Fantasy-Folk ist die Bezeichnung, welche die fünf Musiker aus Niederösterreich für ihre Musik gewählt haben. Die Bandgeschichte reicht in das Jahr 1996 zurück, als die Gründungsmitglieder die Gruppe nach einem verträumten Fischerdorf in Südirland, Ballycotton, benannten. Zu den Höhepunkten in der Bandgeschichte zählt eine Konzerttournee in Taiwan in ausverkauften Hallen. Am kommenden Donnerstag, dem 5. Februar, präsentiert das Quintett seine neue CD "Jenseits vom Ende der Zeit" im BarRock, St. Pölten (19:00), am 6. Februar in der Kulisse Wien (18:00). Huscarl erhielt die Gelegenheit, schon vorab ein Exemplar des Tonträgers zu rezensieren.
Vor drei Jahren brachte Ballycotton das Album "Eyla" heraus und ernteten durchwegs gute Kritiken. Mit Eyla demonstrierte die Gruppe, was sie unter Fantasy-Folk versteht. Verträumte und rasante Melodien verschiedener Stilrichtungen und Geschwindigkeiten, von Weltmusik über Folk. Das neue Album "Jenseits vom Ende der Zeit" knüpft jedoch nicht nahtlos an das Vorgängerwerk an, im Gegenteil - die Band hat wieder einen großen Schritt in ihrer Entwicklung vollzogen. Diese Veränderungen sind hauptsächlich stilistisch und aus den Arrangements herauszuhören, denn musikalisch kann man den Virtuosen nichts mehr vormachen. Sie beherrschen ihr Instrumentarium nach langjähriger Erfahrung in hoher Perfektion.
Im Bann von Rhythmus und Melodie
Die ersten Nummern erinnern etwas an das Schaffen des bekannten französischen Musikers Yann Tiersen (Die wunderbare Welt der Amelie, Good Bye Lenin). Wie Tiersen gelingt es Ballycotton, das Auditorium in den Bann von Rhythmen und Melodie zu ziehen und Gefühle zu wecken. Sind die Klänge zu Beginn der musikalischen Reise schnell und folklastig, erfährt das Werk im Laufe der 13 Stücke manch Ruhepause vor einer erneuten rasanten Steigerung. Dabei sind der Ablauf und das Ineinandergreifen der einzelnen Titel höchst beachtenswert, es entstand ein großes Ganzes, das im Einklang miteinander zu funktionieren versteht. Doch auch einzelne Nummern verfehlen ihre Wirkung nicht. Der harmonische Aufbau des Albums erinnert streckenweise auch an die Projekte des bekannten österreichischen Musikers "Gandalf", der übrigens zu den international erfolgreichsten Musikern unseres Landes zu rechnen ist. Für Neugierige stehen bereits jetzt zwei der Lieder auf MySpace zur Verfügung, "Metamorphose" und "Cuba Libre".
Die Musiker von Ballycotton
Die Musiker, deren künstlerischer Ausdruckskraft das Album zu verdanken ist, sind Christina Gaismeier an der Violine, Alex König an Gitarre, Bouzouki und Mandoline, der in der Mittelalterszene weithin bekannte und in vielen Projekten aktive Percussionist Harald Binder und Peter Beinhofer der so manche Nummer mit seinem Akkordeon dominiert. Robert Polsterer, das neueste Bandmitglied, ebenfalls sehr aktiv in diversen Projekten innerhalb und außerhalb der Mittelalter-Musikszene, steuert Obertongesang, Gitarrenklänge und Bass bei.
Angenehm zu hörender Genremix, empfehlenswert
Wer eine abwechslungsreiche CD sucht, die sowohl aktiv gehört werden kann, aber auch als Hintergrundmusik am Arbeitsplatz oder musikalischer Begleiter im Autoradio immer passend erscheint, ist mit diesem Album gut beraten. Zurücklehnen und träumen oder aus dem Hintergrund berieselt werden - jede Nummer wurde vom Ohr des Rezensenten als ausgesprochen angenehm empfunden und hört sich glücklicherweise auch nicht rasch ab. Durch die Rezension im Rahmen unseres Mittelaltermagazins soll jedoch nicht fälschlicherweise der Eindruck entstehen, es würde sich um Markt- oder Mittelaltermusik handeln. Ballycotton entführt den Hörer vielmehr über das Ende der Zeit hinaus und benutzt dazu eine Vielfalt musikalischer Einflüsse. Trotzdem oder gerade deswegen ist dieser "Fantasy-Folk" betitelte Genremix nicht nur empfehlenswert, sondern rundet die abwechslungsreiche Musiklandschaft ab, die wir im Laufe der vergangenen Monate in Form von Rezensionen oder Radiosendungen präsentieren durften.
Konzert in Graz
Bei Huscarl ist man übrigens sehr stolz, mit Ballycotton einen ersten internationalen Act für ein Konzert gewonnen zu haben. Am 29. Mai heißt es in Graz "Huscarl Events präsentiert Ballycotton" - die Steiermark Premiere des neuen Albums. Stattfinden wird das Konzert in der Postgarage, weitere Informationen dazu folgen in den kommenden Wochen.
Jenseits vom Ende der Zeit
Ballycotton, 2009
1. Spiel mich (Tag und Nacht) 4:41
2. Metamorphose 5:50
3. Wetterleuchten 3:05
4. Nebelstreif 2:16
5. Hinterwelt 5:09
6. Die Reise 5:38
7. Morgens 3:46
8. Cuba Libre 3:23
9. Begegnung im Horizont 5:01
10. Traumtänzer 4:25
11. Leben 6:14
12. Sehnsuche 2:00
13. Schlussakkord 9:38
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