz umgeben.

Gemeinfrei / Wikipedia
Darstellung aus dem Graeco-Buddhismus. Die griechische Philosophie und Kunst beeinflusste den frühen Buddhismus massiv. In der Diskussion um die Staute erscheint die Möglichkeit einer Zuordnung in den Graeco-Buddhismus noch nicht durchdacht worde zu sein.


Gelehrtenstreit um frühbuddhistische Figur aus Meteoritenmetall
Weltweit einzigartiges Fundstück mit abenteuerlicher Fundgeschichte
Florian Machl
17.10.2012 23:29

Ende September ging die Nachricht wie ein Lauffeuer durch die Weltpresse. „Nazi-Buddha aus dem Weltraum“. Dass nach derart reißerischen Titeln keine seriöse Aufarbeitung eines Fundstückes zu erwarten ist, war der Redaktion völlig klar. Inzwischen wird von manchen Medien ein öffentlich ausgetragener Streit zwischen Experten berichtet. Von einer Fälschung aus dem 20. Jahrhundert ist die Rede. Auch Huscarl hat keine endgültige Erklärung für das faszinierende Stück anzubieten – aber vielleicht einige neue Denkanstöße.

Im Fachmagazin Meteoritics & Planetary Science veröffentlichte ein Team aus deutschen und österreichischen Wissenschaftlern (Buchner, Schmieder, Kurat, Brandstätter, Kramar, Ntaflos, Kröchert) ihre Forschungsergebnisse zu einem absolut einmaligen Fundstück. Eine Figur, die ein menschliches Wesen darstellt und aus dem Metall eines Meteoriten hergestellt wurde.  Allein diese Tatsache soll weltweit einzigartig sein. Es gäbe keine anderen bekannten Menschen-, Heiligen- oder Götterdarstellungen, die aus Meteoritenmetall bestehen. Kernstück der Forschungspublikation war die Suche nach dem passenden Meteoriten – und dieser wurde auch gefunden. Es handle sich mit einer Sicherheit von 99,9% um den Chinga Meteoriten, der vor 10.000 bis 20.000 Jahren beim Eintreten in die Erdatmosphäre zersplitterte und im Bereich des Chinga-Flusses der sibirischen Tanna-Tuva-Region niederging.

Deutsche Expedition brachte die Statue
1938 von Tibet nach Deutschland


Durch die Publikation besonders aufgewühlt schien die Redaktion der „Qualitätszeitung“ DerStandard zu sein, wo sich Journalisten zu Aussagen wie „Nazi-Buddha aus dem All“ hinreißen ließen. Worin liegt die blumig ausschweifende Inspiration der Kollegen begründet? Neben viel Fantasie kommt hier die kolportierte Fundgeschichte des Stückes zu tragen:

1938 führte der Zoologe Ernst Schäfer eine Tibet-Expedition durch. Die Expedition wurde auf Anordnung von Heinrich Himmler unter die Schirmherrschaft der SS-Organisation Ahnenerbe und ihm selbst gestellt, die wissenschaftlichen Mitglieder zum Beitritt in die SS "eingeladen". Die Forschungsgemeinschaft arbeitete an der Dokumentation der Tier- und Pflanzenwelt und sammelte Daten und Material über das Klima, die Geologie und die Bevölkerung. Der Anthropologe Bruno Beger, ein überzeugter Nationalsozialist, vermaß währenddessen Angehörige verschiedener Völker und versuchte Hinweise auf eine "arische Rasse" zu finden. Bei ihrer Rückkehr im Jahr 1939 brachte die Gruppe etliche historische Artefakte mit nach Deutschland. Die Behauptungen verschiedener internationaler Medien, es würde sich um Raubgut handeln, erscheinen weder aufgrund der vorliegenden Faktenlage noch aus Gründen der Logik haltbar. Vielmehr wurde genau über den Ankauf der Stücke, für die über 12.000 Reichsmark bezahlt wurde, Buch geführt. Ob die Statue tatsächlich auf dieser Liste aufscheint, konnte noch nicht geklärt werden. Die Expedition gilt bis heute als Quell wirrer Vermutungen von Verschwörungstheoretikern und Revisionisten. Nicht zuletzt deshalb ist die besondere Aufmerksamkeit für das Fundstück zu erklären. Nazis brachten bekanntlich ja auch in den Indiana Jones Filmen stets gute Quote.

Anlässlich einer Versteigerung Anfang des 21. Jahrhunderts tauchte das bis dahin privat behütete Artefakt wieder auf. Das an der oben erwähnten Forschung beteiligte Wissenschaftlerteam wurde darauf aufmerksam, durfte Proben nehmen – und erhielt sogar die Gelegenheit, das Fundstück zu erwerben.

Angeblich im 11. Jahrhundert gefertigt

Die Forscher stellten die These in den Raum, dass die Statue im 11. Jahrhundert angefertigt wurde. Die Bearbeitung wäre dabei alles andere als einfach gewesen, denn das Material weist eine außergewöhnliche Härte auf. Zudem wurde nach Fertigstellung des Kunstwerkes eine Komplettvergoldung der Vorderseite vorgenommen, die nur noch fragmentarisch erhalten ist.

Die Gottheit Vaisravana

Die etwa 10 Kilogramm schwere und circa 24 cm hohe Statue zeigt einen sitzenden Mann, dessen Arme auf den Füßen ruhen. Der Kopf ist von einem Heiligenschein umgeben. Die Person trägt einen Schuppenpanzer über einem Rock, darüber einen Mantel. Die Beine sind mit einer Hose und Schuhen bekleidet. Die rechte Hand ist vollständig geöffnet und weist zum Betrachter, die linke Hand hält ein kugelähnliches, brennendes Objekt. Das Forscherteam weist auf Ähnlichkeiten zum buddhistischen Gott Vaisravana hin (auch bekannt als Bishamon). Im Buddhismus zählt die kriegerische Gottheit zu den vier Himmelskönigen - in der japanischen Religion ist seine Entsprechung die Glücksgottheit Sichi Fukujin. Im Hinduismus sind passende Entsprechungen in der Gottheit Kubera (auch Jambhala) zu finden. Ergänzend sei erwähnt, dass im Buddhismus nicht - wie oft im Westen angenommen - tausende verschiedene Gottheiten verehrt werden, vielmehr geht es um das Prinzip der vielfältigen Aspekte des Göttlichen.

Buddhismus-Forscher aus Hamburg spricht von Fälschung

Inzwischen ist ein via Medien ausgetragener Expertenstreit entbrannt, ob es sich überhaupt um eine buddhistische Statue handelt – oder um eine in Europa angefertigte Fälschung. Achim Bayer, Buddhismus-Forscher an der Universität Hamburg und der Dongguk University Seoul bezweifelt, dass es sich um eine historische Abbildung aus Tibet handelt. Er hat 13 Punkte publiziert, welche die Thesen der Erstpublikation entkräften sollen. Genauer betrachtet erscheinen seine Ausführungen aber nicht haltbar. Die Punkte, die Bayer kritisiert, betreffen unter anderem die Kleidung. Jedoch sind selbst für den Laien durch eine kurze Internet-Bildrecherche etliche vergleichbare Abbildungen auffindbar. Er kritisiert die plumpe Ausführung der Hände.  Diese sind aber in ihrer Position definitiv mit den Mudras (rituelle Handhaltungen) buddhistischer Darstellungen vergleichbar und finden sich in dieser Form ebenso auf vielen Abbildungen. Der beanstandete „Gelehrtenhut“, der an einen Helm erinnern würde, ist ebenso auf vielen Abbildungen, insbesondere aus dem tibetischen Raum zu finden. Ebenso weisen der Heiligenschein hinter dem Kopf sowie der größere Kreis hinter der Figur auf einen buddhistischen Hintergrund hin, was Bayer bestreitet.

Wurden bisher die "falschen" Experten befragt?

Möglicherweise wurde in der Diskussion vergessen, einen Tibetologen mit weitreichenden historischen Kenntnissen zu befragen. Unsere ersten eigenen Recherchen im indischen Raum führten zu keinen Erkenntnissen – was aber nicht weiter verwunderlich ist, da der Buddhismus in seinem einstigen Ursprungsland keine sehr zentrale Bedeutung mehr hat. Viel aufschlussreicher waren die Auskünfte von Tibet-Kundigen. Wobei die bisher von uns befragten Experten einhellig der Meinung sind, dass diese Figur nicht "typisch tibetisch" ist. Möglich wären andere Kulturkreise, eventuell sogar buddhistische Strömungen die gänzlich untergegangen und in Vergessenheit geraten sind. Über die ethnologischen Aspekte enthält die Publikation nur einen kurzen Absatz. Wenig verwunderlich, denn es handelt sich ja auch um ein Fachmagazin für Meteoriten und Planetenforschung und nicht um eines für Geschichte. Entsprechend wurde zwar recherchiert, wohl aber nicht konsequent bis zum Ausräumen der letzten Widersprüchlichkeiten - und derer gibt es viele.

Verwirrende Details

Ein nicht zu vernachlässigendes Faktum ist, dass zwischen dem Fundort des Meteoritenmetalles und Tibet mindestens 2.000 km Wegstrecke – quer durch die Mongolei - liegen.  In der schamanistisch geprägten Mongolei wurde der Buddhismus jedenfalls erst viel später ein Thema, - ab dem 16. Jahrhundert - wie uns ein weiterer befragter Fachmann versicherte. In Tibet wurde der Buddhismus im 8. Jahrhundert Staatsreligion – allerdings wäre die Darstellung auf der Statue nicht „typisch tibetisch“. Der wohl merkwürdigste Umstand an der Figur ist der Vollbart. Kombiniert mit der brennenden Kugel in der linken Hand, fühlt sich ein westlicher Beobachter an Königs- oder Jesusdarstellungen aus dem Mittelalter erinnert. Vollbart und Reichsapfel waren hier üblich. Allerdings wäre eine derartige Interpretation höchst abenteuerlich, falls der Ursprungsort des Kunstwerks tatsächlich in Tibet liegt. Woher der Vollbart stammt, war bisher allerdings nicht zu klären. Für die vermutete Entstehungszeit ist dieser äußerst ungewöhnlich, während aus anderen buddhistischen Kulturen Abbildungen mit Bärten bekannt sind. Andererseits existiert beispielsweise die Zen Legende des Bodhidharma (5-6. Jh.), der als „bärtiger indischer Mönch“ beschrieben und auch so dargestellt wird.  Bodhidharma gilt als der Begründer des Chan bzw. Zen-Buddhismus. In Tibet ist diese historische Figur als Dharmottara bekannt.

Zeitliche Zuordnung anhand des Schuppenpanzers

Ein weiteres Detail, das eine zeitliche Einordung erleichtern könnte, wäre eine Zuordnung der Darstellung des Schuppenpanzers, der vor allem den Torso der Figur schützt. Vergleichbare Darstellungen finden sich auch auf anderen buddhistischen Figuren. Lamellenpanzer (byang bu'i khrab) sind aus Tibet historisch belegt. Eine vergleichbare „Bauchrüstung“ ist in wenigen Funden nachweisbar, allerdings niemals exakt identisch. Die Herstellungsform, bei der die Schultergurte ebenso aus denselben Lamellen gefertigt sind, ist für den Himalayaraum ebenso als authentisch zu betrachten. Dies sind gegebenenfalls sehr starke Indizien für eine Authentizität der Figur, da in Form und Fertigung vergleichbare Rüstungen in Europa unbekannt waren. Ein weiterer Hinweis könnte sein, dass frühe buddhistische Abbildungen von den Götterbildern des antiken Griechenlands inspiriert wurden. Griechisch-Skytische Torsopanzer (Linothorax) haben Ähnlichkeiten mit der Darstellung, auch Schuppenpanzer waren bekannt – und der dargestellte Vollbart wäre bei einem griechischen Vorbild wohl auch kein Hindernisgrund. Auch von den Römern sind passende Panzerungen aus der Antike überliefert. Von den der Redaktion bekannten, zeitlich passenden Rüstungen, entsprächen überhaupt die römischen Vorbilder der Verarbeitung und Anordnung der Schuppen am ehesten dem auf der Abbildung gezeigten Muster. Zur Zeit von Alexander dem Großen waren vergleichbare Schuppenpanzer durchaus üblich. Dieser begründete im 4. Jahrhundert v. Chr. durch seinen Asien-Feldzug den intensiven kulturellen Austausch zwischen Hellenismus und Buddhismus. Hier wäre es hilfreich, wenn sich Rüstungs-Sachkundige in die Diskussion einbringen. Vielleicht muss man aber gar nicht so weit „gehen“ - denn auch die Mongolen kannten nachweislich Schuppenpanzer in vergleichbarem Muster – eine genauere zeitliche Zuordnung, ab wann diese tatsächlich Anwendung fanden, war allerdings noch nicht recherchierbar. Ein großes Rätsel gibt allerdings die Kopfbedeckung auf. Auf Darstellungen gleicht sie am ehesten dem Hut des Tsongkhapa - dieser tibetische Buddhist wird aber erst ins 14. Jahrhundert datiert.

Fehlende oder unübliche Attribute

Gegen die Theorie einer  Zuordung zum Gott Vaisravana sprechen eventuell die Attribute beziehungsweise das Fehlen dieser, die späteren (?) Darstellungen nicht gleichen. Üblicherweise wird der Gott mit Schwert und/oder Sonnenschirm dargestellt – Symbole, die ihre spezielle Bedeutung haben. Die Statue weist aber eine leere Hand (gebende Mudra) und die „brennende Kugel“ auf. Andererseits zeigt sogar die Wikipedia eine Vaisravana-Darstellung auf Seide aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Hier hält der Kriegsgott neben dem Schwert in der Rechten eine „Kugel mit Sockel“ in der linken Hand. Das Haupt ist von einem Flammenkranz umstrahlt. Eine weitere Interpretation der „Kugel“ wäre die Darstellung einer Zitrone, die für diese Gottheit üblich ist – allerdings in der anderen Hand. Weitere Quellen sprechen davon, dass der Gott Kubera (hinduistischer Name) eine Schale aus einem menschlichen Schädel in der Hand hält. Auch dies wäre eine - wenn auch etwas weiter hergeholte - Interpretationsmöglichkeit.

Ein Ohrring

Der Ohrschmuck der Statue, ein nur einseitig getragener Ohrring, der ebenso vom Kritiker Bayer beanstandet wurde, soll eine übliche Kennzeichnung sogenannter Bodhisattvas sein, die in der Regel mit Schmuck abgebildet werden. Ein Bodhisattva ist ein Wesen, das nach Vollkommenheit strebt – für sich und alle anderen lebenden Wesen. Es können dies auch ganz normale Menschen sein. Ob sich dieses Detail mit einer frühbuddhistischen Götterdarstellung verträgt, sollte jedenfalls noch von Fachleuten beurteilt werden.

Ein faszinierendes Forschungsobjekt

Welche Ergebnisse die zukünftige Forschung auch immer erbringen wird, – auch wir haben noch einige Fragen an Experten gestellt, auf deren Beantwortung wir wissbegierig hoffen – es ist unbestreitbar, dass es sich um ein einmalig spannendes Artefakt handelt. Die Titulierung als "Nazi-Buddha" möchten wir aber als höchst unwissenschaftlich und boulevardesk zurückweisen. Der einzige Zusammenhang mit Nationalsozialisten ist der mutmaßliche Umstand, dass diese das Fundstück nach Deutschland verbrachten. Das Hakenkreuz auf der Brust (Swastika), in umgekehrter Form zum NS-Hakenkreuz dargestellt, ist im übrigen ein historisches Symbol das auf die Indus-Kultur zurückgeht (Indien, 2800-1800 v.Chr.). Insgesamt erscheint uns zur Zeit die Überlegung, ob die Figur nicht besser in die Zeit (und das Verbreitungsgebiet) des Graeco-Buddhismus passen würde, als äußerst verfolgenswert.


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1. Kommentar von anachronismus am 18.10.2012 um 09:55

schlumpfmütze
also die Art der Mütze, des Panzers, die Hosen mit diesen Schuhen dazu hätte mich jetzt auch eher an Skyten oder Thraker erinnert.
Vielleicht können die Gentes Danubii weiterhelfen, die haben Ahnung von solchen Ausrüstungen.
http://gentes-danubii.at/neu/darstellung/skythen.html

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2. Kommentar von anachronismus am 18.10.2012 um 10:58

..
zum skythen würde auch der bart passen.

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3. Kommentar von Tenpel am 18.10.2012 um 11:15

Gibt es eigentlich irgendwelche Leute, die im Internet die Schäfer Expeditition korrekt darstellen?
oben heißt es: "1938 führte die Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe, eine Untergruppe der SS Nazideuschlands, eine Tibet-Expedition durch. Die Forschungsgemeinschaft arbeitete an archäologischen, anthropologischen und geschichtlichen Forschungen um die Abstammung des Deutschen Volkes von einem historischen "Ariergeschlecht" nachzuweisen. Im Himalaya vermutete man Reste dieses „ur-arischen“ Population."

Zur Korrektur: 1. Schäfer hat als Zoologe die Expedition selbst zusammengestellt und war bereits bei einer früheren Expedition nach Tibet dem Amerikaner Brooke Dolan dabei. 2. Es war an aller erster Stelle eine wissenschaftliche Expedition in die aber Himmler sich heftig eingemischt hat. Auch Schäfer war an erster Stelle Wissenschaftler. 3. Nicht die "die Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe" hat diese Expedition durchgeführt, sondern Schäfer hat sich selbst um die Finanzierung gekümmert. Das Ahnenerbe hat seine Füße da nicht wie gewünscht in die Expedition reinbekommen und Himmler selbst hat veranlasst, dass das Ahnenerbe die Expedition nicht durchführte und finanzierte. Natürlich ist es schwierig so eine Expedition gegen die Nazis durchzusetzen also hat man die Bedingung Himmlers, in die SS einzutreten, erfüllt. Allerdings war soweit ich das überblicke nur Beger ein überzeugter Nazi.

Um mir die ganze Arbeit der Korrekturen zu sparen, kurz: Über die letzten Jahre habe ich verschiedene Tibetologen und Historiker kontaktiert, alle - ohne Ausnahme - empfahlen mir die Arbeiten von Engelhardt. Die Trimondis oder selbsernannte Aufklärer und "Enthüllungsjournlisten", Christopher Hale und Heather Pringle etc. haben zur ganzen Sensationsmache gut beigetragen. Pringle glaubt immer noch und ist sich sehr sicher (siehe ihr Blog), dass die Statue aus der Schäfer Expedition stammt, obwohl es gar keine Beweise oder Indizien dafür gibt. Reine Spekulation! Der offizielle Name der Expedition, so wie er auf den Briefköpfen stand, ist: "Deutsche Tibetexpedition Ernst Schäfer".

Näheres dann hier:
http://info-buddhismus.de/Ernst-Schaefer-Tibetexpedition-Engelhardt.html
http://info-buddhism.com/Tibet-1938-1939-Ernst-Schaefer-Expedition-Engelhardt.html

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4. Kommentar von Tenpel am 18.10.2012 um 11:39

Apropos Statue
Bayer ist nicht der einzige Wissenschaftler, der dies als europäische Imitation sieht. Nicht-offiziell haben sich noch mehr Wissenschaftler dahingehend geäußert. Im großen und ganzen kann man glaube recht sicher zusammenfassen, dass die Abbildung eher überhaupt nicht tibetischer Kunst entspricht und atypisch ist.

Am besten wäre es nun qualifizierte Kunsthistoriker zu kontaktieren, die Fachleute in Bezug auf tibetische Kunst und Ikonographie sind. Ich kenne einen Tibetologen, der sagt, er habe eine Email-Anfrage zu dem Thema sofort gelöscht, weil ihm diese Vermutung, es handle sich um eine tibetische Buddhastatue, "lächerlich" erschien. Er dachte, die Anfrage sei ein Scherz.

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5. Kommentar von Huscarl-Redaktion am 18.10.2012 um 12:00

Vielen Dank ...
... für die fundierten Ergänzungen. Wir erachten die Nazi-Connection hinsichtlich der aktuellen bekannten Datenlage zwar nicht als relevant, was das Fundstück betrifft, hatten aber schon unsere Zweifel hinsichtlich der einseitig-reisserischen Darstellungen in heimischen Medien wie "DerStandard". Hier war man wohl mehr an politischen Aspekten als historischen Fakten interessiert.

Es sprechen allerdings viele Details gegen die Fälschungsvermutung. Wie im Artikel angemerkt, haben wir (vielleicht als erstes Medium) mit Tibetologen und Buddhismus-Kundigen gesprochen, Anfragen an weitere Fachleute sind unterwegs. Über weitere Kontakte zu Fachleuten würden wir uns sehr freuen - und kontaktieren diese gerne mit unserem Fragenkatalog.

Insgesamt erscheint die graeco-buddhistische Ursprungstheorie sehr vielversprechend zu sein, speziell was "Helm" und Rüstung der Figur angeht. Hier wird man in der Antike viele Parallelen finden.

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6. Kommentar von Tenpel am 18.10.2012 um 12:25

Habe Ihnen offline geantwortet.
Ich bin insofern an einer korrekten Darstellung der Schäfer Expedition interessiert, da sie zu den Mythen gehört mit denen Tibeter, Tibetischer Buddhismus und der Dalai Lama immer wieder denunziert werden. Tibeter selbst reagieren so gut wie gar nicht darauf, wahrscheinlich weil sie es als westliche Projektionen abtun und die Wucht solcher Denunziationen offenbar unterschätzen. Der ganze Hype hat gezeigt, wie viel Fantasie da noch in den Köpfen spukt und wie diese Fantasien sich via Huffington Post, Guardian, Standard etc – und nun auch mehr oder weniger interdisziplinär via Buchner at al – weiter verbreiten und sie damit zementieren.

Es ist super, dass Sie sich um Kontakt zu Experten bemüht haben/bemühen. Der Guardian hat ja \"den Vogel abgeschossen\" indem er behauptet, die Expedition habe die Statue gestohlen. Die Schäfer Expeditions TN haben alles ordentlich bezahlt, es gibt eine detaillierte Liste der erworbenen Gegenstände, insgesamt gaben sie 12,119.80 RM für mehr als 2000 Artikel aus. Spiegel Online sprach gar von \"Nazi-Beutekunst\", hat den Titel später aber korrigiert.

Diese Expedition von Schäfer ist zwar nur ein Unterpunkt im Ganzen, aber ich gewichte ihn für mich stärker.

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7. Kommentar von Tenpel am 18.10.2012 um 13:03

Link zu Achim Bayers Artikel
der Link zu Bayers Arbeit wurde glaube noch nicht gelistet so weit ich das sehe: http://www.buddhismuskunde.uni-hamburg.de/fileadmin/pdf/publikationen/Bayer_2012-Trousers.pdf

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8. Kommentar von angusvonardingen am 18.10.2012 um 16:56

Nazibudda.......
Da sieht man es mal wieder - was wäre die Welt ohne Nazis? Sie haben die Runen erfunden und massgeblich die alten Griechen, die Wikinger, Inder, Iraner etc. beeinflußt. Sie sind schuld an vielen Superhelden und Schurken von Magneto (X-Man) bis Hannibal Lector, Indiana Jones und viele mehr. Es gäbe keine Vernünftigen Gegner und Bösewichte für Bücher und Film. Runen und Swastika sind ihr Markenzeichen und alles anderen haben nur bei ihnen geklaut und das obwohl sie nur einen Bruchteil von Opfern produziert haben wir andere ansehnliche Vorbilder ... Lenin, Stalin, Mao, Napoleon, Mohammed ... macht ihnen keiner ihre Bedeutung streitig. Nicht einmal des Staat Israel würde es ohne sie geben (hat ein Rabbi gesagt).  Mir reicht es einfach so gewaltig, dass die ganze Geschichte auf die berühmten 1000 Jahre reduziert wird. Man weiß ja in der Allgemeinheit anscheinend recht wenig über diese 1000 Jahre die anscheinend gleich nach Kaiser Karl begannen und bis 1945 reichten. Es gibt so viel Kultur und Geschichte, dass man das sicht echt bald denken muss wie klein und unwichtig alles andere ist.

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9. Kommentar von Franz Mettauer am 18.10.2012 um 19:48

1942 Schaefer Expedition s 1938-1939

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10. Kommentar von Florian Machl (Administrator) am 19.10.2012 um 01:28

Skythen-Theorie
Ich würde mich sehr über Fachmeinungen freuen, welche die Skythen-Vermutung untermauern oder falsifizieren. Ich habe inzwischen dutzende Bildbelege gesehen und auch gesammelt, welche darauf hindeuten, dass die gesamte Ausrüstung der abgebildeten Person skytisch ist. Einzig eine vergleichbare Hose fand sich noch nicht. Der Vollbart passt perfekt. Der Ohrring gibt hingegen Rätsel auf - auch hier wären Spezialisten für die Antike gefragt, ob die Darstellung eines einseitigen, sehr markanten Ohrrings von irgendwoher bekannt ist.

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11. Kommentar von caly am 21.10.2012 um 15:49

Cui bono?
Wenn das Ding zuletzt in Privatbesitz war und bei einer Versteigerung aufgetaucht ist, klingt das erst mal nicht so, als hätte dieser Besitzer das fälschen lassen. Hätten die Nazis es damals fälschen lassen, hätten sie damit doch garantiert einen Zweck verfolgt und das ganze publik gemacht, beispielsweise als Beweis für die Theorie von der arischen Rasse? Sowas macht man ja nicht mal eben aus Jux mit einem sibirischen Meteoritenstein. Die Frage, wann es denn zu welchem Zweck gefälscht worden sein soll, fänd ich bei all den Spekulationen durchaus wichtig, schade, dass das gar nicht zur Sprache kommt.

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12. Kommentar von christina am 29.10.2012 um 19:33

Nath Yoga - evtl. auch eine Möglichkeit
Ich bin gerade auf die äußerst fruchtbare Diskussion hier aufmerksam geworden. Die graeco-buddhistische Idee finde ich auch sehr spannend, das sollte man weiter verfolgen.
Ich selbst möchte hier auf den Kultus um Guru Gorakhnath aufmerksam machen, der in Nepal und Nordindien weit verbreitet ist, Gorakhnath wurde auch in Tibet verehrt. Hier mal ein Link zu Bildern vom Pushkar Goraksanath Tempel, ich beziehe mich auf das Bild in der Mitte etwas weiter unten, Bildunterschrift "Navnath": http://shrifreedom.org/yoga/Goraksanath2.htm
Der Dargestellte trägt eine Art Bauchpanzer, er trägt Ohrringe, er sitzt im offenen Lotos. Wenn man Navnath googelt, sieht man die Gurus hauptsächlich bärtig. Die großen Ohrringe durch die Ohrmuschel sind geradezu ein Erkennungszeichen für die Sekte, allerdings in beiden Ohren. Hose und Schuhe fehlen allerdings, und Gorakhnath hat auch andere Mudras.
Ich bin selbst kein Experte hierfür, aber ich habe einen Experten heute angeschrieben: Prof. David Gordon White von der University of Chicago, der sich als Historiker mit Yoga beschäftigt und einige hochinteressante Bücher zum Thema geschrieben hat. Habe ihn um eine Einschätzung gebeten. Ich lasse euch wissen, wie er antwortet.

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