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Bildquelle: Autor


Mord auf Burg Reichenstein
Ein Kriminalroman spielt in der österreichischen Mittelalterszene
Florian Machl, Stefan Papp
29.11.2012 21:42

Eine Leiche auf einem Mittelalterfest? Stefan Papp machte einen Mittelaltermarkt zum Ausgangspunkt seines Thrillers „Der Narr“. Sam, der Held des Romans, entdeckt nach einer exzessiven Nacht Blut auf seiner Kleidung. Erinnerungen an den Vorabend sind ausgelöscht oder verschwommen. Nach und nach muss er herausfinden, was auf einem Mittelaltermarkt passiert ist und muss sich dabei seinen dunkelsten Seiten stellen.

Stefan, wie bist du auf die Idee gekommen, einen Roman zu schreiben, der seinen Ausgang in der Mittelalterszene nimmt?

Ich besuchte vor 13 Jahren meinen ersten Mittelaltermarkt. Es faszinierte mich, wie in den darauffolgenden Jahren aus einer kleinen Szene, eine echte Subkultur entstanden ist. Ich finde, dass die Szene in der breiten Gesellschaft noch zu wenig wahrgenommen wird. Deswegen wollte ich ein Buch schreiben, in dem die Szene einem breiten Publikum vorgestellt wird.

Ist „Der Narr“ ein Buch für den Reenactor oder einen begeisterten Krimileser, der sich immer gewundert hat, was die seltsamen Menschen in ihren eigentümlichen Gewandungen tun, die er hin und wieder sieht?

Ich habe das Buch für beide geschrieben. Um es auch einer breiteren Masse zugänglich zu machen, musste ich ein wenig aufpassen, wie detailreich ich die Mittelalterszene schildere. Ich konnte nicht auf alle Feinheiten genau eingehen. In meiner Urversion wollte ich beispielsweise über den Frust eines Schwertkämpfers schreiben, der sein bestes Schwert nicht verwenden darf, weil es nicht zu der Epoche passte, die er und seine Gruppe darstellen. Diese Details würden den „unkundigen Leser“ überfordern.

Dem Mittelalterfan soll es ein Schmunzeln entlocken, wenn geschildert wird, wie die Szene von jemand wahrgenommen werden könnte, der zum ersten Mal ein Mittelalterfest besucht (und dabei auch komplett betrunken ist).

Eine deiner Figuren vergleicht Mittelaltermärkte mit einem typischen Wochenende in der Stadt. Sie sagt im Roman sinngemäß, dass während die einen sich gestresst in Diskos zudröhnen, das Reizvolle an Mittelaltermärkten, die Zeitlosigkeit ist und dass Mittelaltermärkte deswegen besonders sind. Wie siehst du das?

Ich glaube, dass der „Zurück zur Natur“-Gedanke ein wesentlicher Mitgrund für den Erfolg der Szene ist. In meinem Buch möchte ich zeigen, dass der Mittelaltermarkt Teil einer Alternativgesellschaft geworden ist, deren Mitglieder mit einem beruflich vorbestimmten und terminierten Alltag teilweise nur mehr wenig anfangen können. Vor allem im Berufsleben gestresste Leser werden bei manchen Zeilen vielleicht darüber nachdenken, was so schlimm daran ist, am Wochenende in einer Gemeinschaft zu sitzen, bei der einem kein schriller Klingelton hochreißt und man keine E-Mails schnell beantworten muss, damit man nichts versäumt. Die Frage nach der Entschleunigung in einer hektischen Welt ist ein zentraler Teil des Romans.

Als Setting hast du die Burg Reichenstein in Oberösterreich genommen. Warum?

Ich hatte vor 13 Jahren dort eine kleine Privatfeier und die Burg in den darauffolgenden Jahren auch oft besucht. Dadurch war es relativ leicht, einen Tatort aufzubauen. Ich brauchte einen Ort, um den Verdächtigenkreis einzugrenzen. Dafür eignet sich die Burg gut, da sie nur einen Aufgang zum Rittersaal und weiteren Räumen hat. Es war der perfekte Ort für ein fiktives Verbrechen.

In deinem Roman kommt auch ein Zuber vor, indem Menschen nackt baden. Willst du irgendwelche Erwartungshaltungen an Leser erwecken, die die Mittelalterszene nicht kennen?

Sex sells! Viele Leser fragen sich vielleicht: Gehen die da wirklich nackt rein? Sicher wird die Phantasie bei manchen noch mehr angeregt. Ich kann mich glücklich schätzen, dass es bei Mittelaltermärkten immer wieder Bader gibt. Zu meiner Schande muss ich jedoch gestehen, dass ich selbst noch nie in einem Zuber war. Weder nackt, noch im kecken Leinenunterhöschen für den Rittersmann.

Am Anfang deines Romans könnte man meinen, du beschreibst zwei Arten von Menschen. Die einen, die fürs Mittelalter leben und versuchen, möglichst authentisch zu sein und die anderen, die ganz weit weg von der Szene sind und sie nicht verstehen. Später ändert sich das Bild. Wie?

Ich wollte im Narren unterstreichen, dass es den „Mittelalterreenactor“ als Person per se nicht gibt, sondern die Mittelalterszene aus Individuen besteht und diese Individuen unterschiedliche Motive haben. Ich erzähle von Leuten, die davon träumen, in eine alte Welt zurückzukehren. Und dann gibt es Personen, die wissen, was ein Leben ohne medizinische Versorgung und ohne Fernwärme in Winter bedeutet. Mir war es wichtig, diese unterschiedlichen Zugänge und Weltbilder zu verdeutlichen.

In deinem Roman sind auch viele Heiden und andere Gruppen am Mittelaltermarkt zu finden.

Weil ich die Szene auch so wahrgenommen habe. Ich sah oft Runenlegerinnen oder Verkäufer von keltischen Kräutern auf Märkten neben Schwertkampftruppen. Manche Gruppen treten auf Mittelaltermärkten auf, sind aber auch auf Keltenfesten zu finden. Andere tauschen im Winter die Mittelalterkleidung mit dem Steampunk-Outfit. Die Durchmischung der Szene ist für mich einfach Realität.

In der Autorenbeschreibung steht, dass du dich für Magie und Okkultismus begeisterst. Wie stehst  du zum Thema Magie und Mittelalter?

Für mich ist das ist das spannendste, aber auch schwierigste Thema dieser Zeit. Mich faszinieren die Grimoires, wie die Picatrix und die später in der Renaissance aufkommenden Werke. Sie beschreiben eine faszinierende Welt von Engel und Dämonen. Ich plane in einem Buch die Magie des Mittelalters und der Renaissance aufarbeiten. Doch dafür ist noch viel Recherche notwendig.

Abseits der Mittelalter-Reenactmentszene, was erwartet den Leser noch?

Den Leser erwartet ein spannender Thriller, der in Oberösterreich beginnt und sich bis nach Wien zieht. Der Roman enthält neben einer Begegnung mit der Mittelalterszene, viel schwarzen Humor und führt den Leser auch in die Welt des Heidentums und deren Kulte ein.


Über den Autor

Stefan Papp schreibt und lebt in Wien. Auf einem Mittelaltermarkt ist er meist bei der Taverne zum wilden Wikinger zu finden. Sein Thriller „Der Narr“ ist im Luzifer-Verlag erschienen und ist auf Amazon erhältlich.

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