huscarl.at
EditorialMarktlebenWissenschaftMusikKulturVereineChronikVermischtesKurzWahlRadioVideoSzeneSuche
in der Community anmelden
(C) Florian Machl
Passend zur aktuellen Editorials-Diskussion darf hinterfragt werden, ob für ein solchermaßen reduziertes Programm 10 Euro Eintritt gerechtfertigt sind. Pferdeshow hin oder her.

(C) Florian Machl
Auf sehr schmalem Areal ritten die Turnierritter von Heimdalls Erben ihr Programm. In der Mitte einige der Hauptdarsteller in Form von Plastikluftballons. Gab es im Mittelalter noch kein Obst und Gemüse zum Zerhackstücken?

(C) Florian Machl
Prioritäten. Das Areal war zugepflastert mit Werbeplakaten für das nahende Bühnenstück für das extra der gesamte Burghang mit modernem Gemäuer zugepflastert worden war.

(C) Florian Machl
Ein anderer Gedankengang als "es is eh schon alles Wurst" kann bei der Genehmigung dieser Mauerbauten am Fuße der Burg eigentlich nicht im Spiel gewesen sein. Aber man erhofft sich wohl von der solchermaßen entstandenen "Naturbühne" regionale Impulse.

(C) Florian Machl
Die Umbauarbeiten waren nicht ganz fertig geworden. Das abschüssige Areal rechts eignete sich nicht wirklich als Fläche für Lagerleben.

(C) Florian Machl
Beachtlich: Im mobilen Museum von Heimdalls Erben wurden viele Fund- und andere Ausstellungsstücke, hauptsächlich aus dem Frühmittelalter gezeigt.

(C) Florian Machl
Seltenheitswert haben so aufwändige Auftritte wie der jener Wikinger, die mit einem Langhaus angereist sind.

(C) Florian Machl
Früh dran. Munterer Lagerabbau schon lange bevor der Markt offiziell zu Ende ging.

(C) Florian Machl
Das neue Burgmuseum umfasst zwar nur zwei Räume, einer davon ist jedoch museumspädagogisch sehr ansprechend: Die Herrschaften in den Bilderrahmen sind sprechende Animationen, die interessante Dinge zu berichten wissen.

(C) Florian Machl
Liebe zum Detail kann man den Veranstaltern in diesem Jahr leider nicht unterstellen.

(C) Florian Machl
Und wenn dies der Ersteindruck des Besuchers ist, der das Museum im Getreidespeicher besucht, dann dürfte irgendetwas bei den Vorbereitungen nicht ganz geklappt haben. Und wenn es nur der Schlüsseldienst war, der das Gebäude unzugänglich machen hätte sollen.


Mining sehen und wundern
Extrem reduzierte Frauensteiner Ritterspiele
Florian Machl
24.05.2012 15:22

Fest bewerten

Ergebnisse der Berwertung

Fotogalerie

Fotogalerie

Es war das erste richtig umkämpfte Veranstaltungswochenende des Jahres: Böhmischer Prater. Plankenstein. Marchegg. Und irgendwo an der deutsch/österreichischen Grenze nahe Schärding und Passau war noch ein Fest. Das Mittelalterfest nahe der kleinen verschlafenen Gemeinde Mining, auch bekannt als Frauensteiner Ritterspiele. Schon zum achten Mal stattfindend, kannte man es bislang als kleine aber feine Veranstaltung. Veranstalter ist der Verein Tempus Rapax dem auch der ansässige Burgwirt angehört. Doch leider – im Jahr 2012 musste sich der Besucher ĂĽber vieles wundern, so er das Fest ĂĽberhaupt fand...

Was ist passiert, mit dem lauschigen Festchen, wo sich hinter einem malerischen Torhaus am FuĂźe einer mehr oder weniger ramponierten Burg Lagergruppen aneinanderkuschelten, gegenĂĽber einer langen Reihe von sonst nicht all zu vielen aber gut ausgewählten Händlern? Und wo waren all die Besucher, die frĂĽher in durchaus respektabler Zahl nach Mining gepilgert sind? Diese waren nicht das einzige, was auf den ersten Blick fehlte. Schon vor dem Festgelände vermisste man jegliche Form von Hinweisschild oder Plakat – zumindest auf österreichischer Seite – gleich nach der Burg und dem Inn ist deutsches Staatsgebiet. Von Mining aus gibt es nicht einmal ein reguläres StraĂźenschild, das auf das “Schloss Frauenstein” hinweisen wĂĽrde.

Programmgestaltung einzigartig.

So konnte man terminlich knapp vor der letzten ReitervorfĂĽhrung sehr nahe am Eingang einen Parkplatz finden. Der Markt selbst verfĂĽgte ĂĽber eine Programmgestaltung, die unser Redakteur in dieser Form noch nie gesehen hat. An den eigentlich als sehr besucherstark einzuschätzenden Tagen des verlängerten Wochenendes, dem Fenstertag Freitag und dem Samstag, sperrte der Markt erst um 15:00 Uhr auf.  An diesen Tagen wies das offizielle Programm im Prinzip zwei Programmpunkte aus. 18:00 Uhr Musik mit Fatzwerk. 20:00  Uhr Reitershow, direkt im Anschluss Feuershow. Am Donnerstag und an meinem Tag unseres Besuches, dem Sonntag, öffnete der Markt immerhin bereits um 10:00 Uhr. Und es gab auch jeweils zwei Pferdeshows. Und Musik. Und aus.

Nette Veranstalter, höfliche Mitarbeiter

Sehr nette, gewandete Menschen begrĂĽĂźten den Gast an der Kassa. Kurz danach ein Schild: “Rundgang”. Links die Händlermeile, rechts die Arena. Der Rundgang war dem Redakteur neu, allerdings hatte er den Veranstaltungsort auch zwei Jahre lang nicht gesehen. “Und jetzt simmer schon wieder da, gell?”, sollte mein Begleiter, einer der zuvorkommenden Veranstalter vom Verein Tempus Rapax etwa zehn Minuten später sagen. Es gibt auch kurze Rundgänge. Es gibt auch kleine Märkte. Das sah man am Eingang allerdings noch nicht, wo der reguläre Eintritt von 10 Euro betrug. Es wären einige Händler nicht gekommen, erklärt man uns. Insgesamt hatten es wohl allerhöchstens neun Anbieter nach Mining geschafft, wenn man wohlwollend einen Schmuckhändler im Plastikpavillon und den Wanderbäcker mitzählte. DafĂĽr gab es ein unvermutetes Wiedersehen mit dem Wissensbringer, dem berĂĽhmt-berĂĽchtigsten Buchhändler. Highlight des Rundganges war sicher das Museumshaus mit Deko des Vereines Heimdalls Erben, die als Headliner fĂĽr das Ritterturnier zu Pferd zuständig waren. Die reichhaltigen AusstellungsstĂĽcke wiesen auf einen intensiven Hang zum FrĂĽhmittelalter hin.

Was vom Programm ĂĽbrig blieb.

Es ging sich aus, die letzte Nummer des Auftrittes der deutschen Musikgruppe Fatzwerk zu hören. Grundsolide Marktmusik, da gibt es, betrachtet am Schnitt der Genremusik, nichts zu meckern. Recht viel mehr als zwanzig bis dreiĂźig Zuhörer hatten sie zu diesem Zeitpunkt leider nicht mehr um sich geschart. Schade, denn von etwas Hutgeld wĂĽrde sich vielleicht auch ein besseres „BĂĽhnenoutfit“ als die Standardtunika in Einheitsfarbe ausgehen. Danach die Pferdeshow von Heimdalls Erben. Die Show wurde in hochmittelalterlich anmutendem Outfit geritten. Der Redakteur gesteht, länger als 15 Minuten hat er nicht durchgehalten. Dabei schien es hauptsächlich darum zu gehen, mit verschiedenen Waffen arme, unschuldige, wehrlose Luftballons zu massakrieren. Es zeigte sich, dass die Raumplanung verbesserungsbedĂĽrftig war, denn den Hauptteil der zur VerfĂĽgung stehenden Fläche nahm eine groĂźe MetalltribĂĽne ein. FĂĽr zwei Turnierbahnen blieben geschätzt maximal acht Meter Platz – nicht allzuviel, wenn man bedenkt, dass diese Fläche auch mit verschiedenen Gegenständen  verstellt war, die einen Zweck in der Show erfĂĽllen sollten.

Alles nicht so einfach.

„Es wäre alles nicht so einfach gewesen“, sagte man uns. Weil ja die NaturbĂĽhne gebaut wird. Richtig, gleich angrenzend an die Reitbahn begannen moderne MauerstĂĽcke, die jeder Standard-Garteneinfassung gerecht geworden wären. Der gesamte Hang zur Burg hin wurde umgestaltet. In einer Art und Weise, die eigentlich dazu geeignet sein sollte, die Verantwortlichen auf Zuruf des Bundesdenkmalamtes einem schlimmen Schicksal zuzufĂĽhren. Es war aber nicht nur dort gebaut worden, bis zum Aufbautag standen die Baumaschinen am Gelände. Und hatten versucht, durch AufschĂĽttungs- und Planierungsarbeiten Platz fĂĽr Lagergruppen zu machen - leider ohne besonderen Erfolg. Das Resultat war ein Hang aus lockerem Geröll, untauglich zum Aufbau von Zelten.

Lauschige Lager, versprengt.

Dieser Punkt war bei früheren Festen eigentlich kein Thema. Die etwas reduzierten Gruppen, die diesmal da waren, lagerten deshalb vor allem neben den Hauptwegen nahe dem Eingang. Mit etwas wenig Platz, aber lauschig, unter riesigen alten Bäumen. Manche mussten ihr Lager aufteilen und verlegten einige Zelte ein Dutzend Meter weiter. So gut wie alle waren schon damit beschäftigt, mehr oder weniger sichtbar die Lager abzubrechen. Vor allem die Wikinger die wieder einmal ihr großes Langhaus aufgebaut hatten, waren ein absoluter Augenschmaus. Und insgesamt, auch wenn verstreut, war die Auswahl der Gruppen doch recht passabel. Und in einem Ungleichgewicht zum sonstigen Angebot des Tages. Gefühlt deutlich mehr Lager als Händler.

Eins noch.

Es wäre uns sicher entgangen, hätte man nicht dankenswerter Weise darauf hingewiesen. Oben, im Tavernengebäude war ein neues Museum eröffnet worden. Es bestand aus zwei Räumen. Einem mit vielen erklärenden Bildern und Tafeln, leider keines davon ein historisches Original. Der zweite Raum war hingegen innovativ. Die Idee gut, die Umsetzung ebenso. In mannshohen Bilderrahmen waren Bildschirme versteckt, in denen vier historische Figuren auf Knopfdruck interessante Details ĂĽber die Geschichte des Landstrichs erzählten. Ob die Bezeichnung Museum nicht etwas ambitioniert und verfrĂĽht gewählt wurde, darf sicher diskutiert werden, doch der moderne pädagogische Ansatz ist erwähnenswert. Im ehemaligen Getreidespeicher nebenan gab es auch noch eine FĂĽlle an Schautafeln zu bewundern. Leider waren diese Räume das, was man im Englischen mit „a mess“ umschreiben wĂĽrde. Unaufgeräumt und chaotisch. Unverständlich, dass sich dies nicht vor oder zumindest während der Veranstaltung verbessern lieĂź, denn ein Stockwerk darĂĽber wäre viel Staufläche fĂĽr Unnötiges zur VerfĂĽgung gestanden.

Es bleibt die gute Hoffnung.

Zur Ehrenrettung des Festes tragen die Fotos von zwei Lagerteilehmern, Maria Linecker und Heinrich Wittmeier bei. Sie steuerten viele Schnappschüsse zur Huscarl Bildergalerie bei, die zeigten, dass zumindest die Lagerleute auf diesem Fest viel Spaß haben konnten, den sie auch selbst mitgebracht hatten. Also, was hat diesmal dazu geführt, dass Mining 2012 so dermaßen reduziert war? Im Gegensatz zu anderen Orten, wo einem vergleichbar Dürftiges geboten wird, ist das Problem hier sicher keine Gewinnsucht oder gar Täuschungsabsicht gegenüber den Besuchern. Hier muss im Hintergrund einfach sehr, sehr viel schief gegangen sein. Zu viel, um darüber zu spekulieren. Aber die Hoffnung bleibt bestehen, auch aus der Erfahrung der Vergangenheit begründet, dass das kommende Jahr wieder besser wird. Viel besser. Das hat sich Mining verdient. Und jeder Gast. Und jeder einzelne Mitwirkende auch.


Weiterführende Links:




Fantasy Flagship



Radio Aena

Huscarl Diskussionsforen


Noch schneller informiert:
Huscarl auf Facebook



Dieser Huscarl-Artikel ist mir eine kleine Spende wert:




1. Kommentar von Cathal Lochlanson am 31.05.2012 um 20:59

Seltsames Fest - und doch Qualität da
Lieber Flo,

die Augenschmaus-Wikinger haben einen Namen. "Cullach Cuthach" bieten eigentlich noch viel mehr als ihr transportables Langhaus. Neben fundierten Wissen auch zum Beispiel eine recht ansehliche Homepage: http://cullach-cuthach.de/main.html
Ich denk, diese Gruppe kann man, auch wenn sie aus Bayern und nicht aus Österreich stammt, ruhig mal erwähnen...

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.


2. Kommentar von Florian Machl (Administrator) am 31.05.2012 um 21:03

Danke!
Kann man nicht nur, muß man sogar!
Danke.

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.



Du erhältst derzeit keine E-Mail-Benachrichtigung, wenn
neue Kommentare zu diesem Artikel verfasst werden. Ändern.