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Florian Seidl
Marktpanorama in der idyllischen (künstlich angelegten) Schlucht bei Gföhl.

Florian Seidl
Prinzipal Friedrich Rud: Regisseur, Drehbuchautor und einer der Hauptdarsteller. In seiner Rolle dermaßen enthusiastisch, dass er sogar gefärbte Kontaktlinsen anlegte.

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Einer der wenigen Hinweise auf die Veranstaltung im Ortsgebiet der Gemeinde Gföhl.

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Das lokale Potenzial an Unterstützern ist groß, wie z.B. die Abordnung der Dorfmenige Distelhain aus dem nahgelegenen Neupölla.

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Kleiner Ausschnitt von Bühne und Ensemble

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Die seelenlose Söldnertruppe - vergleichbar dem FC Chelsea 04, aber wesentlich stärker in der Offensive.

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Die absolute Königsklasse des Bühnengefechts: der Schaukampf zu Pferd.

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Große Gefühle in der großen Arena: Statt Winnetou stirbt hier der Elf den Heldentod.

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Zwerge sorgen für den humoristischen Sidekick: hier auf der Flucht im eigens leergetrunkenen Bierfass.

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Richard Schmidt als Bösewicht ist so böse, dass sein Bart sogar noch in Krems böse ist.

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Zwerg, Elb - gehört auch irgendwie zu den Nibelungen.

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Wirklich nur in Gföhl zu sehen: die hauseigenen Trickreiter, die am Ende der Vorstellung noch einmal wissen wollen, was Mann und Ross leisten können.

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Krönender Abschluss der Show: Stunts am galoppierenden Pferd. Anderswo wird alleine dafür schon Eintritt verlangt.

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Hat es auch nicht leicht in Gföhl: Stupa-Modell


Gehversuch in Gföhl
Nibelungenspektakel statt Karl May
Florian Seidl
02.06.2012 09:15

Der erste Versuch, auf der Freilichtbühne in Gföhl zum Pfingstwochenende Mittelalter statt Karl-May zu veranstalten, war qualitativ ein Erfolg, der sich mehr Besucher verdient hätte.

Gföhl ist ein beschauliches Städtchen im südlichen Waldviertel, unweit der Weinbaumetropolen Krems und Langenlois. Seit 25 Jahren wird dort auf einer der ältesten Karl-May-Spielstätten Winnetou und Old Shatterhand gehuldigt. So manche Sommertheater-Spielstätte kann von dieser Infrastruktur nur träumen: 500 Parkplätze, Toiletten, regenfeste Gastronomie und eine Arena für 2.000 Zuschauer mit großzügiger Kulisse vom Steinbruch bis zum See. Vom Passionsspiel bis zum Madonna-Konzert wäre hier jedes Event machbar.

Keine Starkstromleitung trübt das Ambiente in dem Graben, der geschmackvoll mit Zelten der üblichen Marktanbieter gefüllt war. Die Sponsoren-Transparente waren im Eingangsbereich angebracht, wo sie auch hingehören. Für fünf Euro gab es ein Programm, das anderswo für mindestens zwei Feste gereicht hätte: zweieinhalb Bands (Rhiannon, Nornensanc, Rowanne solo), Tuchjonglage, Stelzengeher, Lagergruppen, knapp 30 Mittelalterhändler, Gaukelei und Schaukampf-Vorführungen. Vom Taverenangebot ganz zu schweigen - die Arge Freilichtbühne Gföhlerwald hat mit Torxes und Pixel erfahrene Organisatoren ins Boot geholt, um den Markt zu programmieren. Die anwesenden Lagergruppen unterstützen die Bühnenshow zusätzlich als motivierte Komparsen.

Geheim-Programm

Die Umstände, dass Gföhl im Gegensatz zu anderen Destinationen keine Burgruine aufweisen kann, als Mittelalter-Spielstätte gänzlich unbekannt ist und die üppigen Darbietungen völlig unzureichend bekannt war, führten zu eher überschaubarem Publikumszustrom. Das Programm war hochwertig, aber weder in den Inseraten in regionalen Wochenblättern noch in den wenigen Plakaten und nicht einmal im Internet auf den Seiten der Freilichtbühne Gföhl oder in den üblichen Social-Media-Kanälen waren Details zu finden. Was nutzen halsbrecherische Stelzenartistik, eine beeindruckende Falkner-Vorführung und die rasante Präsentation der jungen Risikosportart „Vollkontakt-Schwertkampf“, wenn niemand weiß, dass sie stattfinden? Rare Flugzettel mit einem Detailprogramm, die vereinzelt am Festgelände kursierten, sind jetzt schon gesuchte Sammlertrophäen. In Gföhl selbst deuteten drei bemühte Tafeln auf das Fest hin, die am Veranstaltungswochenende von einem zufällig gastierenden Wanderzirkus und Feuerwehrfesten um ein vielfaches übertrumpft wurden. Neuralgische Punkte wie die stark frequentierte Bundesstraße oder die Abzweigung zur Freilichtbühne blieben ungeschmückt. Für eine Veranstaltung, die so sehr auf den Rückhalt in der Region angewiesen ist, eine fast fahrlässige Lücke.

Das Pfingstwochenende mit seinen Begleiterscheinungen (Ausflüge, kirchliche Feste) mag auch nicht hilfreich gewesen sein. Fest steht aber, dass der Schönwettergott ein Einsehen hatte und lediglich am Montag, am Ende des Festes, ein kurzer Gewitterschauer störte. Aber da am Montag nach 15 Uhr ohnehin freier Eintritt war (nett gemeint, aber ebenso wenig kommuniziert wie das restliche Fest-Programm), störte das auch nicht mehr.

Die Zukunft ist Mittelalter

Kern der Veranstaltungen der Freilichtbühne Gföhlerwald sind die Shows in der Naturbühne. Seit 25 Jahren werden hier von Amateuren und einigen wenigen Profis Bühnenstücke aufgeführt. Mit dem Sager „Karl May ist für uns Vergangenheit“, bringt Friedrich Grud, seit drei Jahren in Gföhl aktiv und dieses Jahr verantwortlich für Drehbuch, Regie und eine Hauptdarsteller-Rolle, die Situation auf den Punkt. Die Populärkultur hat sich vom Western-Genre abgewandt und findet sich heute im Mittelalter- und Fantasy-Genre. Für einen kleinen Veranstalter hat es hier keinen Sinn, sich gegen den Trend zu stellen. Stattdessen wird mit dem Strom geschwommen. Zielpublikum bleibt aber nach wie vor die ganze Familie, allerdings mit Geschichten und Geschichte aus dem Mittelalter - „hoffentlich für die nächsten 25 Jahre“, so Grud optimistisch.
 
Hinter den Kulissen des Betriebes arbeiten bis zu 60 Menschen, viele davon direkt aus dem Ort. Die Gföhler Unternehmer Adi Blauensteiner junior und senior waren die Initiatoren der Freilichtbühne. Adi Blauensteiner (jun.) teilt die neue Marschrichtung der Freilichtbühne. Der Abschied von Karl May ist für ihn nicht schmerzhaft und er freut sich schon auf kommende Spektakel aus dem Mittelalter-Genre.

Vom Herrn der Ringe zum Ring der Nibelungen

Der Inhalt des Stückes, das den thematischen Programmpunkt „Nibelungen“ bilden sollte, sei nur verraten: Beabsichtigt war, die Vorgeschichte des Ringes der Nibelungen zu erzählen. Gelöst wurde die Aufgabe durch Rückgriff auf Versatzstücke des Tolkienschen Mittelerde-Zyklus (hat ja auch was mit einem Ring zu tun). Elfen, Zwerge und sogar ein versprengter Ork (wozu eigentlich?) bevölkerten die Arena. Die Musik aus der Konserve unterstützte mit bekannten Themen aus Herr der Ringe und Game of Thrones die Auftritte. Die Handlung ist familienfreundlich, verständlich und könnte mit mehr schauspielerischem Einsatz noch wesentlich mehr Wirkung erzeugen. Liebgewonnenen Nebenleistungen aus der Zeit der Karl-May-Aufführungen wie ein Besetzungszettel oder etwas Vorberichterstattung zum Stück selbst wären sicherlich noch möglich. Die Handlung ist zwar aktionsreich, aber familientauglich aufbereitet. Gut und Böse ist selbst auf weite Distanz klar erkennbar - hier ist man dem Karl-May-Muster treu geblieben.

Im Gegensatz zu früheren Shows wurde bei Tageslicht gespielt und auf Licht- und sonstige Showeffekte verzichtet. Die Komparsen wurden im letzten Moment aus Teilnehmern des Markt-Lagers zusammengestellt, was die zusammengewürfelte Garderobe erklärt. Die Choreografie von Massenszenen gehört zu den schwierigsten Herausforderungen von Bühnen. Gemessen an der lächerlich kurzen Probezeit leistete das Ensemble mitunter Beachtliches. Das Niveau der Darsteller ist seit Jahren solides Amateurtheater, aber die weitläufige Kulisse fordert seit jeher keine hohe Schauspielkunst, sondern Action und Körpereinsatz.

Erich Schmidt, seit sieben Jahren als Old Shatterhand mit tragender, edler Rolle herausgefordert, genoss seine Bösewichtrolle als „Hadmir von Ragnor“ sichtlich. Fantasy ist eine „komplett neue Welt“ für ihn, ebenso wie die im Vergleich zu früheren Produktionen extrem kurze Probezeit, aber er spart nicht mit Lob für die neuen Mitspieler aus der Markt-Szene.

Die Freilichtbühne ist gebaut für den exzessiven Einsatz von Pferden, die im rasanten Galopp dicht an den Besuchern vorbeistauben. Das wurde mit Wonne und Virtuosität erfüllt. Die Gföhler Stunt-Reiter begeistern seit Jahrzehnten das Publikum durch eine Trickreit-Show nach dem offiziellen Ende des Stückes. Was hier von Talenten aus der Region gezeigt wird, ist schlicht atemberaubend und alleine den Eintritt wert.


Resümee

Das Wagnis, einer eingesessenen Spielstätte ein völlig neues Profil zu geben, ist nicht einfach zu bewältigen. Was in 25 Jahren mit großer Unterstützung einer Szene aufgebaut wurde, kann nicht in einem Wochenende umgepolt werden. Die Freilichtbühne Gföhlerwald liegt im Trend der Zeit, hat aber noch einen weiten Weg vor sich. Das Fest eignet sich in dieser Dimension ideal für Familien und wird noch viele Freunde finden, vorausgesetzt, dass den enthusiastischen Veranstaltern weder Geld noch Lust ausgehen und die Bewerbung massiv verbessert wird. Der nächste Event ist schon geplant (29.6. - 1.7.) und es ist zu hoffen, das zum "Kreuzritterspektakel" mehr Besucher den Weg zur Freilichtbühne finden. Vielleicht wird dann auch ein Detailprogramm bekannt geben werden.

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1. Kommentar von Narr am 04.06.2012 um 12:53

Danke
an alle Teilnehmer, Akteure, Händler und Handwerker der Pixel,das Team der  Freilichtbühne Gföhl und ich können und wollen sich rechtherzlich bei euch bedanken.

Wie der flose sehr schön in seinen Artikel erwähnt hat war es die erste Veranstaltung in diese Richtung und wir wollen gerne weiter in diese Richtung gehen in Gföhl.
Das geht halt nur mit so großartigen Teilnehmern wie euch die ihr bei uns in Gföhl wart.

Die Werbung wird ausgebaut und besser organisiert werden.
Und so mit Hüa hüa wir reiten sicher wieder in Gföhl......

euer noch immer nasser Narr

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2. Kommentar von Elisa am 11.06.2012 um 11:05

Jö,....
... na wenn sich da weiterhin in die Richtung was tut, dann muss ich ja Mal bei den Ex-Kollegen vorbeischauen...
Wobei der schwarze Irokese stand dem Fritz besser zu Gesichte....

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3. Kommentar von Huscarl-Redaktion am 23.06.2012 um 08:56

Ergänzung
Die Veranstaltung war nicht das erste Mittelalter-Spektakel in Gföhl, es gab bereits 2011 einen Markt mit Turniervorführung.

Nach einer Meldung auf der Homepage der Veranstalter wurden die geplanten Events (Ritterturnier, letztes Western-Fest) für heuer abgesagt. Die Begründung lautet: "gesundheitliche Gründe des Intendanten".

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