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Bildquelle: Verlag der Spielleute
""Her keiser, sit ir willekommen" ist ein empfehlenswerter Einblick in das Schaffen der Musiker, die sich in Braunschweig zum European Minnesang Festival versammelt haben.

CD-Produktion zum European Minnesang Festival
Minnesang in höchster Vollendung
18. 10. 2009 - 22:00
Arnulf Zeilner


Die CD European Minnesang Festival "Her keiser, sit ir willekommen" wurde im Vorfeld des gleichnamigen Festivals in Braunschweig herausgebracht, das jetzt gerade, vom 15. -18. Oktober 2009, stattfindet. Es ist dies das "Kaiserjahr", da vor 800 Jahren Otto IV. in Braunschweig die Kaiserkrone erhielt. Otto IV. wiederum förderte den Minnesang - er selbst war der Ur-Ur-Enkel der "ersten Minnesängers" Wilhelm IX. von Aquitanien, lernte den Minnesang am Hofe seines Onkels Richard Löwenherz kennen und lieben und soll auch selbst ein Minnesänger gewesen sein. Anlässlich dieser Zusammenhänge wird im Rahmen des Festivals (Huscarl berichtete) auch ein Minnesänger-Wettstreit veranstaltet.

Zum einen sind alle Minnesänger, die an diesem Wettstreit teilnehmen, auf diesem Tonträger vertreten, entweder als Solisten oder mit einem ihrer Projekte, zum anderen aber auch Fachleute, die das Programm begleiten. Sogar Gruppen, die das Fest "Minne meets...?" bespielten, das sich vom 17. und 18. Juli 2009 als Auftakt des Europäischen Minnesang-Festivals ebenfals in Braunschweig ereignete, finden sich hier wieder. Es handelt sich hier um eine hochkarätige internationale Besetzung, die möglicherweise vielen der "neueren" Mittelalterbegeisterten noch nichts sagen wird. Es handelt sich, bis auf wenige Ausnahmen, durchwegs um Namen, die mehr in der Alten Musik und in der Historischen Aufführungspraxis beheimatet sind, mehr in Konzertsälen als auf den Mittelalter-Märkten. Als eine der Ausnahmen kann man hier die Irrlichter nennen, die sehr wohl auch auf den Märkten unterwegs sind. Auch Thomas Schallaböck, vor allem durch die Salzburger Formation "Dulamans Vröudenton" aber auch als Herold, Nachtwächter und Mitorganisator von namhaften Festen bekannt, ist hier als jemand zu benennen, der in beiden Welten zuhause ist - ebenso wie auch das Musiktheater Dingo.

Historische Aufführungspraxis wiederbelebt

"Man bemerkt, dass die meisten Interpreten in der Tradition der Historischen Aufführungspraxis kommen, man darf also mehr Alte Musik als Marktmusik, mehr Konservatorium als Volksfest, mehr Konzertsaal als Konzerthalle erwarten."

Dieses Zitat aus der vorangehenden Rezension von "Minnesang und Spruchdichtung" trifft auch hier zu. Haben andere Sampler oft ein sehr breites Spektrum, von laut bis leise, von authentisch bis Mittelalter-Rock, so fehlt dies hier, wobei "fehlen" eigentlich irreführend ausgedrückt ist. Denn auf dieser CD fehlt diese "andere Seite" nicht. Sie ist schlichtweg nicht notwendig. Achtzehn Nummern umfasst diese CD, mit einer Spieldauer von fast 63 Minuten, und man kann von kaum einer Nummer sagen, dass sie sich "nur" auf die historische Aufführungspraxis beschränkt. Alle Interpreten leben ihre Musik, den Minnesang. So schaffen sie es, nahe am vermuteten Original zu bleiben und dennoch den Eindruck lebendiger Musik zu hinterlassen. Minnesang in einer Qualität und Form, die auch bei einem feucht-fröhlichem Gelage am Hofe mal die Etikette vergessen lassen könnte, wie zum Beispiel die französische Version von "In Taberna", von Francois Bourcheix und Les Derniers Trouveres unter dem Titel "La taverne, c’est toujours bien" zu finden. Viele dieser Titel wurden übrigens bereits in der Radiosendung Huscarl on air vorgestellt, einige weitere könnten dort durchaus noch folgen.

Beeindruckende Klänge
jenseits der Marktmusik


Wer sich über Klänge jenseits der Marktmusik interessiert, könnte hier seinen Einstieg in die sogenannte ernste Musik finden. Doch auch der Liebhaber von klassischen Interpretationen wird sich durch European Minnesang Festival "Her keiser, sit ir willekommen" gefesselt wiederfinden. Der Rezensent zeigt sich beeindruckt vom Können der Künstler und zieht den Hut vor der Leistung, dem Minnesang solches Leben einzuhauchen, ohne ihn zu verfremden. Was gibt es noch mehr zu sagen, als: hört selbst!


Trackliste

01 "Salonic" Flor Enversa 2:11
02 "Kaisergruß" Dagmar Jahn 1:51
03 "Her keiser, sit ir willekommen" Frank Wunderlich & Musiktheater Dingo 3:03
04 "Omnes gentes plaudite" Karmina 1:49
05 "D’eissa la rason qu’ieu seulh" Thierry Cornillon & Flor Enversa 2:43
06 "Ma joie premeraine/Ich denke underwilen" Knud Seckel 3:28
07 "Ich saz u feime steine" Hans Heger 2:15
08 "Gewan ich ze minnen" Christoph Mächler 4:57
09 "Cedit frigus hiemale" Marian Krejcik & Karmina 3:59
10 "A chantar" Davide Di Giannantonio & Lilium Lyra 3:41
11 "Serail" Die Irrlichter 4:34
12 "Her keiser" Frank Wunderlich 2:35
13 "Owe" Dulamans Vröudenton mit Thomas Schallaböck 4:13
14 "Kalenda Maya" Triskilian 4:51
15 "La taverne, c’est toujours bien" Francois Bourcheix & Les Derniers Trouveres 3:26
16 "Freut iuch, wolgemouten kint!" Holger Schäfer 3:06
17 "Celum non animum" Musiktheater Dingo 7:42
Gäste: Flor Enversa, Frank Wunderlich, Holger Schäfer
18 "Fabuleux Heritage" Les Derniers Trouveres 2:53


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