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Torn Banner Studios

Torn Banner Studios
Action wie beim Vollkontakt-Buhurt ...

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... nur mit mehr Konsequenzen. Virtueller Natur. Und auch nur bis zum nächsten Respawn in etwa 5 Sekunden. Denn es handelt sich um die "hack and slay"-Variante eines typischen Multiplayer-Shooters wie Unreal Tournament.

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Die Levels sind sehr schön gestaltet.

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Verschiedene Lichtstimmungen und Jahreszeiten bieten optisch großen Anreiz.

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Ein Nacht-Setting zeugt von Abwechslung.

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Historisch authentisch ist hier freilich nicht sehr viel. Eher ein opulent gestalteter Stilmix für das von Hollywood geprägte Publikum.

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Im Spielerischen scheint aber eher Wirrwarr über geordnete Truppenführung die Oberhand zu behalten.


Chivalry - Multiplayer-Shooter-Genre geht fremd
Im blutigen Gewühl des mittelalterlichen Schlachtgetümmels
Florian Machl
28.10.2012 15:05

„Lets get medieval“ ist das Motto des vor wenigen Tagen via Steam für PC erschienenen Spiels mit dem Namen Chivalry – Medieval Warfare. Das interessante an dem Titel ist, dass versucht wurde das Spielprinzip von Multiplayer Ego-Shootern auf das Thema „Mittelalter“ mit Schwertern, Hellebarden, Bögen, Armbrüsten, Belagerungswaffen und mehr anzuwenden. Ein Versuch im Independent Genre, der in ebendiesem allerdings bereits von der Spielreihe „Mount & Blade“ vorweggenommen wurde. Gelingt es dem grafisch opulent auftretenden Chivalry, mittelalterliche Schlachtatmosphäre zu vermitteln?

Das Spiel von Torn Banner Studios versucht nach eigener Definition die Intensität des Schlachtengetümmels von epischen Hollywodblockbustern an den Computerspieler zu vermitteln. An die Stelle von automatischen Sturmgewehren, sonstigen Handfeuerwaffen und Granaten treten bei diesem First-Person-Spiel hauptsächlich mittelalterliche Stich- und Hiebwaffen. Dabei ist die Hollywood-Aussage schon ziemlich ehrlich, denn einige der Waffen sind eher weniger als historisch anzusehen und auch die Rüstungen sind ein bunter Mix aus Hoch- bis Spätmittelalter. Doch schon in den ersten Spielminuten unseres Tests fühlten wir uns an die Szenen beim Versuch heutiger Vollkontaktkämpfer erinnert, das Geschehen des historischen Buhurts nachzuempfinden. Mit etwas mehr Brutalität, Blut und endgültiger Konsequenz.

Schwertkampf-Action mit der Unreal-3-Engine

Dabei stecken viele Jahre Arbeit in dem rasanten Spiel, das auf der Unreal 3 Engine aufsetzt. Ein Vorgänger wurde bereits 2007 als total conversion mod zu Halflife 2 veröffentlicht – und ebenso über Steam verbreitet. Auch wenn wir den Vorgänger nicht gespielt haben, ließ sich recherchieren, dass die verschiedenen Einheiten als auch die beiden gegeneinander kämpfenden Kreuzritterfraktionen bereits in dieser Erstversion ziemlich identisch zum jetzt veröffentlichten Titel waren. Ein großer Unterschied könnte hingegen sein, dass das ältere Spiel über weitaus größere Karten verfügte – was nicht unbedingt ein Vorteil sein musste. In einem Multiplayerspiel, dessen Ziel das möglichst schnelle und effiziente Abschlachten des Gegners ist, möchte man seinen Gegner auch finden und nicht minutenlang suchen. Die kompakt erscheinenden Spielumgebungen von Chivalry – Medieval Warfare sind grafisch jedenfalls eine Augenweide und darüber hinaus äußerst abwechslungsreich gestaltet.

Enthaupten mit dem Kriegshammer

Leider wurde bei der Konsequenz der Sinnhaftigkeit von gezeigter Waffenwirkung gespart. Wie man mit einem Hieb eines Kriegshammers mit einem Schlag sauber einen Kopf abtrennt, erschließt sich möglicherweise dem kindlichen Gemüt eines etwas zu euphorischen Spieledesigners, einem ernsthafteren Spieler könnten solche Details aber als etwas zu viel des Guten erscheinen. Dafür wirken die Auswirkungen von Projektilwaffentreffern mit Pfeilen und Armbrustbolzen drastisch unterdimensioniert.

Blindwütiges Gemetzel

Im Endeffekt kam ein buntes Chaos aus Kämpfern heraus, die ohne wesentlich erkennbare Strategie aufeinander zulaufen und einprügeln. Ein Spielprinzip, das auch bei den meisten Shootern zu beobachten ist und nur von manchen, herausragenden Spielen des Genres durch Taktik und Teamspiel zu durchbrechen war. Und dennoch soll der Vergleich mit einem Vollkontakt-Buhurt zum zweiten Mal bemüht werden. Auch ein solcher wirkt meistens für den Betrachter oft sehr chaotisch und nur gut trainierte Teams sind in der Lage, im Kampfgetümmel eine Formation zu wahren und gezielt vorzugehen. Und man bekommt durchaus einen ehrfurchtgebietenden Eindruck davon, was es im Mittelalter wohl bedeutet hat, mit Schnitt- und Schlagwaffen aufeinander loszugehen. Echter Spielspaß kommt jedenfalls nur im Multiplayer-Modus auf - der Singleplayer-Trainingsmodus dient einzig und alleine dem Kennenlernen der Steuerung. Die eingesetzten "Bots", welche die Gegner simulieren sollen, verfügen nur über eine äußerst schwache KI und laufen gerne sinnlos in Wände oder Hindernisse anstelle sich sinnvoll am Kampfgeschehen zu beteiligen.

In der Steuerung viel verschenktes Potential

Meine persönliche Meinung als Rezensent fällt eher verhalten aus. 81% Metascore auf Metacritic.com erscheinen mir deutlich zu hoch gegriffen und basieren möglicherweise auf der Andersartigkeit des Titels im Vergleich zum verfügbaren Mitbewerb. Die Abstriche beim realistischen Einsatz der Waffen und der wilde Mix durch die Jahrhunderte wären durchaus hinzunehmen, die an Spielkonsolen erinnernde Einfachheit in der Anzahl der Kampfoptionen hingegen nicht. Es gäbe eine Reihe moderner Spielkonzepte, wie man beispielsweise das Blocken einer gegnerischen Attacke oder auch die Richtung des eigenen Angriffes abwechslungsreich und herausfordernd gestalten könnte. Ich habe schon vor über zehn Jahren Spiele gespielt, wo mittels Kombination aus „Wischen“ und Klicken mit der Maus die Schwerthaltung bei Block oder Hieb bestimmt wurde. All diese Möglichkeiten wieder einmal mit nur drei verschiedenen Arten zu Klicken und einem Fusstritt oder Schildstoß zu vereinfachen, ist mir zu eindimensional umgesetzt und raubt der Spielidee viel Potential.

Vernünftiges Preis/Leistungsverhältnis
für Fans durchaus empfehlenswert


Die Waffenführung und Einsatz von Kampfteams erscheint mir bei „Mount & Blade“ deutlich besser gelungen, auch wenn der ältere Titel sicherlich grafisch in einer viel schwächeren Liga beheimatet ist. Aber bunte, hochauflösende Optik ist im Hinblick auf Spielspaß eben nicht alles. Mein Abschlussurteil: Für kurzen Spielspaß zwischendurch hat der Titel sicherlich seine Berechtigung, Langzeitmotivation kann ich mir für den Spieler dabei allerdings nicht vorstellen – insbesondere im direkten Vergleich mit dem Genre „First-Person-Shooter“. Das Preis/Leistungsverhältnis ist hingegen durchaus in Ordnung.


Preis

Chivalry ist über Steam für Einzelspieler um 22,99 Euro erhältlich, entschließt man sich mit seinen Freunden zum Vierfachpack zu greifen, zahlt man pro Spieler nur noch 17.50 Euro.

Weiterführende Links:




Der Bogenstand Gesierich

Vehi Mercatus




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