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Capud Draconis
Musica Nova (2010)

Capud Draconis
Musica Divina (2011)

Capud Draconis
Aktuelles Album von Capud Draconis: Musica Aetatis (2012)


Capud Draconis präsentiert Trilogie
Nicht immer sind aller guten Dinge drei...
Florian Seidl
27.06.2013 22:00

Abseits von musikalischer Innovation und Virtuosität inszeniert sich die deutsche Gruppe Capud Draconis marktkonform im Crossover von Gothic und Mittelalter mit mittlerweile drei Alben.

Wenn eine Band verkündet, nicht „die nächste CORVUS CORAX-Kopie“ sein zu wollen (Band-Leader „Arach von Alzey“ in metal.de), dann weiß man, was die Davul geschlagen hat. Darum waren sie auch heuer im Frühjahr Vorband der einzigen Idole der Gothic-Marktmusik-Szene. Das bedeutet: Dröhnende Dudelsäcke aus der Günzel-Werkstatt, Lederröcke, babyölgestärkte Bierbäuche und hämmernde Rhythmen - gelegentlich mit Verstärker - hinterlegte Elektronik-Sounds und absolut verwechselbare Stücke, aber auch leidlich funktionierendes Marketing, das die Band über den reinen Durchschnitt erhebt.

Immerhin hat Capud Draconis sich die Mühe gemacht und in drei Alben je ein durchgängiges Konzept vorgelegt. Allein Titelwahl, willkürlich zusammengestellte Latein-Phrasen und Booklet-Begleittexte heben sie vermutlich in den Rang von Szene-Intellektuellen. Erstaunlicherweise wird das Oevre in einschlägigen Metal-Rezensionen als „authentisch“ gelobt. Uns gibt es die Gelegenheit, alle drei Werke im Schnelldurchlauf zu beleuchten und damit auch eine Entwicklungsgeschichte zu verfolgen.

Der erste Streich: Neue Musik
Musica Nova (2010) beschäftigt sich mit schwer zu entschlüsselnden Latein-Phrasen, die so wirr wie der Klappentext sind. Die musikalischen Einfälle sind Standard, die Instrumentierung (Flöten, Irish Bouzuki, Davul & sonstige Trommeln und die unvermeidlichen Dudelsäcke) ebenso durchschnittlich. Eine Melodie-Idee reicht völlig, um auf drei Minuten ausgewalzt zu werden, fallweise mit oder ohne Tempowechsel, Wenn mal die Kreativität zu einem Ende fehlt, dann tuts auch ein fade-out. Explizit lobend erwähnt werden sollte der Tonmeister Jan Haake, der der CD mehr Schliff verleiht als alle Dudelsack-Nummern miteinander.

Hoch anzurechnen ist der Gruppe auch das Eingeständnis, keine guten Sänger zu haben, wie in dem Sprechballadenstück „Vagabund“ (sehr passend für Liverollenspiel-Veranstaltungen) eindrucksvoll bewiesen wird. Dichten können sie auch nicht, nicht einmal reimen (Rat/Stadt; bin/Wind; Ort/fort; geh´n/seh´n; ausgeruht/Mut)

Zweiter Versuch: Göttliche Musik
Auf Musica Divina (2011) hat man gelernt und wesentlich mehr Hirn in das Konzept fließen lassen. Es geht um nicht weniger als um die musikalische Umsetzung der Kernpassagen der „Göttlichen Komödie“, einem hoch mittelalterlichen Stoff (was man von der musikalischen Linie der Band nicht behaupten kann). Ganz so zutreffend ist das Vorurteil der überbewerteten Marktmusikanten nicht. Es fehlt allerdings am musikalischen Variantenreichtum, den der interessierte Hörer bei gesangslosen Stücken nach 11 Titeln besonders sehnsüchtig erwartet. Was die Titeln im Einzelnen mit der Göttlichen Komödie zu tun haben, erschließt sich auch nach intensiver Lektüre des Booklets nicht. Nervig bis kitschig sind wie beim Vorgängeralbum die elektronischen Sounds, die „Stimmung“ vermitteln sollen- was mit der einseitigen Instrumentierung allein absolut nicht gelingen mag.

Dritter Versuch: Reise durchs Sonnensystem!
Musica Aetatis, das dritte Album der damit abgeschlossenen Konzeptreihe (2012) möge sich jemand anhören, der ein Faible für elektronisch verbrämte Marktmusik hat, dem Dudelsäcke gefallen und der keinen allzu großen Wert auf Gesangseinlagen legt. Wer diese Einstiegshürden hinter sich lässt, wird an Capud Draconis vor allem live auf der gut mit Tontechnik bestückten Bühne seine Freude haben. (Das einzig gesungene Lied beweist, dass sich in Text und Gesangskunst nichts gebessert hat. Fantasy-Kitsch, in der Darbringung von jeder Fußball-Fankurve übertrumpft.)
Noch immer reicht eine einfache Melodie-Idee, um daraus einen ganzen Song zu erzeugen. Dennoch ist die Musik elegischer, fast nachdenklicher, zumindest aber ruhiger geworden.


Produkte von der Stange

Dass die Heavy-Metall-Szene Capud Draconis als authentisch feiert, überrascht wenig. Mit Mittelalter haben sie so viel zu tun wie der Musikantenstadl mit traditionell authentischer Volksmusik, aber das soll nicht das Kriterium sein. Die Lieder wirken (aus-)verwechselbar, wo musikalische Virtuosität oder kreatives Songswriting fehlen, beeindruckt die aufwendige Tontechnik umso mehr.

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