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Barbara Keller
Markenzeichen der Gastgeber ist der "Dumme Hut". Ein Beispiel von vielen für den entspannten Umgang aller Teilnehmer mit dem ernsten Thema Kampf.

Barbara Keller
Kenner halten Martin Enzi von Dreynschlag (li) und Hans Heim von der über die Grenzen Bayerns hinaus beliebten Fechtgruppe Ochs (re) für die versiertesten Kenner der Leküchnerschen Langen Messer-Schule.


Dreynevent 2013
3 Tage historisches Fechten: Ein Event der Extraklasse
Barbara Keller / Florian Seidl
28.02.2013 21:07

Das Wiener Dreynevent hat sich zur größten Zusammenkunft im historischen Fechten entwickelt. Bei der achten Auflage des theoretisch-praktischen Wissenaustauschs zu überlieferten Waffenfertigkeiten aus Europa wurde klar: historisches Fechten wird auch außerhalb der Szene wahrgenommen.

Schwert und Buckler, Langes Schwert, Langes Messer, Dolch, Rapier, Hofdegen - egal zu welcher Stilrichtung die Reenacter auch kommen mochten, die Vielfalt der Epochen verblüffte wieder einmal rund 200 Interessierte aus ganz Europa. Gemeinsam vereint alle Vortragende der strikte und gewissenhafte Umgang mit den zeitgenössischen Quellen. Namen wie Johannes Liechtenauer, Peter von Danzig, Siegmund Ringeck, Hans Talhoffer, Codex Wallerstein oder Joachim Meyer gehören mittlerweile zum Basiswissen auch jener Reenacter, die den Kampf nicht zum Kern ihrer Darstellung gemacht haben.

Powerpoint und Schwert: ein abwechslungsreiches Programm

In drei Hallen des Wiener TGM boten wechselnde Seminare und Vorträge sowohl Theorie als auch Praxis zum historischen Fechten. Der Freitag begann mit einem Seminar zum I.33, dem ältesten erhaltenen europäischen Fechtbuch. Die "Studenten" des historischen Fechtens lauschten dabei interessiert der Theorie über die auf 32 Blättern abgebildeten historischen Fechttechniken und gingen danach gleich mit Schwert und Buckler ans Ausprobieren und Üben - charakteristisch für die Aneignungstechnik der historischen Fechter: Buchlesen vor Balgen, lautet das Motto.

Roger Norling präsentierte die Techniken der Stangenwaffe, Daniel Jaquet hielt einen Vortrag über Experimentieren als wissenschaftliche Methode bei der Rekonstruktion alter Fechttechniken, auf die speziellen Ernährungsbedürfnisse von Sportlern ging Alvaro Lareo ein und Ingulf Kohlweiss vermittelte "Strong footwork in longsword", Harald Winter zeigte Techniken zu Schwert und Buckler nach Lignitzer und Stammgast Hans Heim trainierte die "Studenten" des historischen Fechtens in den Künsten des Langen Messers... um nur die beliebtesten Kurse zu nennen.

Erfahrungsaustausch in Theorie und Praxis

Zusätzlich stand Hallen-Platz für Sparring und zum allgemeinen Austausch zur Verfügung. Auch dies ist ein Charakteristikum des Dreynevents: das Forum für sportlich-wissenschaftlichen Austausch ohne Konkurrenzgedanken. Neben Interpretations- und Übersetzungsfragen wird bei dieser Gelegenheit auch immer wieder die Ausrüstung auf Tauglichkeit diskutiert. Erprobt werden auch die Vor- und Nachteile verschiedenster Schutzausrüstungen, die sich in den letzten Jahren weiterentwickelt haben und trotzdem noch jede Menge Potential zur Verbesserung zeigen, das viele der Fechter durch eigene Bastelleistungen auszugleichen versuchen. So sieht man selbstgenähte Fechtjacken, zusammengestückelte Arm- und Beinschützer und Schutzhandschuhe aus den unterschiedlichsten Sportarten.

Historisch und doch am Puls der Zeit

Seit einigen Jahren ist die Szene der Historischen Fechter auch für kommerzielle Sportartikelhersteller interessant. So wurde z.B. in der "Shoppingzone" der Prototyp für die neu entwickelte Schwerttasche "Lichtenauer" getestet und diskutiert. Die große Frage nach einem sicheren und komfortablen Handschutz wurde jedoch trotz einiger Testreihen immer noch nicht beantwortet.

Auch für die Turniere im historischen Fechten ist man um kontinuierliche Verbesserung bemüht. Der noch junge „Österreichische Fachverband für Historisches Fechten“ (ÖFHF) veranstaltet dazu Anfang April das erste Seminar für Kampfleiter (Schiedsrichter) um die Basiskompetenzen für eine erfolgreiche Kampfleitung historischer Fechtturniere zu vermitteln und dadurch deren Qualität zu steigern.

Organisatorische Meisterleistung

Nicht nur im historischen Fechten sind die Dreynschläger Profis, auch bei der Organisation großer Veranstaltungen. Solch professionellen und reibungslosen Ablauf eines internationalen Events mit rund 200 Teilnehmern findet man sonst selten. Es dürfte auch kaum Events geben, die nach nur 15 Stunden ausverkauft sind (ausgenommen vielleicht eine Rolling-Stones-Abschiedstournee).

Das Kongress-Programm wurde wie immer durch entsprechende Rahmenveranstaltungen ergänzt, wie der Besuch in der Hofrüstkammer. Internationale Gäste wurden mit Material wie Stadtplänen, Anfahrtsrouten, Infos zur Parkordnung, bis hin zum Tipp für alle, die ihren Aufenthalt verlängern wollen, dass Museen in Wien an Montagen geschlossen haben, versorgt. Das Mittagsmenü lies auch für Vegetarier keine Wünsche offen und kann sich - sieht man von den Plastiktellern ab - durchaus mit den Menüs so mancher 4-Sterne Restaurants messen.


Aus dem Schatten der Szene herausgetreten

Erstmals durften sich die Veranstalter über ein breites Medienecho freuen. Von der auflagenstarken Kronenzeitung bis zum Intellektuelleblatt Falter hagelte es Berichte. Parallel dazu erschien in der Farbbeilage der Wiener Zeitung ein Beitrag über die “Battle of Nations“-Vollkontaktkämpfer. Die Unzufriedenheit der Betroffenen mit der Berichterstattung kann ich nach vielen ähnlichen Erlebnissen bei der Berichterstattung zu Liverollenspiel nachvollziehen, muss aber die Nerds enttäuschen: eine andere Berichterstattung ist über dieses Hobby nicht zu erwarten, so lange es ein Nischendasein führt. Darum meidet man den Kontakt zu Medien oder stellt sich der Herausforderung.

Weiterführende Links:




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Kultur- und Veranstaltungsgemeinschaft Eulenspiel

Isi's Spezereyen

Der Bogenstand Gesierich


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1. Kommentar von Bigman am 28.02.2013 um 23:10

UIIIIIIIIII...
das freut das veranstalterherz :)

schön das es euch gefallen hat und danke für diesen netten bericht.

lg
harry

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