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Bildquelle: Verlag der Spielleute
Mit Spruchgesang und Sachsenspiegel bannte der deutsche "Verlag der Spielleute" eine Mischung aus Musik und mittelhochdeutschen Texten auf die Silberscheibe.

Spruchgesang und Sachsenspiegel
Eine ungewöhnliche CD für ein interessiertes Publikum
4. 9. 2009 - 07:30
Arnulf Zeilner


"Spruchgesang und Sachsenspiegel" ist der Titel einer Zusammenstellung mittelalterlicher Musik und Zitaten aus dem Sachsenspiegel, einem deutschsprachigen Gesetzestext aus dem 13.Jahrhundert. Die CD erschien im Verlag der Spielleute und wurde von www.minnesang.com und der Burg Falkenstein im Harz (Deutschland) herausgegeben. Diese Kombination erklärt sich aus der Geschichte und der Gegenwart. Jedes Jahr gibt es einen Minnesängerwettstreit in besagtem Gemäuer.

Die Burg Falkenstein wurde 1120 erstmalig unter Burchard von der Konradsburg erwähnt, dessen Geschlecht ab 1155 als das der Falkensteiner den Grafentitel trug. Der Sachsenspiegel entstand um 1220 bis 1235 im nordöstlichen Harz und der Legende nach soll Eike von Repgow dieses Buch auf dem Falkenstein vollendet haben. Die Reimvorrede des Werkes lässt darauf schließen, dass Graf Hoyer von Falkenstein offenbar den Autor förderte, also eine direkte Verbindung besteht. Heute geben diverse Gruppen und Solisten in diesem Bauwerk ihre Kunst zum Besten, das sich, inmitten eines Naturschutzgebietes hoch über der Selke auf einem Bergsporn erhebt.

Spezielles für ein spezielles Publikum

Sechzehn Nummern umfasst diese CD, die mit einer Spieldauer von fast 76 Minuten überdurchschnittlich lang ausgeführt ist. Jeder Titel besteht aus einem musikalischem Beitrag und einem Zitat aus dem Sachsenspiegel. Sind diese Zitate durchwegs in Mittelhochdeutsch gehalten und von unterschiedlichen Länge - jedoch niemals so lang, dass man die Sprüche als störend empfände - erfreut den ungeübten Hörer doch der eine oder andere Text in neuhochdeutscher Sprache. Der des Mittelhochdeutschen mächtige Konsument, wird diese Scheibe lieben, für alle anderen sind gerade die Sprüche schwerlich zu verstehen und ihnen entgeht doch viel von dem hier Geleisteten. So ist die Frage, ob dieses Werk für eine Breitere Masse gedacht ist oder sich doch nur einem Fachpublikum erschließt.

Historische Aufführungspraxis

Man bemerkt, dass die meisten Interpreten in der Tradition der historischen Aufführungspraxis kommen, man darf also mehr Alte Musik als Marktmusik, mehr Konservatorium als Volksfest, mehr Konzertsaal als Konzerthalle erwarten. Gerade wenn man in die Klänge von "Spruchgesang und Sachsenspiegel" eintaucht, wähnt man sich schnell am Hofe eines Fürsten. Minnegesang, manchmal unterstrichen nur durch ein minimalistisches Instrumentarium, führt in eine andere Welt. Man meint gar: so könnte es gewesen sein. Vom Gregorianischen Choral, a capella, bis hin zum vielseitig instrumentierten Lied - hier scheint es alles zu geben, was mittelalterliche Musik möglicherweise ausmachte.

Musikalisch breites Spektrum

Dass das noch nicht alles war, beweisen allerlei Stücke in der zweiten Hälfte der CD, auf die hier näher eingegangen werden soll. "Gerhart Atze" ist inhaltlich spaßig, zugleich ein interessanter Rechtsfall um ein erschossenes Pferd in der ungewöhnlich "modernen" Vortragsweise von Ougenweide, die mit ihrem deutschen Mittelalterfolk in den 70er Jahren die Antwort auf die Folk-Welle aus den USA gaben. Mit E-Gitarre und E-Bass waren sie wohl 20 Jahre früher dran als der heute so beliebte Mittelalter-Rock. Dieser wiederum ist durch Markus van Langen vertreten und bleibt seinem Ruf nichts schuldig, wobei hier fette E-Gitarrenklänge, Schlagzeug und E-Bass durch historische Instrumente komplettiert werden, um den Sound zu erzeugen, der die heutigen Hörer anspricht und der einen breiten Absatzmarkt verspricht.

"Mammon" ist ein eher experimenteller Beitrag von Elster Silberflug. Die Elstern, auch ein Urgestein der Marktmusik, präsentieren hier nicht gerade ihren üblichen Stil und damit, in den Augen (bzw. Ohren) des Rezensenten, nicht ihre bemerkenswerteste Leistung - was aber auch bedeuten könnte, dass viele Hörer gerade dieses Stück gut finden werden, da es ein modernes Kleid trägt. Bei "Verschamter munt" handelt es sich um eine Art Sprech-Gesang, von Trommel und einem Rummelpott (auch Schastrommel genannt) unterstützt. Ein Stück das für unsere Gehörgänge sehr gewöhnungsbedürftig ist.

Das Ergebnis

Das Ergebnis dieser Produktion wird seine Freunde finden, aber sicher auch polarisieren. Für das CD-Regal von mittelalterlich, germanistisch oder rechtsgeschichtlich interessierten Menschen wird "Spruchgesang und Sachsenspiegel" sicherlich eine Zierde sein. Ich selbst werde mir dieses Werk noch des Öfteren zu Gemüte führen. In wieweit die breite Hörerschaft angesprochen wird, muss sich erst zeigen. Durch das breite Spektrum an Interpreten ist sie sicherlich für Einsteiger auch geeignet, um abseits von Miroque-Samplern einen Überblick über das musikalische Spektrum zu erhalten. So sind viele Einsteiger noch oft der Ansicht, In Extremo oder Corvus Corax seien der Inbegriff der Mittelalter-Musik – beide Gruppen sind hier übrigens nicht vertreten.

Trackliste

01 Vorrede (Sachsenspiegel, Vorreden) 1:53
02 We dir, aremuote! 2:48
03 Aspis ein slang geheissen ist 3:12
04 Do durch der werlde 6:49
05 Der kuninc Rudolp 3:48
06 Fas et nefas 5:07
07 Sundege lust 4:21
08 Ich horte ein wazzer diezen/Ich saz uf eime steine 10:05
09 Verschamter munt 2:22
10 Gerhart Atze 4:32
11 Mammon 5:26
12 Von zwein ungelichen wegen 7:38
13 Winder 3:01
14 Weh dir, Welt! 5:32
15 Nachrede (Ssp. Ldr. Abschluss) 1:44
16 Geh deinen Weg 2:35


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1. Kommentar von Rowanne am 08.09.2009 um 10:58

Lieber Brennus!
Ein bisserl muss i di jetzt schon korrigieren: es war NICHT das erste Mal, das Händler dabei waren. Im Vorjahr war bereits ein Stand von der Bundeslade vorhanden - zwar mit "Soldurii-Personal" besetzt, aber damit war definitiv ein Händler vorhanden ;)

*trauriges Mau*
und uns Nornen hast gar nit erwähnt *schnief* wir sind zwar auch Mitglieder der Soldurii-Santicum *schluchz* und fallen unter den Namen *schnief* aber wir ham doch so brav gspielt am Sonntag *mau*...

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