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Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Der deutlich gekennzeichnete Eingang zu den Turnierhallen.

Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Warteschlange bei der Anmeldung am Richtertisch.

Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Oberstich aus dem Ochsen aus guter Distanz

Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Einhändiger Armhebel mit Treffer der Parierstange am Kopf. Ringen am Schwert war ausdrücklich erlaubt.

Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Einlaufversuch aus der "Kron" wird mit einem Knaufstoß ausgekontert.

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Schöner Stich in die Brust.

Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Leider konnten Doppeltreffer nicht immer vermieden werden.

Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Quod erat demonstrandum.

Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Ein weiterer Beleg für das schöne Ringen am Schwert. Hier ein Hüftwurf des späteren Turnierzweitplatzierten.

Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Klassisch ausgekontert mit einem Krumphau.

Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Ein weiterer Krumphau und ein Beleg dafür, dass es für Frauen keine Sonderrechte gab.

Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Frauen hatten allerdings oftmals mit Reichweitennachteilen zu kämpfen – siehe hier, wo der Gegner ganze 35 cm größer war.

Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Ein herrliches Absetzen im Ochsen.

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Der Sieger – Thorsten Kästel von Krifon zusammen mit MMMag. Dr. Dorfer vom ÖFHF.

Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde
Die Finalisten – v.l.n.r. Thorsten Kästel (Ger), Alex Rafael (AUT), Adrian van Bronswijk (GER) und Thomas Prybila (AUT).


Internationales Fechtturnier im langen Schwert
Freundschaftlicher und professioneller Meilenstein, der eine Wiederholung verdient
Bigman
23.09.2012 11:32

Man darf behaupten, es war schon an der Zeit, dass sich die historischen Fechter aufmachen und endlich einmal ein internationales Turnier in Österreich abhalten. Der Verein „Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde“ machte sich daran, diese Aufgabe zu übernehmen und ein solches Turnier zu organisieren. Dieses fand mit 38 Teilnehmer am Sonntag, dem 16. Oktober in Wien statt.

Die Schirmherrschaft übernahmen der Fechterverband, der ASVÖ und der Österreichische Fachverband für historisches Fechten. Trotz einiger Probleme im Vorfeld mit der Veranstaltungshalle fand man letztendlich in der Rundturnhalle von Alt Erlaa im 23. Wiener Bezirk eine gute Location um diesen Event abzuhalten. Die Teilnahmegebühr von € 15,-- war äußerst moderat und der Verein kalkulierte hierbei mit ein, einen herben finanziellen Verlust hin zu nehmen, lagen doch die Ausgaben im Vorfeld weit im vierstelligen Eurobereich.

Teilnehmer aus drei Nationen

Jedenfalls rührte man heftig die Werbetrommel, und so folgten doch etliche Athleten aus den unterschiedlichsten Bereichen des Kampfsportes dem Aufruf. Letztendlich fanden sich 38 Teilnehmer aus 3 Ländern (Deutschland, Österreich, Ungarn) und 5 unterschiedlichen Sparten (Florett, Säbel, Kendo, Schaukampf und natürlich historische Fechter). Gefochten wurde mit Langschwertsimulatoren, sogenannten Fechtfedern von einem bekannten chinesischen Hersteller, und wider Erwarten hielten diese sogar der Dauerbelastung stand und so gab es keine Klingenbrüche oder ähnliches zu verzeichnen.

Fünf Teilnehmerinnen gleichberechtigt im Bewerb

Besonders hervorzuheben ist, dass unter den 38 Teilnehmern auch 5 Frauen waren. Für sie gab es keine Sonderwertungen und sie traten mit äußerster Entschlossenheit gegen ihre männlichen Kontrahenten an und schlugen sich auch sehr gut.

Rund hundert interessierte Zuseher

Dank der guten Werbearbeit fanden auch etliche Zuseher den Weg in die Halle, und da der Eintritt für Zuseher frei war, kamen nicht nur Freunde und Angehörige, sondern auch etliche Neugierige, die von dem Event irgendwo gelesen oder gehört hatten. Alles in allem werden wohl an die 100 Personen im Zuschauerraum gewesen sein.

Eigens entwickeltes Regelwerk

Gefochten wurde nach extra für dieses Turnier entworfenen Regeln. Diese waren an das moderne Sportfechten angelehnt, z.B. gab es ein Angriffsvorrecht, und wurden dem historischen Fechten angepasst, z.B. war es so, dass nur Wirkungstreffer zählten. Diese Regeln sorgten bei manchen Teilnehmern für Verwirrung, aber es kam zu keinen Unstimmigkeiten während des Bewerbs.

Wettkampfschiedsrichter vom Fechterverband

Als Schiedsrichter fanden sich dankenswerterweise fünf Wettkampfschiedsrichter vom Fechterverband, die hier mit professionellem Auge und Souveränität eine hervorragende Leistung in dem für sie unbekannten Metier ablieferten. Es war ein klarer Beweis dafür, dass viele historische Turniere besser funktionieren würden, wenn es gute Schiedsrichter gäbe und nicht nur Laien, die fünf Minuten vor dem Kampf davon erfahren, dass sie jetzt ran müssen.

Konzept der Ausscheidungskämpfe

Der Ablauf wurde ebenfalls an das Sportfechten angelehnt, und so absolvierten die 38 Teilnehmer zuerst Vorrundenkämpfe. Die Teilnehmer wurden in 6 Gruppen aufgeteilt, in denen jeder gegen jeden kämpfen musste. Auf diese Weise eruierte man eine Reihung von 1 – 38. Die Plätze 27-38 mussten dann einen Eliminationskampf bestreiten, und dadurch erhielt man letztendlich die finalen 32 Teilnehmer, die dann mittels klassischen Ausscheidungskämpfen immer weniger wurden, bis schlussendlich vier würdige Kontrahenten im Semifinale standen.

Spannende Paarungen im Finale

Die Paarungen konnten besser nicht sein – zwei Fechter aus Deutschland und zwei aus Österreich, und als ob das nicht genug wäre, setzten sich die Kämpfe wie folgt zusammen:

Semifinale 1: Thorsten Kästel - Krifon (GER) hist. Fechter – Thomas Prybila - ASC (AUT) Florettmeister

Semifinale 2: Adrian van Bronswijk - Krifon (GER) hist. Fechter – Alex Rafael - WFAR (AUT) hist. Fechter

Verein Krifon besticht durch Können

Der Wiener Sportfechter Thomas Prybila schlug sich wacker, musste aber der Fitness, der Kraft und vor allem der besseren Waffenbeherrschung seines Gegners Tribut zollen und schied gegen ihn aus. Im zweiten Kampf setzte sich allerdings der Lokalmatador Alex Rafael aus Wien gegen seinen deutschen Kontrahenten durch und so kam es gleich nochmals zu zwei Kämpfen Österreich gegen Deutschland. Leider jedoch nahmen sich die Wiener Fechter die Österreichische Nationalmannschaft als Vorbild und unterlagen in beiden Finalis den sehr stark agierenden Deutschen Fechtern.

Der Sieger, Thorsten Kästel, sowie der Drittplatzierte, Adrian van Bronswijk, kommen von dem gleichen Verein – „Krifon – historische Kampfkünste“, welche somit auch die inoffizielle Gruppenwertung locker für sich entscheiden konnte. Der Zweitplatzierte, Alex Rafael, ist ein Mitglied des Veranstaltervereins, der „Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde“.

Unterschiede zum modernen Fechten

Doch kommen wir zur Turnierqualität und der Qualität der Kämpfe: Wie schon erwähnt wurden die Kämpfe von offiziellen Turnierrichtern des Österreichischen Fechterverbandes geleitet. Diese wurden bereits Wochen vor dem Event geschult und lernten somit auch die Feinheiten und vor allem die Unterschiede zwischen dem Sport- und dem historischen Fechten kennen. Ein großer Gewinn für das Turnier. Etliche Kämpfe verliefen allerdings wie erwartet nach dem „Hauruckprinzip“. Für den Leser des Berichtes, der nicht weiß, was das bedeutet, will ich es kurz erläutern:

Das Hauruck-Prinzip

Das Hauruckprinzip bedeutet, dass die Kämpfer sich gegenüber auflauern, dabei eine recht offensive Grundstellung (Hut) einnehmen und nur darauf warten, dem Gegner mit einer raschen Attacke eines überzubraten. Wenn dieser explosive Angriff allerdings verpufft ist, wird meist planlos in der Gegend rumgestanden und geschaut. Nachdem es allerdings oftmals so zu irgendwelchen Treffern kam, entweder durch den Angriff oder durch eine Riposte, war das Schauen von nicht allzu langer Dauer.

Hohe Fechtkunst der deutschen Schule

Bei den meisten Duellen war allerdings immer das eine oder andere Highlight zu sehen. Entweder ein wunderschönes „Nachreisen“, brillantes Timing, großartiges Arbeiten mit der Distanz, eine hervorragende Distanz nach Jakob Sutor war zu sehen, viele gut gesetzte Stöße mit dem Knauf, gutes, intuitives Ringen am Schwert und – mein persönlicher Favorit – ein Händedrücken. Dem Nichtkenner dieser Techniken diese zu erklären würde zu lange dauern und ich bitte den geneigten Leser darum mir zu glauben, wenn ich sage, dass das teilweise schon hohe Fechtkunst der deutschen Schule gewesen ist.

Kleinere Blessuren

Aufgrund der Masse an Kämpfen, der Verwendung von Stahlsimulatoren und der Tatsache, dass es sich ja doch um einen Kampfsport handelt, kam es erwartungsgemäß zu der einen oder anderen leichteren und böseren Schramme. Glücklicherweise war das schlimmste was passiert war ein gebrochener kleiner Finger, was allerdings auf unzureichenden Handschutz zurückzuführen war. Dazu gesellte sich noch ein abgeplatzter Fingernagel und etliche blaue Flecken an Händen, Handgelenken und Unterarmen. Schwereres blieb zum Glück aus und auch die Empfänger der Verletzungen nahmen das Ganze sehr locker und meinten zum Großteil, "Selber schuld gewesen".

Ein Meilenstein: Freundschaftlich und professionell

Mein persönliches Fazit: Die „Wiener Fecht- und Ausdauersport Runde“ setzte mit diesem Turnier einen Meilenstein. Es ist für mich als Obmann des Fachverbandes und Mitglied von Dreynschlag schön zu sehen gewesen, dass es immer mehr Vereine und Initiativen gibt, die Sachen anpacken, durchziehen und zu einem guten Ergebnis bringen. Das Turnier verlief in absolut freundschaftlicher Atmosphäre, war toll organisiert und verdient es sich, wiederholt zu werden - das nächste Mal hoffentlich mit mehr Beachtung aus der Sportwelt, den Medien und der Szene.


Weiterführende Links:




Vehi Mercatus

Der Bogenstand Gesierich

Miroque - das Magazin

Isi's Spezereyen


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