huscarl.at
EditorialMarktlebenWissenschaftMusikKulturVereineChronikVermischtesKurzWahlRadioVideoSzeneSuche
in der Community anmelden
Bildquelle: Nachtwindheim

Bildquelle: Nachtwindheim

Bildquelle: Nachtwindheim

Bildquelle: Nachtwindheim

Nachtwindheim: Mehr als nur Bubenmusik
Triumph der ironischen Vielfalt
6. 4. 2009 - 21:30
Florian Seidl


Die ostdeutsche Gruppe Nachtwindheim beherrscht die Kunst, Dudelsäcke sowohl leise als auch langsam spielen zu können- und das auch noch zweistimmig, was unter Marktmusikanten durchaus keine Selbstverständlichkeit darstellt. Dass die drei Männer aus der Zone auch singen können, ist eine luxuriöse Zugabe.

Nachtwindheim, das sind Andre Hunger, Andreas Pfarrbeck und Henrik Kretschmar aus Ostdeutschland, die einen ironischer Zugang zur Marktmusik jenseits von Trinkfestigkeitsverherrlichung pflegen, wie schon Covergestaltung des Tonträgers und Selbstpräsentation verraten. Sie können schon auch Marktmusik spielen, wenn’s sein muss, aber noch viel mehr darüber hinaus.

Nachtwindheim benutzen live mehrere Sackpfeifen aus verschiedenen Herkunftsländern, Schalmeien, Pommern und natürlich die obligatorische Davul - aber auch Drehleier, Harfe, Mandoline, Chalumeau, Mandola, verschiedene Arten von Flöten und so ausgefallene Sachen wie Trumscheit und Monochord werden eingesetzt. Für Studioaufnahmen kommt dann noch das eine oder andere Instrument dazu.

Musikalisch virtuos eingesetzte Instrumente, kunstvolle Beherrschung leiser Töne

Die Nachtwindheimer wissen, dass der interessierte Mittelaltermusikfreund alles schon einmal gehört hat. Dem wird einerseits entgegengekommen durch absolut konventionelle Interpretation wie bei "Bacche benevinias". Das Repertoire umfasst das klassische Musikmaterial für Otto Zeltfestbesuchers Gehörgänge: Veranstalter buchen es, Besucher erwarten es, Künstlerseelen verödet es. Darum gönnen sich Nachtwindheim auf ihrem Tonträger Zugaben.

Marktmusik trifft Klezmer... und mehr

Den Einsatz der für Marktmusik unerlässlichen Schlagwerke nutzt Nachtwind gerne für überraschende Griffe in die Trickkiste, etwa wenn anachronistische Polka-Rhythmen oder ironische Popmusikzitate in alte Musik eingeflochten werden. Bei "Nero rennt" hören wir plötzlich (süddeutsche?) Tubaklänge in der Neudeutung mittelalterlicher Marktmusik, bei "Reez Mieze Musik" trifft Marktmusik auf Klezmer - ein absolut hörenswerter Crossover, der durch bewusst eingemischtes Schellack-Rauschen noch verfeinert wird. Dadurch verleugnen sie nicht etwa die alten Quellen oder verraten die Werktreue - sie beweisen Profil und unterstreichen den unverwechselbaren Stil, wie es sich nur echte Könner leisten können. Darüber hinaus hört man, dass es ihnen mordsmäßigen Spaß macht, Grenzen niederzutrampeln und frech aufzugeigen, ohne sich in einer Schublade zum Verkauf anbieten zu müssen.

Die Freiheit, überliefertes passend darzubieten

Auf die Gretchen-Frage nach der Authentizität angesprochen, meint die Band programmatisch: "Eine Seite ist der Anspruch überlieferte Stücke authentisch, also in sich selbst stimmig, darzubieten. Die andere Seite ist die Freiheit, die überlieferten Stücke authentisch, also zu uns passend, darzubieten. Der Reiz besteht im Spielen, eine Schalmei jazzen oder ein modernes Stück mittelalterlich klingen zu lassen. Dann spielen die oben genannten Sachen keine wirkliche Rolle mehr."

Sehen uns nicht als letzte authentische Bastion

Das Selbstverständnis der Band formulieren sie so: "Im Prinzip ist unsere Musik Weltmusik und Folk. Wir bedienen uns aus traditionellem Material aus allen möglichen Zeitepochen und Ländern, entnehmen Anleihen aus der Populärmusik und komponieren zum Teil selbst. Diese musikalische Freiheit haben wir in der mittelalterlichen Marktmusik gefunden. Dazu kommt die unmittelbar Nähe zum Publikum und das "Marktfeeling". Wir sehen uns daher nicht als strenge Mittelalterband oder als letzte Bastion der authentischen Aufführpraxis."

Dieser Abwechslungsreichtum macht die CDs zu einem schwungvollen Hörerlebnis. Die Covergestaltung verrät auch, dass die Band sich selbst und das Genre nicht allzu ernst nimmt.

Live ist Nachtwindheim in Österreich im Juni in Kufstein und im September beim Gaudium in Purgstall zu hören.


Weiterführende Links




Can't create/write to file '/tmp/#sql_1eab_0.MYI' (Errcode: 28): SELECT * FROM INSERATE WHERE AKTIV_INS > 0 ORDER BY RAND() LIMIT 3