huscarl.at
EditorialMarktlebenWissenschaftMusikKulturVereineChronikVermischtesKurzWahlRadioVideoSzeneSuche
in der Community anmelden
(C) Relativity Media / Constantin Film
Ein hübsches Filmplakat. Das auch schon viel über die Problematik des Streifens aussagt: Unhistorisch, Optik geht vor Inhalt.

(C) Relativity Media / Constantin Film
Pluspunkte gibt es für die durchaus passable Besetzung, beispielsweise Mickey Rourke als König Hyperion.

(C) Relativity Media / Constantin Film
Schöne Menschen...

(C) Relativity Media / Constantin Film
... schöne Bilder. Doch dabei wenig Liebe zum Detail.

(C) Relativity Media / Constantin Film
Eine hübsche Göttin, doch eine Verbindung zur griechischen Antike zu ziehen erscheint nicht nur inhaltlich mehr als verwegen.

(C) Relativity Media / Constantin Film
Übles optisches Foul: Der Epeiros-Bogen, ein zentral wichtiges, magisches Artefakt, ist ein moderner Komposit-Sportbogen.

(C) Relativity Media / Constantin Film
Die Rundschilde stammen vom chinesischen Fließband?

(C) Relativity Media / Constantin Film
Eine noch eher harmlose Szene. Die gebotenen Blut- und Gewaltorgien sind im Internet (noch) nicht in Bildern zu finden.

(C) Relativity Media / Constantin Film
Bevor sie zur Unkenntlichkeit verprügelt und dann zu Tode gefoltert werden, dürfen die Mädels noch ein bisserl Schunkeln. Parallelen zu seichten Spätabendfilmen nicht ausgeschlossen.

(C) Relativity Media / Constantin Film
Und auch dieses Bild verrät viel. Als Comic-Verfilmung hätte eine Rezension milder ausfallen können. Es ist bedauerlicher Weise aber keine.


Vermeintliches Griechen-Epos: Krieg der Götter
Schöne Menschen, schöne Bilder - macht das allein einen guten Film?
Florian Machl
06.12.2011 20:26

Schon seit dem 11. November (und darum wohl nicht mehr sehr lange) ist in den österreichischen Kinos ein Film zu sehen, der sich als griechisches Epos verkaufen will. Zudem wirbt man mit einer angeblichen Nähe zur Produktion des Hollywood-Hits „300“. Die Rede ist von „Krieg der Götter“. Einem Streifen, den sich wohl jeder Genrefan angesehen oder auf die „to do“-Liste geschrieben hat. Begeisterung kam selten auf.

Die große Stärke des Filmes ist die visuelle Gestaltung in vielerlei Hinsicht. Von nahezu monumental-klassischen Landschaftsbildern, wo die Figuren ameisengleich über das Bild ziehen, bis hin zur stimmigen Großaufnahme mit zwar spärlich aber dafür intensiv eingesetzten Farben. Die exzessiv in der Postproduction umgefärbten Bilder zeigen, was die Spezialität von Regisseur Tarsem Sing ist.  Was nicht verwundert, wenn man seine spärlichen bisherigen Werke betrachtet, beispielsweise „The Cell“. Nicht überraschen sollten den Kenner dann aber auch die Schwächen des Filmemachers. Während er in der Lage ist, fantastische Bilder von durchaus epischer Tiefe zu schaffen, sollte er sich vielleicht einmal um einen Drehbuchautor bemühen. Um einen echten. Das hier verantwortliche Team, bestehend aus Charley und Vlas Parlapanides hat jedenfalls laut IMDB kaum nennenswerte Erfahrung vorzuweisen.

Auf ewig sollt ihr Baustahl kauen...

Die ersten Einstellungen stellen dem Publikum die von den Göttern in einem magischen Gefängnis gefangen gehaltenen Titanen vor. Diese schmutzigen Gesellen scheinen auf ewig dazu verdammt, auf dicken Baustahlstangen herumzukauen. Ein Fauxpas des Produktionsdesigners, der auch im Trailer zu bewundern ist. Und hier muss man bereit sein, vom oben stehenden Lob auch  wieder gehörige Abstriche zu machen. Viele Bilder mögen zwar schön sein, aber leer an Leben und Detail. Gut, die Geschichte hat mit griechischer Mythologie bestenfalls randläufig zu tun. Ob dies aber jeden gestalterischen Kunstgriff rechtfertigt, darf hinterfragt werden.

Neben epischen Einstellungen üble optische Fouls

Das übelste optische Foul, neben den wohl aus der chinesischen Fließbandfabrik stammenden Rundschilden der Hellenen, ist der Epeiros-Bogen, ein zentrales Element der Handlung. Verwendung findet gänzlich ungeniert ein moderner Kompositbogen. Nachdem spätestens seit der Twilight-Reihe auch Vampire glänzen und glitzern dürften, sind wohl jegliche Schamgrenzen gefallen. So dürfte sich ein Swarovski-Steinekleber an dem ohnehin schon wenig stimmungsförderlichen Ding verewigt haben. Bei aller Liebe zu Fantasy-Filmen: Nein, das geht gar nicht. Wirklich nicht.

3D wie so oft unnötiges Beiwerk

Allgemein variieren die grafischen Effekte von beeindruckend bis grottenschlecht (beispielsweise die mit Steinoptik versehenen Quadrate hinter denen Feuer lodert bei manchen Einstellungen mit König Hyperion – das ist Animationsniveau, das bereits vor 10 Jahren beleidigt hätte). Das nachträglich dazugepfuschte, dem bedauerlicher Weise immer noch nicht erloschenen Modehype folgende 3D, wirkt unnötig wie fast immer. Weder waren irgendwelche Szenen und Effekte extra für eine 3D-Umsetzung geplant worden, noch hätte der Film an visueller Stimmung eingebüßt, würde er in klassischem 2D gezeigt. Im Gegenteil. So darbt der Zuseher unter Nebeneffekten wie einem dunkleren und vor allem unschärferen Bild.

Starke Besetzung entschädigt für manches

Eine Stärke des Films ist wiederum die Besetzung. Hier wurden fast durchgehend schöne Menschen mit beeindruckenden Körpern oder zumindest deren beeindruckender Maskengestaltung verpflichtet. Sie zu betrachten, entschädigt ein wenig für die vielfältigen anderen Schwächen. Auch wenn das gebotene Schauspiel von Henry Cavill (Tudors), Stephen Dorff (Blade), Freida Pinto (Slumdog Millionaire) und anderen nahe an der Belanglosigkeit dahinplätschert – vollständig schlecht oder unglaubwürdig ist es nicht. Vor allem Mickey Rourke als ausgesprochen unrelaxed vor sich hin folternder und mordender König, der definitiv nicht eine heile Tasse im Schrank hat, macht seine Sache gut. Seine Gegenspieler sind die ebenfalls sehr adrett anzusehenden, wenngleich in fürchterlich peinliche Rüstungen gesteckten, griechischen Götter. John Hurt verkörpert durchaus angenehm die menschliche Hülle des Göttervaters Zeus.

Wenn alte Gesetze das Splattern verbieten...

Eigentlich lassen diese Götter, so will es die Storyline, gerne Köpfe platzen. Durch Intensivbehandlung mit Hämmern, Ketten oder was sonst gerade so herumliegt. Außer sie sind von einem ganz und gar nicht klischeehaft abgelutschten "alten Gesetz" zu Untätigkeit verdammt, wenn es darum ginge den Menschen zu helfen. Weil Gesetz ja Gesetz ist. Und ganz wie in sämtlichen schlechten US-Comics vergessen die Helden, wenn es hart auf hart kommt, auf all ihre Superkräfte und bekommen übel eins auf die Mütze.

Die typische Helden-Erzählweise schlägt fehl

Der Film beginnt nie auf erzählerischer Ebene zu interessieren, Spannungsbögen aufzubauen oder Identifikation mit einem der Protagonisten zuzulassen. In Abwesenheit einer nennenswerten Handlung ist es schwer, darüber zu berichten, ohne gleich die gesamte Erzählung vorwegzunehmen. Aber keine Angst. Es handelt sich nicht um die typische amerikanisierte Heldengeschichte, wo einer aus dem Volk seine Schwächen überwindet, gegen Widerstände ankämpft und schlussendlich durch Fleiß und Ausdauer siegreich ist. Eine solche hätte es vielleicht werden sollen, es gelang aber nicht.

Hemmungsloses Morden und Foltern ab 14 Jahren

Die interessanteste Erkenntnis über den Zustand der Filmindustrie und der heimischen Alterseinstufung ist allerdings, dass der Rezensent wohl ein Jahrzehnt der konsequenten Entwicklung in Richtung Sodom und Gomorrha verschlafen haben dürfte. Es gibt keine ihm bekannte Produktion der eingestuften Altersklasse, in der so hemmungslos gemordet, getötet und gefoltert wird. Hermann Nitsch hätte gewiss seine Freude an eimerweise Theaterblut, das über Böden, Wände und Decke plätschern darf. Ob der große Holzhammer zwecks Vermehrungs-Vereitelung ins Genital knallt, junge Frauen bis zur Unkenntlichkeit verprügelt und dann bei lebendigem Leib gekocht werden oder der Mutter der Hauptfigur die Kehle - sichtbar - durchgeschnitten wird: Dass dies alles inzwischen für 14jährige zugänglich ist, ohne ihnen die Kreativität abzuverlangen einen Ausweis zu fälschen oder sich mit Theaterbart und verstellter Stimme an der Kassa zu versuchen, ist gelinde gesagt interessant. 

Der Trick mit den 300...

Die Aussage, der Film stamme "von den Produzenten von 300" mag inhaltlich zwar richtig sein, ist im Grunde genommen aber durch den erzeugten Vergleich mit dem erwähnten filmischen Meisterwerk als irreführend zu bewerten. Klar auf die falsche Fährte fürt die im deutschsprachigen Raum verwendete Behauptung, der Film wäre "von den Machern von 300". Krieg der Götter erreichte als Metascore ausgesprochen schwache 46 von 100 Punkten, auf der IMDB kroch er mit 6,7 von 10 möglichen Wertungspunkten ins schlechte Mittelfeld. Wobei der Rezensent eine eiserne Regel hat, die hier wie auch sonst fast immer zutrifft: Filme unter 7 Punkten auf der IMDB kann man sich getrost auch auf DVD ansehen. Oder gar nicht.


Daten

Laufzeit: 110 min
Produktionsfirma: Universal Pictures
Genres: Action, Drama, Fantasy
Produktionsland: USA

Weiterführende Links:






Steam Dreams

Radio Aena

Fantasy Flagship

Huscarl Diskussionsforen


Noch schneller informiert:
Huscarl auf Facebook



Dieser Huscarl-Artikel ist mir eine kleine Spende wert:





1. Kommentar von Schwerthase am 07.12.2011 um 09:41

Naja,
ich finde den Film durchwegs anschaubar, gerade im Kino. Klar, die Dialoge sind dumm wie Brot, aber die Kampfchoreos sind "Poetry in motion".

Wenn nicht auf der großen Leinwand, dann garnicht.

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.


2. Kommentar von Rotschopf am 07.12.2011 um 13:10

als hobbyschneiderin
lautet auch mein urteil... uninteressant. und dabei lasse ich die historische korrektheit griechischer kleidung und ausrüstung in dem film mal völlig vor. Immerhin gehts hier nicht um historische Ereignisse. Allerdings hätte man sich, wenn man schon einen Fantasy-Streifen dreht, doch ein bisserl mehr bemühen können. Gerade in solchen Filmen hat man doch echt mal die Gelegenheit, tief in die Ressourcen des fantastischen Kostüms zu greifen. Gerade wenns um Götter und Helden geht, hat man die Gelegenheit, das opulenteste vom opulenten rauszuholen und exzellentes Design und Schneiderhandwerk vorzuführen. Aber leider auch in der Hinsicht ein Flopp...

Finde ich gut. Ich kann dir nicht folgen / verstehe dein Kommentar nicht. Dem Verfasser dieses Kommentars eine private Nachricht schicken. Community-Funktionen sind nur für angemeldete Benutzer verfügbar.



Du erhältst derzeit keine E-Mail-Benachrichtigung, wenn
neue Kommentare zu diesem Artikel verfasst werden. Ändern.