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Seit einigen Monate heißt es für die Huscarl Redaktion: Ende des Kuschelkurses. Was darunter zu verstehen ist, erklärt nebenstehendes Editorial.

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Mündliche Verträge sind rechtsgültig. Auch wenn nicht jeder Vertragspartner das wahrhaben will. "Plötzlich ausgeladen zu werden" muss man sich nicht unbedingt gefallen lasse.

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Ritter zue Hackedicht. Ritterschaften führen hohe Ziele und Ideale in ihren Statuten an, am Mittelaltermarkt angekommen bleibt davon oft nur Faschingsgewandung und Schwerstalkoholisierung übrig. Muß das tatsächlich so sein?

Das Ende des Kuschelkurses
Über Journalismus, Veranstalterunsitten
und Ritter zue Hackedicht

10. 6. 2009 - 18:00
Florian Machl


Im März erklärte ich als Chefredakteur das Ende des redaktionellen Kuschelkurses. Was damit gemeint war und wie sich die Dinge seither entwickelt haben, soll das Juni Editorial erklären. Das Thema Veranstalterunsitten beschäftigt sich mit den derzeit gehäuften Vorfällen des "Ausladens" von Gruppen, also im Prinzip mit Vertragsbrüchigkeit. Abschließend soll in Frage gestellt werden, ob moderne Ritterschaften primär als Saufkompanien zu sehen sind - und eventuell einen Diskurs mit der Gruppe dieser Vereinigungen einleiten.

Das Ende des redaktionellen Kuschelkurses war der Titel eines internen Memos an die Huscarl Redaktion, das im März verfasst wurde. Es führte durchaus zu einer kontroversiellen Debatte, wenn auch nicht jeder dasselbe darunter verstand und versteht, was damit gemeint war. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sich Huscarl zwar durchaus öfters kritisch zu verschiedenen Themen geäußert beziehungsweise Missstände aufgedeckt, bei anderen Themen aber oft auch einen schützenden Weichzeichner angewandt.

Durch eigene Recherchen und die dankenswerte Mitarbeit großer Teile der Leserschaft, kommen immer wieder Dinge zum Vorschein, die als unsauber zu bezeichnen sind. Darüber zu berichten und somit Zorn und Rachsucht der "Täterseite" zu riskieren, bedeutet eine Konfliktbereitschaft einzugehen, die nicht jedermanns Sache ist. Vielmehr arbeiten die meisten Medienbetriebe nur noch auf Auftragsbasis, publizieren bezahlte Jubelmeldungen und halten sich bei allem heraus, was irgendwie heikel werden könnte. So berichtete mir ein Journalistenfreund jüngst die Aussage seiner Vorgesetzten, er solle sich bei seinen Artikeln nicht zu viel antun. Schließlich wäre das, was er abzuliefern hat, nur als Füllung zwischen den Inseraten zu sehen. Und das wäre keinen Ärger wert. Auch wenn wir bei Huscarl wirtschaftlich weit davon entfernt sind, ein "Big Player" in der Medienlandschaft zu sein - solche Vorgaben erscheinen uns fremd und befremdlich zugleich.

Die Betrachtung eines Systems führt zu Veränderungen

Es ist uns bewusst, dass wir unseren Lesern durch kritische Berichterstattung die Möglichkeit geben, ihre Welt zu verändern. Manchmal verändert sich die Welt schon während der Recherche, wenn Menschen auf kritische Fragen zu reagieren beginnen und Missstände hinterfragen und abstellen. Diese Veränderung der Realität, über die wir eigentlich nur berichten, nehmen wir in Kauf und begrüßen sie in den meisten Fällen. Interessant ist es manchmal, Reaktionen zu beobachten, wenn Kritisierte beginnen, nach "undichten Stellen" und "Informanten" zu suchen. In manchen Fällen nimmt das Dimensionen an, die an Staatssicherheitsdienste erinnern, "innere Kreise" werden geschaffen, langjährige Freunde ausgegrenzt. Und doch bewahrheitet sich immer wieder - alles was jemand zu einem anderen Menschen sagt oder schriftlich niederlegt, macht früher oder später die Runde. Insbesondere diejenigen, die Gruppen und Händler aus eigennützigen Gründen schriftlich diskreditieren und ausgrenzen, dürften in Zukunft noch die eine oder andere journalistische Überraschung von Huscarl zu erwarten haben.

Die Leserschaft nimmt diese Linie, die für uns der arbeitsreichste Zweig unserer Tätigkeit ist, sehr positiv auf. Arbeitsreich deshalb, weil eine korrekte Hintergrundrecherche oft bis zu zwei Monate in Anspruch nimmt. Ehrenamtlich, versteht sich. Florian Seidls Analyse der vermeintlich von der öffentlichen Hand geförderten Druidenausbildung in Diex wurde bis heute von über 700 Lesern konsumiert, die Hintergrundinformationen zu möglichen Unregelmäßigkeiten bei Jacks Herreria erreichten 1.300 Besucher. Das sind Leserzahlen, welche das Besucherinteresse an den "herkömmlichen" Magazinthemen bei weitem übersteigen. Doch keine Sorge, auch all die anderen Bereiche bleiben erhalten und werden mit derselben Liebe und Sorgfalt weiter gepflegt wie bisher.

Ausgeladen - Vertrag gebrochen - was tun?

Unangenehm aufgefallen sind in den letzten Monaten Unsitten, wie trotz mündlicher und teils schriftlicher Zusage Darsteller und Einzelpersonen von Veranstaltungen auszuladen. Glücklicherweise nutzt ein ständig wachsender Personenkreis die Möglichkeiten von Huscarl und informiert die Allgemeinheit über ihre schlechten Erfahrungen. Möglicherweise widmen wir diesem Themenkreis einmal einen eigenen Artikel, bis dahin an dieser Stelle einige nützliche Tipps:

Mündliche Verträge sind rechtlich genauso gültig und bindend wie Verträge in Schriftform. Hier kommt allerdings das Problem der Beweisbarkeit dazu. Entweder man sichert sich ab, dass genügend Zeugen für eine mündliche Vereinbarung anwesend sind, oder man wechselt bei Zweifeln oder auch unbekannten Geschäftspartnern sicherheitshalber immer in die Schriftform. Viele Probleme entstehen nicht nur bei unseriösen Veranstaltern, sondern auch bei Unerfahrenen, die nicht den Ansatz einer Ahnung von den Grundlagen der Mittelalterszene haben. Einen Verein wieder "auszuladen" bedeutet eben nicht dasselbe wie einen Termin beim Masseur abzusagen. Der Verein hat im Vorfeld oft schon einiges an Vorleistung erbracht, sei es das Einüben von Schaustücken, der Ankauf und der Bau von Gegenständen, terminliche Arrangements für größere Gruppen berufstätiger Menschen oder die Anmietung von Transportmitteln. All das kann nicht so einfach ein paar Wochen vor einer Veranstaltung vom Tisch gefegt werden. Unser Ratschlag ist, unbedarften Vertragspartnern diese Fakten offenzulegen und auf Vernunft zu hoffen - gegebenenfalls aber durchaus den Weg über den Anwalt zu wählen, wenn Kosten und Schaden untragbar sind.

Ritterschaften zue Hackedicht?

Wenig Verständnis bringe ich derzeit in meiner Tätigkeit als Redakteur für so manche sogenannte "Ritterschaft" auf. Mit Ritterschaften haben wir uns bereits vor gut einem Jahr redaktionell beschäftigt. Manche davon suchten auch den Kontakt zur Redaktion. Einige Ritterschaften sind auch auf Mittelalterfesten anzutreffen oder veranstalten sogar eigene öffentlich zugängliche Feste.

Die Kritik, die von einigen Seiten der Mittelalterszene zu hören ist, geht dahingehend, dass diese Ritterschaften in ihren Statuten zwar von "Geschichtsbewusstsein", "historischer Bildung" und "ritterlichen Idealen" sprechen, in der Praxis davon aber kaum etwas zu bemerken ist. Die meisten Verbindungen dieser Art sind doch schon einige Jahrzehnte alt, bemühen sich nach außen hin aber weder um historische Authentizität noch um sonstige geschichtliche Hintergründe. Vielmehr gewinnt man den Eindruck, dass man sich hier unter dem Deckmäntelchen einer wiederbelebten Tradition hauptsächlich zum Saufen trifft. Das stört in finsteren Privatverliesen sicher niemanden, wird auf Mittelaltermärkten jedoch zum peinlichen Schandfleck der für einfache Besucher nicht von historisch ambitionierten Vereinen zu differenzieren ist.

Sofern die Ritterschaften ihre eigenen Statuten ernst nehmen, sei hiermit zum offenen Diskurs aufgerufen und zur Bitte um einen aktiven Wissensaustausch. Vielleicht ist zu erreichen, dass diese Organisationen einen Weg finden, ihre Faschingsgewandungen und Gummistiefel gegen historische Gegenstücke einzutauschen. Vielleicht können die Verantwortlichen zumindest dafür Sorge tragen, dass ein schlechter Ruf von öffentlich herumtorkelnden Faschingsrittern nicht auf die Vereine und Personen abfärbt, die sich seit Jahrzehnten mit teurer Detailarbeit um authentisches Auftreten und eine haltbare Wissenschaftsvermittlung an die Öffentlichkeit bemühen.

Weiterführende Links:




Isi's Spezereyen

Der Bogenstand Gesierich

Miroque - das Magazin




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1. Kommentar von Radulf am 11.06.2009 um 12:01

solange es objektiv und "unparteiisch" bleibt
....ist es ok.
doch irgendwie kann man auch die message so auslegen, dass alles was dem Chefredakteur nicht passt an den virtuellen pranger gestellt wird. generell ist mir bei gewissen kritischen berichten sowie in forumsantworten in den letzten monaten ein anderer stil in der schreibweise aufgefallen der meiner meinung nach viel zu viel persönliche ansichten und emotionen einbringt.
ich hoffe, diese plattform bleibt neutral und entwickelt sich nicht in eine richtung welche man bei grossen printmedien mitverfolgt.

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2. Kommentar von Huscarl-Redaktion am 11.06.2009 um 12:40

Als da wäre...
... zum Beispiel? Edit: Wir nehmen Kritik gerne an und nehmen Lesermeinungen ernst. Allerdings brauchen wir genauere Anhaltspunkte im Sinne von "Beim Artikel X störte mich inhaltlich, dass..."

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3. Kommentar von Rowanne am 15.06.2009 um 09:34

Diese Beispiele...
...würden mich auch sehr interessieren. Im Übrigen bin ich der Meinung dass der Bericht sehr wohl objektiv und informativ geschrieben ist, ohne jemanden anzugreifen oder zu beleidigen.

Ausserdem sei noch gesagt, in Puncto Ritterschaften werden immer mehr Stimmen der Szene laut, die die im Bericht beschriebene Sichtweise teilen und oft fürchten, dass "Faschingsritter" dem Ruf und Ansehen derer schaden, die sich wirklich leidenschaftlich mit Leib und Seele jedem Detail der Authentizität widmen und ihe Mühen quasi in den Dreck ziehen. Leider sind das nunmal meist solche Ritterschaften, was nun nicht ausschliesst, dass so mancher Verein auch nicht besser ist. Aber hierbei muss man auch wieder zwischen "Anfängern" und "Alten Hasen" unterscheiden...

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4. Kommentar von das Schandmaul am 15.06.2009 um 11:23

als kleiner Redakteur...
...weiß ich, dass wir immer zur Neutralität angehalten werden, wir so objektiv wie möglich berichten sollen und ich weiß, was ich manchmal schon gerne geschrieben hätte, aber nicht habe (weil es sonst womöglich ein Verriß gewesen wäre). Ach ja: Ende des Kuschelkurses bedeutet, dass gut und genau recherchierte Artikel erscheinen sollen, die über einfache Beschreibungen und Kritiken hinausgehen (siehe den Artikel über Jacks-Herreria).

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5. Kommentar von Radulf am 15.06.2009 um 14:03

um nicht themenübergreifend zu werden...
... wurde alles über skype durchbesprochen.

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6. Kommentar von rotkaeppchen am 16.06.2009 um 11:03

zum Thema Ritterschaft...
..ich habe hier in meiner näheren Umgebung zufällig eine kleine Ritterschaft entdeckt da sie in einer der Veranstaltungen angeführt war und habe mir deren Homepage angesehen rein informativ - ich werde sicher keiner Ritterschaft beitreten allerdings interessiere ich mich für Wappen und Schilde und da ist mir etwas an ihrem Wappen aufgefallen - eigentlich dürfte es so ein Wappen gar nicht geben - ich habe der Kontaktperson ein mail geschrieben allerdings ist nie etwas zurückgekommen.

Kann natürlich immer passieren das mails im Spamordner landen und ich habe sicherlich niemanden kritisieren wollen hier - nur aufzeigen dass es manchmal an der richtigen Sichtweise der Dinge fehlt.
z.B. ich entwerfe ein Wappen in hübschen Farben.....

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7. Kommentar von Alrik am 02.07.2009 um 10:02

(Sauf)Ritterschaften!
Ich bin auf dem Gebiet der Mittelaltermärkte nicht mehr ganz neu, ich versuche einen nicht betrunkenen Wikinger darzustellen, und merke hier im Süden (Ursprünglich komme ich aus dem Münsterland in Nordrhein Westfalen) eine oft deutliche Abneigung Wikinger auf einem Markt aufbauen zu lassen.

Sicherlich ist unser Lager noch nicht komplett und auch nicht historisch korrekt, aber wir bemühen uns sehr immer mehr und schöne Sachen herzustellen. Schade ist nur, das wohl gerade Wikinger ob ihrer schönen Sitten ziemlich in Verruf gekommen sind ebensolche Saufgemeinschaften zu sein.

Natürlich ist für uns ein Mittelaltermarkt auch immer ein Grund zu feiern, aber ich sage mal vernünftige erwachsene Menschen sind NIEMALS in der Öffentlichkeit so betrunken als dass sie getragen werden müssten.

Ich persönlich fände es schön, wenn an manchen Stellen (Lagern) weniger Alkohol konsumiert wird, denn ich bringe immer meine Kinder mit auf den Markt. Nichts gegen einen guten Schluck Bier, Met oder Wein! Aber, in maßen nicht in Massen!

Letztes Jahr in Golling gab es z.B. ein Wikingerlager das nur aus Strohballen, Platiktüten und Bierflaschen bestand! Zumindest sah es so aus, als wenn die auch zu "UNS" gehörten.

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