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Simone Jatropulus
Gut besuchtes Spectaculum zu Friesach 2011 - über dem Marktplatz thront die Kirche Sankt Nikolaus.

Simone Jatropulus
Mit 74m Kirchenschifflänge wird Sankt Nikolaus zu Recht als längste Kirche Kärntens angesehen.

Simone Jatropulus
Blick auf Sankt Nikolaus vom mittelalterlichen Lager im Klostergarten. Spectaculum 2011.

Simone Jatropulus
Westportal mit Spitzbogen. Das Steinrelief im Tympanon zeigt Maria als Rosenkranzkönigin, umgeben von den Heiligen Dominikus von Caleruega und Papst Pius V.

Gemeinfrei. Bildquelle: Wikimedia Commons
Der Heilige Hyazinth von Polen - Gründer des Dominikanerordens in Friesach.

Gemeinfrei. Bildquelle: Wikimedia Commons. Urheber: Marion Schneider & Christoph Aistleitner
Dominikanerkloster und Kirche Sankt Nikolaus


Dominikanerkloster Friesach steht zum Verkauf
Quo Vadis, Spectaculum?
Simone "Mone" Jatropulus
04.12.2012 11:39

Seit Jahrhunderten leben Dominikanermönche - wenn auch mit Unterbrechung - im Kloster Friesach und bewirtschaften seine Ländereien. Seit einiger Zeit kursieren Gerüchte, die unter Denkmalschutz stehende Anlage solle vom Orden verkauft werden.

Diese Gerüchte wurden nun bestätigt: Der mittelalterliche Bau samt Kirche und Gartenanlage wird verkauft - Wald, Wiesen und Baugrund bleiben den Dominikanern erhalten. Doch mit dem Verkauf des Klosters, das an den historischen Stadtgraben Friesachs angrenzt, stellt sich nicht nur die Frage, was in Zukunft mit dem geschichtsträchtigen Areal geschehen soll, sondern auch, was aus dem beliebten, jährlich stattfindenden 'Spectaculum zu Friesach' wird. Die familienfreundliche Veranstaltung fand in den letzten Jahren im malerischen Klostergarten der Dominikaner statt...

Tageszeitung 'Kärntner Krone' berichtet:

Die Kärntner Krone berichtete am 3. Dezember 2012 auf Seite 17 über den geplanten Verkauf des Dominikanerklosters in Friesach: Aus der denkmalgeschützten Anlage solle eine Seniorenresidenz werden, als denkbare Alternative käme jedoch auch eine Jugendherberge in Frage. Wald, Wiesen und Baugrund könnten die Dominikaner weiterhin behalten, auch wenn das Kloster samt Park verkauft wird. Die Kosten dürften sich dem Artikel von Christina Kogler nach etwa auf 1,5 bis 1,7 Millionen Euro belaufen, hinzu kommen noch zusätzliche Umbaukosten, die derzeit kaum abgeschätzt werden können.

Demnächst verlässt der 76jährige Fulko Hilgefort als letzter Pater den riesigen Gebäudekomplex. Doch er ist nicht der Einzige, auch die derzeitigen Mieter - die Firma Boos sowie der Theaterverein Burghofspiele - müssen ausziehen. Damit wird der Klosterverkauf aktuell. Laut Kronenzeitung soll bereits ein Architekt zur Begutachtung vor Ort gewesen sein, über einen Wiener Makler soll sich sogar schon ein Investor gemeldet haben - obwohl im Vorjahr die Diözese Gurk gegenüber der Krone versicherte, Bischof Alois Schwarz sei der erste Ansprechpartner.

Friesacher Bürgermeister im Gespräch mit der Kronenzeitung

Bürgermeister Josef Kronlechner hofft auf eine Belebung der "Mittelalterhauptstadt" Kärntens. Gegenüber der Krone zeigt er sich sichtlich erfreut: "Eine Jugendherberge oder eine Seniorenresidenz könnten entstehen".  Er führt fort: "Ich kenne den Investor nicht, aber laut Makler in Wien gibt es mehrere Interessenten für das Kloster." Der Bürgermeister lässt jedoch mit seinen Aussagen auch Raum für Spekulationen zu.
"Wichtig ist, dass die Kirche bleibt", sagt er bestimmt im Gespräch mit Krone-Redakteurin Christina Kogler.

Quo Vadis, Spectaculum?

Bei all den Spekulationen um den zukünftigen Weg des Dominikanerklosters und des wunderschönen Klostergartens fragen sich Mittelalterfans und Reenactoren jedoch zu Recht: "Was wird aus dem Spectaculum zu Friesach?"
Huscarl-Redakteurin Simone Jatropulus befragte dazu Mag. Helga Steger von der Tourismusinformation Friesach.
Mag. Steger ist bereits seit vielen Jahren eine der Hauptorganisatorinnen und guten Seelen des Veranstalterteams rund um das Friesacher Mittelalterfest. Die Veranstaltung ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und beliebt.

Zahlreiche Mittelalter-Darsteller, von der Tanzgruppe über die Lagerleute bis hin zu den Marktstandlern, Spielleuten, Handwerkern und Gauklern blicken nun bang in eine ungewisse Zukunft. Mag. Steger beruhigt: "Das Spectaculum wird auch 2013 sicher wieder stattfinden - und zwar wie gehabt Ende Juli!" - Ungewiss sei zum momentanen Zeitpunkt nur, wie und wo genau die Veranstaltung diesmal über die Bühne gehen werde. Diesbezügliche Details sollen jedoch bis Ende Jänner 2013 geklärt werden. Sobald genauere Informationen zur Verfügung stünden, würden diese umgehend bekannt gegeben, versichert die stets freundliche Mitarbeiterin des Veranstaltungsteams.

Mag. Helga Steger gibt zu, den Klosterverkauf mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sehen. "Einerseits bin ich froh, dass das Kloster nicht verkommt. Es wäre so unglaublich schade um dieses großartige Gebäude! Vor allem die wunderschöne Kirche..." - sagt sie gegenüber unserer Redakteurin. Derzeit könne man leider auch nicht zur Besichtigung in die Kirche hinein. Andererseits sei sie natürlich traurig, dass mit dem Verkauf wohl auch das perfekte Ambiente für das Spectaculum verloren gehe. Doch sie wagt zu hoffen, denn möglicherweise könne man sich ja mit den zukünftigen Besitzern arrangieren. Dies ist aber nur reine Spekulation. Fest steht jedenfalls auch, dass Diözese und Caritas sich dafür einsetzen wollen, dass die Kirche Sankt Nikolaus weiterhin belebt und genutzt wird.

Ausflug in die Historie des Dominikanerordens Friesach

Anfang des 13. Jahrhunderts kam der Heilige Hyazinth, der in seiner Heimat Polen als Begründer des Dominikanerordens gilt, im Zuge seiner Missionarsreisen nach Kärnten. Ihm ist es zu verdanken, dass sich die Dominikaner im Dezember anno 1217 in Friesach niederließen. Nachdem das Kloster die ersten Jahre direkt an die Heiligenblutkirche angrenzte, wurde 1255 der Grundstein für den heute bekannten Gebäudekomplex gelegt. Die Kirche des Heiligen Nikolaus misst sagenhafte 74 Meter Länge und verfügt damit über das längste Kirchenschiff Kärntens. Sie wurde Anfang des 14. Jahrhunderts geweiht und steht - wie auch das Kloster selbst - unter Denkmalschutz.

Das gesamte Areal blickt auf eine bewegende Geschichte zurück: 1637 verursachte ein Brand schwere Schäden und einige Zeit später entging es nur knapp der Auflösung im Zuge der Josephinischen Reformen - nur um Ende des 18. Jahrhunderts unter den napoleonischen Besetzern doch noch aufgelöst und fortan als militärisches Arsenal und Spital genutzt zu werden. Ab 1858 kümmerten sich dort Dominikanerinnen aus Linz um Recht und Ordnung, die das Konvent gepachtet hatten. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kehrte der Dominikanerorden zurück und hielt erneut Einzug in die ehrwürdigen Mauern - was nicht zuletzt dem zu dieser Zeit amtierenden Kardinal und päpstlichen Nuntius Pater Dr. Frühwirt zu verdanken ist.

Die weitläufigen Klostergärten mit Park und Obstbäumen werden von hohen mittelalterlichen Mauern umsäumt, die dem beeindruckenden gotischen Bauwerk absolut gerecht werden. Die Anlage gilt als ältestes Dominikanerkloster auf deutschsprachigem Boden.


Weiterführende Links:




Der Bogenstand Gesierich

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