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(C) Vermaledeyt

Glatt gestrickt - das Relikt
Das aktuelle Album von Vermaledeyt
15. 7. 2010 - 7:00
Daniela Rzepa


Schon als Hauptband der Konzertreihe Miroque in Wien haben Vermaledeyt bewiesen, dass sie einen ganzen Saal rocken können und dass die Bühne im auf 300 Gäste ausgelegten Viper Room für ihre musikalischen und showtechnischen Fähigkeiten zu klein ist. Jetzt hat die Gruppe ihre zweite Silberscheibe mit dem Titel "Relikt" vorgelegt. Hält die CD, was die Live-Auftritte versprechen?

Intro

So viele Sommer sind vergangen,
seit dem Chaos meiner Zeit,
so viele Brüder aufgehangen,
von Herrschern in so feinem Kleid. [...]

Erst die letzte aller Stunden wird erweisen,
ob ein Henkerschlag, ein Galgenstrick,
oder doch ein Lied gesungen, halb im Kot erstickt,
wird ewig` heilig zum Relikt!

Man fragt sich, was nach dieser unheilschwangeren Ankündigung nun auf die Hörenden zukommen wird - eine Fantasy-Geschichte? Ein historischer Roman? Nichts dergleichen. Die CD bietet eine große Bandbreite an verschiedenem Tempo und Instrumentierung an. Stets folgen Nummern von unterschiedlicher Art auf einander, wodurch ein äußerst abwechslungsreicher Eindruck entsteht. Langweilig ist diese CD nie. Besonders Feelgood-Nummern wie "Le Maître de la Maison" animieren durch den Antwort-Chor zum Mitsingen und und kreieren durch klangliche Highlights wie den Einsatz einer Mautrommel akustische Hingucker.

Hohe Produktionsqualität

Dem Ohr schmeichelt besonders die hohe Produktionsqualität. Man merkt, dass hier Profis am Werk waren. Aus jedem Instrumente wurde der optimale Klang herausgeholt, besonders das Cello als ungewöhnliches Instrument überzeugt durch große Klangfülle.

Lediglich der Abmischung der Gesangstimmen hätte man ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken können, während instrumentale Parts beanstandungslos bleiben, wirken die Stimmen oftmals ein wenig dünn und verloren. Doch hier bleibt zu diskutieren, ob es nicht doch vielleicht an der stimmlichen Qualität liegt - vor allem die Frauenstimmen sind hier betroffen - und die Technik schon das Bestmögliche herausgeholt hat.

Musikalische Qualität

Musikalisch bleibt kein Wunsch offen. Die Instrumente sind perfekt gestimmt, die Gesangstimmen lassen keinen schiefen Ton vernehmen. Mehrstimmigkeiten, besonders bei zweistimmigen Dudelsäcken, die an Hard-Rock-Gitarrensoli erinnern, kommen harmonisch und zusammengespielt aus dem Lautsprecher. Insgesamt macht es den Eindruck, als würden die Bandmitglieder einander musikalisch sehr gut kennen und auf einander eingestimmt sein.

Schade ist, dass die klangliche Qualität scheinbar mehr im Vordergrund stand, als die stimmungsvolle Umsetzung. Während die Band beim Live-Auftritt vor Energie sprüht, wurde jegliches interessant Abweichen von der Norm zu Gunsten einer musikalischen Exaktheit glattgebügelt, wodurch die Stimmung ein wenig leidet.

Extra am Piano

Als besonderes Schmankerl wird die Nummer "Feuer und Flamme", die eine Art Selbstbeschreibung der Gruppe sein soll, nicht nur in mittelalterlicher Instrumentation angeboten, sondern wurde als Bonus-Track in einer Piano-Version eingespielt. Während die Klavierbegleitung ausgesprochen einfallsreich und den klanglichen Möglichkeiten des Instruments entsprechend gespielt wurde, lässt die Singstimme noch einige Wünsche offen. Wohl merkt man, dass man eine schöne, natürliche Frauenstimme vor sich hat, hinter der ein gutes Gehör steckt, da stets richtig gesungen wird. Trotzdem ist vor allem in den höheren Passagen zu bemerken, dass ein wenig mehr Gesangsunterricht eine Steigerung bringen würde, da die technische Umsetzung mancher Töne noch ein wenig dünn und verhalten ausfällt.

Schönes Booklet

Als Kontrast zu vielen "wir-sind-furchtbar-evil-und-finster"-Images anderer Gruppen setzen Vermaledeyt hier einen Kontrapunkt. Das Booklet ist in weiß gehalten, eine Schreibfeder und schwungvolle Handschrift setzen ästhetische Akzente. Die Fotos der Mitglieder sind durchwegs gelungen und wirken sympathisch und unaufdringlich. Auch das Material, Papier statt Plastik, lässt die CD auch gut in der Hand liegen.

Solider Gesamteindruck

Es ist schön zu hören, dass eine mittelalterliche CD nicht einfach irgendwie zusammengeschustert werden muss, dass falsche Töne nicht einfach überhört werden und ein Booklet nicht immer erwartete Allgemeinplätze ausfüllen muss. Wünschenswert bliebe nur noch, dass Vermaledeyt einen Weg finden, ihre Energie und Lebenslust, die auf der Bühne so toll spürbar ist, beim nächsten Versuch mit auf die CD zu brennen. Damit Feuer und Flamme überspringen können.



Daten

Relikt
Vermaledeyt
Audio CD
Label: Totentanz Records (Soulfood Music)
ASIN: B0037YKYAM
1. Intro
2. Pandemonium
3. Le maître de la maison
4. Fünf Söhne
5. Dérobée de Guingamp
6. Vino gratias
7. Lytha
8. Feuer und Flamme
9. Dulgamara
10. Ballade des Pendus - L'épitaphe villon
11. Hymnus imperatoris
12. Feuer und Flamme (Piano Version)


Weiterführende Links:






Der Bogenstand Gesierich

Kultur- und Veranstaltungsgemeinschaft Eulenspiel



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