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Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia
Zweiter Teil der Disney-Verfilmung von C.S.Lewis' Narnia
6. 8. 2008 - 10:00 - Kai Herrmann

Copyright: Walt Disney Pictures

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Der junge Krieger hat bei der Erklärung der Mindestanforderungen für Feldschlachten nicht aufgepasst... Wobei: Mit Helm lässt sichs schlecht posen.

Ein Jahr ist es her, dass die Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy durch einen Schrank in die Zauberwelt Narnia gelangt waren. Dort hatten sie die mächtige Eishexe besiegt und das Land von dem Fluch befreit, der auf ihm lastete. Der Löwe Aslan, der wahre Herrscher Narnias, ernannte sie zu Königinnen und Königen, und sie regierten für mehrere Jahre das Land in seinem Namen. Durch Zufall gelangten sie schließlich wieder zurück in die Welt der Menschen, sie waren wieder Kinder, und es schien, als ob seit ihrem Aufbruch in die fremde Welt kein Augenblick vergangen wäre. In Narnia verläuft die Zeit jedoch anders als in unserer Welt, und so sind in einem unserer Jahre dort inzwischen 1300 Jahre vergangen. Vieles hat sich in Narnia geändert, aber nicht zum Guten, und nun werden die Helden und Heldinnen von einst wieder zu Hilfe gerufen.

Seit 31. Juli läuft "Prinz Kaspian von Narnia" in den österreichischen Kinos. Der Film ist die Fortsetzung des erfolgreichen erstens Teils "Der König von Narnia" (2005) in der Verfilmung von C.S. Lewis' fantastischer Romanreihe "Die Chroniken von Narnia". Produziert wurde "Prinz Kaspian" ebenfalls von Walt Disney Pictures und Walden Media, Regie führte wieder Andrew Adamson.

Die Handlung

Seit dem Verschwinden der Geschwister Pevensie aus der Welt von Narnia sind viele Jahrhunderte vergangen. Das Menschenvolk der Telmarer hat inzwischen das Land erobert. Die Zwerge und die Zentauren, die sprechenden Tiere und die tanzenden Bäume wurden wie alle anderen fantastischen Wesen Narnias tief in die Wälder zurückgedrängt, und die "Narnianer" gelten bei den Telmarern nur noch als Figuren von Mythen und Legenden.

Der aktuelle Herrscher der Telmarer ist Miraz, der Statthalter des verstorbenen Königs, der die Regierungsgeschäfte führen soll, bis der rechtmäßige Erbe, Prinz Kaspian, erwachsen ist. Als Miraz' Frau, die Schwester des alten Königs, jedoch eines Nachts einen Sohn gebiert, will er Prinz Kaspian heimlich töten lassen, um selbst König zu werden. Der junge Prinz wird aber von seinem alten Lehrmeister gewarnt, und so gelingt ihm die Flucht in die Wälder. Während seiner Verfolgung bläst er das Horn, das er von seinem Lehrer erhalten hat und von dem gesagt wird, dass es in Zeiten großer Not Hilfe bringen würde. Er verliert das Bewusstsein und findet sich schließlich in der Behausung eines Zwerges und eines sprechenden Dachses wieder.

Zur gleichen Zeit betreten die Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy Pevensie im London des Jahres 1941 nach der Schule eine U-Bahnstation, als sich plötzlich vor ihnen ein Tor in eine andere Welt öffnet. Sie gehen hindurch und kommen auf einen wunderschönen Strand. Sie erkunden die Umgebung, und nach und nach wird ihnen klar, dass sie nach Narnia zurückgekehrt sind, aber auch, dass seit ihrem letzten Besuch viel Zeit vergangen sein muss.

Durch einen Zwerg gelangen sie zu Prinz Kaspian, der inzwischen die Narnianer davon überzeugen konnte, unter seiner Führung gegen Miraz vorzugehen. Die Narnianer sind höchst erfreut über die Unterstützung der alten Königinnen und Könige, deren einstige Regentschaft als ein goldenes Zeitalter überliefert wurde. Alle hoffen, dass auch der Löwe Aslan zu Hilfe kommen möge. Doch nach einerkurzen Zeit des Wartens beschließt man, auch ohne ihn gegen Miraz zu kämpfen. Der ist jedoch schlauer als gedacht...

Die Filmkritik

Der erste Teil der Narnia-Reihe, "Der König von Narnia", hat seit 2005 mit seinen liebenswerten Fantasie-Geschöpfen und den grandiosen, fantastischen Bildern (er wurde wie "Der Herr der Ringe" in Neuseeland gedreht) viele Menschen begeistert. Dadurch war die Vorfreude auf den zweiten Teil groß. Wer sich jedoch nun einen mindestens ebenso guten Film erwartet hat, wird wahrscheinlich enttäuscht sein: "Prinz Kaspian von Narnia" kommt an den ersten Teil nicht heran.

Der 'gerechte Krieg'?

Im ersten Teil war die Erkundung dieser faszinierenden neuen Welt ein wesentlicher Bestandteil des Films. Im zweiten Teil wird vieles als bekannt vorausgesetzt und man ist bemüht, schnell zur eigentlichen Handlung hinzuführen. Dadurch geht ein großer Reiz des ersten Films verloren. Zwar gibt es in der ersten Hälfte von "Prinz Kaspian" einige Momente in dieser Richtung, spätestens aber in der zweiten Hälfte des Films ändert sich der Schwerpunkt. Der bewaffnete Kampf gegen die Unterdrückung, der gerechte Krieg für die Freiheit steht wie in der Romanvorlage im Zentrum dieses Films - und das ist seine größte Schwäche. Die Kampfszenen in der ersten Hälfte sind zunächst nur eines von mehreren Elementen, um Spannung zu erzeugen. Über die Tatsache, dass sie für einen Erwachsenen nicht sonderlich überzeugend sind, mag man in der Überlegung, dass die Produzenten (Disney!) auf Kinderfreundlichkeit in der Gewaltdarstellung bedacht waren, noch wohlwollend hinwegsehen. In der zweiten Hälfte geht es jedoch um fast nichts anderes mehr, so gibt es unter anderem eine richtige Schlacht mit Kavallerie, Infanterie und Artillerie. Und hier kann man die mühsamen Kompromisse, die für ein potenzielles Publikum von 12- bis 99-Jährigen eingegangen worden sind, nicht mehr ignorieren. Da Krieg und Kampf in diesem Ausmaß nicht wirklich für Kinder geeignet sind, wurde vieles geschönt oder stark geschnitten und vereinfacht. Während die Frage bleibt, ob so lange Kampfszenen für Kinder wirklich das Richtige sind, müssen reifere Zuschauer eine miese Kampfchoreographie und eine Vielzahl von Situationen und Darstellungen ertragen, die unvernünftig bis absolut blödsinnig sind.

Christliche Motive abgeschwächt

Die (von C.S. Lewis bewusst eingesetzten) christlichen Motive, die im ersten Narnia-Film noch stark im Vordergrund standen und deswegen für massive Kritik gesorgt haben, sind diesmal nur in abgeschwächter Form zu sehen. Zwar ist auch in "Prinz Kaspian" der Löwe Aslan der "Heiland", der mit seiner Wiederkehr die "Guten" erlösen soll. Das ganze ist aber in geringeren Umfang und mit weniger Pathos dargestellt als im Film davor. Und bei allen anderen, im Fantasy-Genre unvermeidbaren pathetischen Szenen muss dem Film zu Gute gehalten werden, dass sie sehr oft von sarkastischen oder ironischen Bemerkungen einer der beteiligten (Neben-)Figuren gebrochen werden, wodurch der Pathos selten ins Unerträgliche steigt. Überhaupt muss ein positiver Aspekt des Films hervorgehoben werden: Er enthält mehrere liebenswerte Nebenfiguren, die in ihrer Art höchst sympathisch sind und für den einen oder anderen Lacher sorgen.

Setting: reine Fantasy

Wer in diesem Film nach historischen Mittelalter-Elementen Ausschau hält, wird keine finden. Er ist ein Fantasy-Film durch und durch. Dies zeigt sich etwa bei der Kleidung, den Waffen und den Rüstungen: Die sehen zum Teil ganz nett aus, haben aber mit historischen mittelalterlichen Vorlagen wenig gemein. Allerdings scheint die darstellerische Konzeption der Talmarer (abgesehen von der einheitlichen "künstlerisch"-monochromen Gestaltung in Schwarz-Grau) in Aussehen, Ausstattung und Sprache von den Spaniern der frühen Neuzeit inspiriert zu sein – nicht ohne Grund, wie sich später zeigt. Die einzige Sache, die sich tatsächlich weitgehend an einer historischen Vorlage zu orientieren scheint, ist der Bau der Brücke, mit dem die Talmarer ihren Truppen Zugang zu den Wäldern der Narnianer verschaffen wollen: Er soll an Julius Cäsars Rheinbrückenbau erinnern.

Zur technischen Umsetzung des Films ist zu sagen, dass auch hier wieder einige schöne Bilder zu sehen sind. Vor allem die Special Effects und die Computeranimationen sind sehr beeindruckend und gut gemacht. Zur schauspielerischen Leistung ist anzumerken, dass zwar einige Darsteller in ihrer Rolle nicht sonderlich überzeugen, andererseits wirkt aber im Gegensatz zu anderen Filmen dieses Genres auch kaum einer von ihnen peinlich.

Gerade noch: sehenswert

Trotz der vielen genannten Schwächen würde ich dem Film insgesamt die Note "sehenswert" verleihen. Dies mag daran liegen, dass ich mir einfach nur einen zumindest durchschnittlichen Fantasy-Film mit vielen schönen Bildern und ein wenig solide Unterhaltung erwartet habe, und das habe ich auch bekommen. Wer sich von "Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia" jedoch mehr erhofft, wird höchstwahrscheinlich enttäuscht werden.


Weiterführende Links:



Fantasy Flagship

Die Harzschützen

Miroque - das Magazin

Der Bogenstand Gesierich

Vehi Mercatus




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1. Kommentar von Mimin am 06.08.2008 um 10:52

Der Film ist gut
Also ich kann mich der Meinung nicht ganz anschließen. Zwar gebe ich dir mit den "geschönten" Kampfszenen recht, allerdings fand ich den Film unterm Strich ´gut´ und vor allem besser als den Ersten. Alleine schon wegen der "erwachseneren" Hauptcharakteren.
Die Schwächen die mir aufgefallen sind, sind eher die leider teilweise sehr sehr große Ähnlichkeit mit dem Herr der Ringe (Baummenschen etc.) und der für mich sehr störende Spanische Akzent der Talmarer.
Optisch ist der Film wieder einmal eine sehr solide Arbeit von WETA Workshop. Fantasy eben, an historische Optik darf mMn hier ohnehin nicht gedacht werden...

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2. Kommentar von Kai von Eggenburg am 06.08.2008 um 11:00

Die Ähnlichkeit zu Tolkiens Büchern...
...ist sicher nicht zufällig, schließlich war er ein befreundeter Kollege von C.S. Lewis, und sie haben sich in ihrem kleinen Literaturzirkel gegenseitig ihre Geschichten vorgelesen und besprochen.

Wobei Tolkien von Lewis sehr viel Lob bekommen hat, umgekehrt Lewis' Bücher aber sehr kritisiert hat...

Was die Hauptcharaktere angeht, kann man sicher streiten. Mich haben sie subjektiv nicht besonders überzeugt. ;o)

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3. Kommentar von Ankantoiel am 06.08.2008 um 11:16

Besser als der erste Teil
Mir hat dieser zweite Teil sehr viel besser gefallen als der erste. Was Kai bereits angesprochen hat, dass C.S.Lewis und Tolkien enge Freunde waren, und auch die Tatsache, dass WETA bereits am Herrn der Ringe mitgewirkt hat, erklären eben die Ähnlichkeit zu dem Herr der Ringe-Film.

Auch muss ich sagen, dass die Charaktere immer noch unrealistisch für mich sind, aber es war besser als im ersten Teil (da gabs so manche Szene, wo ich am liebsten aufgeschrieen hätte, so schlecht war etwas dargestellt).

Mich persönlich stören da stilisierte Kampfszenen weniger (ich bin ganz froh keine abgetrennten Körperteile und verstümmelte Körper sehen zu müssen, auch wenn dies sicherlich der Realität näher wäre), zu dem sollte man bedenken, dass dies eigentlich ein Kinderfilm ist, auch wenn der zweite Teil weitaus düsterer war.

Im großen und ganzen hat mir der Film sehr gut gefallen und es gab kaum eine Szene, bei der ich gähnend im Sessel saß, wie im ersten Teil. Natürlich könnte es besser gemacht werden, aber es war ein unterhaltsamer Film, der für jedes Alter etwas hergibt. ;)

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4. Kommentar von Mandragora am 06.08.2008 um 19:25

Erster Teil....
Mich sprach der zweite Teil auch stärker an als der erste Teil - vielleicht weil auch die Darsteller weniger kindlich und nicht ganz so naiv erschienen. Absoluter Running Gag war diesmal nicht der gestiefelte Kater, das Pendant war aber mindestens ebenso bissig und hat mit seinen Kommentaren absolut unterhalten.

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5. Kommentar von Brenntenperch am 06.08.2008 um 19:25

Dieser unsympathische Drecksack...
...vor ungefähr 20 Jahren gabs mal ne Fernsehserie darüber. Und schon damals hab ich diesen unsympathischen Drecksack von Prinz Kasperle nicht leiden mögen - und auch in diesem Film is es nicht anders.

Erst macht er einen auf coolen Anführer - lässt dann den Hochkönig für sich kämpfen und ist eigentlich der unnützeste Charakter in diesem Film.

Mir hat der erste besser gefallen.

Andreas von Brenntenperch

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6. Kommentar von Florian Machl (Administrator) am 07.08.2008 um 12:00

Meins ist er nicht...
... der Film. Die familienfreundliche Disney Kamera-Optik nervte mich schon bei den ersten beiden Einstellungen. Alles sieht "brav" aus, aber nicht gut. Auch bei Kinderfilmen (oder gerade bei Kinderfilmen) erwarte ich folgerichtige Logik in der Handlung. Die kritisierten spanischen Akzente erschienen mir auch etwas seltsam, aber irgendwie muss man Amerikanern wohl ständig "Andersartigkeit" oder "Bösartigkeit" des Feindbildes eintrichtern, in diesem Film hats eben die Spanier erwischt (deren blutrünstigen Nachkommen ja an der wohlbewachten Südgrenze lauern und sich deshalb wohl gut für ein Feindbild eignen). Wobei - selbst das ist nicht konsistent und konsequent durchgehalten worden. Für 6-12jährige bedenkenlos als plätschernder, anspruchsloser Abenteuerfilm empfehlenswert - darüber bedingt - und nur für Fans.

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