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gemeinfrei / Dieric Bouts
Die Auferstehung von Jesus Christus, Dieric Bouts, frühes 15. Jahrhundert. Das Osterfest dient im Christentum dem feierlichen Gedenken an die Wiederauferstehung von Jesus Christus, Sohn Gottes, von den Toten.

(C) Thomas Ihle/ Wikipedia
Kultrelief des Mithras, Rom, 2.Jahrhundert. Besonders an den Gebräuchen und Überlieferungen des Mithras-Kultes dürfte sich das frühe Chistentum intensive Anleihen genommen haben.

gemeinfrei / Fresken in Sant Angelo in Formis zum Leben Christi
Das letzte Abendmahl. Italo-Byzantinischer Meister um 1100. Das letzte Abendmahl Jesu Christi mit seinen Jüngern ist ein wichtiges Motiv des Christentums, das angeblich schon zuvor im Mithras-Kult bekannt war.

(C) LeCornichon/Wikipedia
Traditionell bemalte sorbische Ostereier. Das Ei ist schon seit Jahrtausenden ein Symbol für Fruchtbarkeit.

(C) public domain / Wikipedia
Osterpostkarte um 1900. Der Osterhase fand erst im 20. Jahrundert flächendeckende Verbreitung.

Auf der Fährte des Osterhasen
Woher stammt Ostern und die damit verbundenen Bräuche
5. 4. 2010 - 19:30
Florian Machl


Jedes Jahr wird in der christlich geprägten Welt das Osterfest gefeiert. Es ist aus christlicher Sicht das wichtigste Fest des Jahres. Man feiert die biblisch überlieferte Wiederauferstehung von Jesus Christus. Historiker wissen, dass das frühe Christentum, spätestens seit der Ernennung zur römischen Staatsreligion, erfolgreich Teile früherer Religionen und Kulte übernommen und integriert hat. Insbesondere bei der Wiederauferstehung scheint eine nahezu lückenlose Übernahme aus dem Mithraskult stattgefunden zu haben. Doch woher stammt nun eigentlich der Name Ostern? Warum folgt das Fest dem Mondkalender? Und wann tauchte dieser Hase mit seinen Eiern auf?

Insbesondere bei Nachforschungen zur Entstehung und Entwicklung von religiösen Festen zeigt sich, dass die katholische Kirche guten Grund zu ihrer jahrhundertelangen Wissenschaftsfeindlichkeit hatte. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Religion durch historische Betrachtungen auf eine gewisse Weise auch entzaubert werden kann. Dies ist nicht die Absicht des Autors dieses Artikels, der die Ansicht vertritt, dass jedem erlaubt sein sollte, zu glauben, was er gerne möchte. Doch gleichermaßen entfaltet sich die Faszination der Menschheitsgeschichte gerade bei der Auseinandersetzung mit für Milliarden Menschen so zentralen Themen wie dem Osterfest.

Woher stammt das Osterfest?

Das Osterfest fällt immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond, in eine Zeit zwischen dem 22. März und dem 25. April. In diesem Jahr liegt der 4. April also ziemlich in der Mitte dieser möglichen Spanne. An dieser Stelle darf sich der kritische Geist bereits fragen: weshalb orientiert sich die christliche Religion am Mond? War eine Bindung an die Astronomie nicht vielmehr ein Zeichen älterer Religionen und Kulte?

Ostern bei den Christen

Heutzutage feiern die Christen mit dem Osterfest die Auferstehung ihres Erlösers Jesus Christus, der gemäß der Überlieferungen des Neuen Testamentes nach dem Tod am Kreuz wiederauferstanden ist. Jesus Christus ist der Sohn Gottes, Teil der Heiligen Dreifaltigkeit. Ostern wird als dreitägiges Fest gefeiert, vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag, am Karfreitag, dem Todestag Jesu, dem Karsamstag, dem Tag seiner Grabesruhe bis hin zum Anbruch der neuen Woche und der Wiederauferstehung am Ostersonntag. Damit beginnt die Osterzeit, die fünfzig Tage lang bis einschließlich Pfingsten währt.

Anleihen beim Mithras-Kult?

Nach kurzer Recherche stößt man unter anderem auf den Mithras-Kult, dessen Anfänge seit dem 14. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung (vor Christus) im Perserreich belegt sind. Seinen Höhepunkt erlangte der Mithras-Kult im 2. und 3. Jahrhundert, als sich der römische Kaiser Commodus dazu bekannte. Auch Kaiser Konstantin I verehrte den Sonnengott Mithras, bevor er das Christentum erlaubte und in weiterer Folge privilegierte. Gemäß römischer Quellen wurde Mithras von einem Vatergott ausgeschickt, um das Dunkle und Böse in der Welt zu überwinden. Geboren wurde er am 25. Dezember aus einem Felsen inmitten von Hirten und Tieren. Mit zwölf seiner Anhänger hielt er ein letztes Abendmahl, bevor er starb, begraben wurde und von den Toten auferstand. Die Mithraisten sollen an Himmel und Hölle, ein Jüngstes Gericht und eine Auferstehung von den Toten geglaubt haben. Ihrem Gott war der Sonntag (Tag des Sonnengottes) geweiht. Zur Aufnahme in ihre Gemeinschaft wurde man mit Blut getauft. Zu ihren Riten zählte ein Mahl mit Brot, Fleisch, Wasser oder Wein. Ihre wichtigsten Feste fanden zur Sommer- und Wintersonnwende sowie zur Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche statt.

Staatsreligion sollte Ruhe ins Reich bringen

Wem hier einige Dinge bekannt vorkommen, der mag dabei zustimmen, dass es für den Frieden im kurz vor dem Untergang stehenden römischen Reich von großem Nutzen war, alle wichtigen Religionen zu einer Staatsreligion zu vereinen. Im Bezug auf den Zeitpunkt des Osterfestes wird nun davon ausgegangen, dass hier mehrere Vorgänger- oder Parallelreligionen Pate für das standen, was als offiziell vorgeschriebenes Christentum entstand. Während eines der Mithrasfeste mit der Tagundnachtgleiche ungefähr in den Zeitraum von Ostern passt, erscheint die Bindung zum jüdischen Pessach-Fest deutlich klarer. Hier ist auch die Terminfindung zu verorten, im jüdischen Monat Nisan - dem Monat mit dem Frühlingsvollmond.

Fortführung des jüdischen Pessach-Festes


Die christliche Liturgie beinhaltet die Lesung aus dem Buch Exodus zum Auszug der Israeliten. Dieser Auszug wird im Judentum als eines der zentralen Feste gefeiert, wobei das Pessachlamm geopfert wurde. Die christliche Liturgie zieht einen Vergleich zu Jesus als das Lamm, das geopfert wird. Auch das christliche Osterfest wird in einigen Sprachen noch heute Pessach-Fest genannt. Es ist davon auszugehen, wenn auch spärlich belegt, dass eine Reihe weiterer Religionen Feiern und Bräuche rund um die Tagundnachtgleiche kannte und abhielt. Verbindlich ist der Ostertermin, wie wir ihn heute kennen, für das Christentum spätestens seit dem 8. Jahrhundert, als Bedna Venerabilis diesen allgemein verbindlich festlegte.

Ursprünge des Namens

Die Bezeichnung Ostern (Easter, Eostre, Ostarun, Austro...) wird gemeinhin als Hinweis auf die Himmelsrichtung Osten gedeutet. Der Name ist altgermanischen Ursprungs. Im Osten geht die Sonne auf, im Christentum ein Zeichen für die Wiederauferstehung - im Mithras-Kult zum Sonnengott passend. Dass der Sonne im Frühling eine besondere Bedeutung zukommt, wenn die Welt zu blühen beginnt und fruchtbar wird, war sicherlich auch den heidnischen Religionen bewusst.

Neuheidnische Osteröttinnen

Seit sich im 19. Jahrhundert Jacob Grimm und später Carl Gustav Jung mit Ostern auseinandergesetzt hatten, geisterten wohl relativ neue Götter und zugehörige Legenden durch die Lande. Inmitten des Romantizismus berief sich Grimm auf eine angebliche germanische Göttin Ostara, auf Basis der im 8. Jahrhundert von Bedna Venerabilis einmal erwähnten Göttin Eoastre. In der Fachwissenschaft gibt es keine weiteren Quellen oder Belege für die Existenz einer solchen Göttin, dem entsprechend wird sie als Erklärung oder Namensgeberin, insbesondere für das heutige Ostern, abgelehnt. Die spärlichen Belege der Befürworter berufen sich auf Namensähnlichkeiten von Orten und Gegenständen, die aber gleichermaßen auf die Himmelsrichtung zurückgeführt werden können.

Wie passt nun der Hase ins Bild

Doch auch nach dem Ursprung des Osterhasen wollten wir suchen. Dieses Motiv findet sich in der breiten Masse erst seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Böse Zungen behaupten, dies habe mit kommerziellen Hintergründen zu tun. Eine erste schriftliche Erwähnung findet sich im ausgehenden 17. Jahrhundert bei einem Georg Franck von Frankenau. Etwa aus der gleichen Zeit ist übrigens der Aprilscherz (das in den April Schicken) belegt, doch dies tut hier nichts zur Sache. Eine Verbindung des Osterfestes mit dem Symbolbild der Ostereier soll bereits aus dem Mittelalter bekannt sein. Hasen finden sich in der christlichen Symbolik ebenso schon sehr lange, hier sucht der schwache Mensch (Hase) Zuflucht bei Christus. Eine von neuen Religionsströmungen herbeigesehnte Verbindung von Ei und Hase und einer oben erwähnten Göttin Ostara ist durch nichts belegt. Als gesichert kann angenommen werden, dass schon alte Kulturen das Ei als Fruchtbarkeitssymbol verstanden. Auch der Hase ist aufgrund seiner besonders hohen Reproduktionsrate als Fruchtbarkeitssymbol gewiss nicht weit hergeholt. Der Brauch des Ostereiersuchens dürfte sich nach 1700 gebildet haben und war eine protestantische Erfindung. Über die Gründe dafür scheiden sich die Geister. Zusammengefasst kann zum Brauch des Osterhasen, der die Eier bringt, gesagt werden, dass die Forschung derzeit weder genau bestimmen kann, wo die Ursprünge der Ostereier zu suchen sind, noch wie diese in Verbindung mit dem Osterhasen kamen.

Woran glauben? Was feiern?

Bei diesem Mischmasch an Bräuchen und Ursprüngen stellt sich manchem vielleicht die Frage, woran man eigentlich glauben und was man zu Ostern eigentlich feiern sollte. Das bleibt, wie eingangs erwähnt, sicher den individuellen Vorlieben überlassen. Jedoch ist klar, dass der Mensch nicht nur gerne feiert, sondern auch fixe Rituale braucht, um sich in der Gesellschaft und der Welt zurechtzufinden. Einige Male im Jahr muss man wohl zur Ruhe und Besinnung kommen, an seine Mitmenschen denken und sich gegenseitig beschenken. Ob der Grund dafür ein religiöser oder ein anderer ist, erscheint wenig wichtig zu sein. Über strahlende Kinderaugen freut sich schlußendlich jeder, egal ob zu Weihnachten oder zu Ostern. Was die Menschen seit Anbeginn ihrer Geschichte fraglos wissen, ist, dass das Frühjahr eine Zeit der Fruchtbarkeit für die Welt ist. Alles erwacht aus Winterruhe- und Winterschlaf, die Temperaturen steigen, überall wachsen Knospen, Blätter und Blüten. Die Pflanzen- und Tierwelt wird aktiv und beginnt sich zu vermehren - und so weit weg von all dem ist natürlich auch die Erlebenswelt des Menschen nicht. Alleine das ist ein Grund, um zu feiern, egal auf welchen Brauch man sich berufen mag.
Deshalb möchte ich im Namen des Huscarl-Teams all unseren Lesern ein frohes Osterfest wünschen.

Florian Machl
Chefredakteur und Herausgeber
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