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Steve von Omnia

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Oliver Sa.Tyr (Faun)

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Tanzebom beim Nachwuchswettbewerb

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Naomi Henderson (Dandelion Wine) aus Australien

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Maria Franz (Euzen)

Sabine Lang
Ausgelassene Stimmung bei The Sandsacks

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Poeta Magica mit dem Edda-Projekt

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Emma Härdelin (Garmarna)

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Beatritsche

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Kelvin Kalvus

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Anna Katrin Egilstrød (Valravn)

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Corvus Corax

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Wadokyo

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Abendstimmung am Festival Mediaval


Festival-Mediaval - wie immer schwer zu übertreffen
Nordic Special am Goldberg in Selb
Daniela Mühlbauer
04.11.2013 20:15

Fotogalerie

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Das VI. Festival Mediaval im bayerischen Selb erwies sich einmal mehr als krönender Abschluss der Freiluftsaison. Tausende Besucher pilgerten auf das Festivalgelände, um sich drei Tage lang vom besonderen Flair der Feierlichkeit verzaubern zu lassen. Musikalische Höhepunkte waren die Auftritte von Garmarna, Poeta Magica und Corvus Corax feat. Wadokyo. Die skandinavische Band Valravn spielte vor großem Publikum ihr letztes Konzert in alter Besetzung - da weinte sogar der Himmel ein paar Tränen.

Los ging es am Freitagnachmittag auf der Schlossbühne mit traditioneller Spielmannskost von Totus Gaudeo. Nach der kurzen Aufwärmrunde übernahmen die Niederländer von Omnia, die dem Festival offenbar ewige Treue geschworen haben - sehr zur Freude der Besucher. Neben Mussnummern wie "Toys In The Attic" oder "Alive" waren auch neue Stücke vom demnächst erscheinenden Album zu hören. Beim Klassiker "Free" hatte Steve einen Texthänger, über den er locker-flockig hinwegmoderierte und Maria Franz von Euzen sowie Kelvin Kalvus auf die Bühne bat. Mit deren Unterstützung klappte es dann auch mit dem Song. Ihren Stammplatz als Headliner mussten Omnia dieses Jahr an Faun abtreten, die mit ihrem streitbaren Album "Von den Elben" kürzlich den nationalen Durchbruch geschafft hatten, inklusive Fernseh-Auftritte in Schlager-Shows, Goldener Schallplatte und allem Drum und Dran. Mit ihrem Konzert auf dem Mediaval wollte die süddeutsche Band offenbar beweisen, dass sie noch mal eben die Kurve gekriegt und sich nicht vollends dem Kommerz zugewandt hat. Songs wie "Rad", "Alba" und "Iduna" gingen unter die Haut wie selten zuvor. Richtig super kamen die langen Instrumentalstrecken an, die auf dem aktuellen Album völlig fehlen. "Manche Leute denken ja immer noch, wir würden Pop-Musik machen", kam Oliver Sa.Tyr nicht um einen Seitenhieb umhin, um noch einmal alle Register zu ziehen. Spätestens beim abschließendem "Tinta" war auch der letzte Skeptiker wieder mit den Faunen versöhnt. Die fabelhafte Beatrice trat als Gast auf und verzauberte das Publikum mit ihrem elfengleichen Tanz.

Auf der Burgbühne am Fuße des Goldberges eröffneten Unshine die Riege der Bands, die im Rahmen des "Nordic Special" auftraten. Auch in den kommenden Jahren soll das Festival unter einem Motto stehen, 2014 geht es "Irish-Scottish" zur Sache. Nach den Finnen von Unshine übernahmen die Spaßmacher Feuerschwanz, die mit lustigen Trink- und Gaudiliedern den Stimmungspegel im Publikum in astronomische Höhen katapultierten.

Am Samstag eröffneten Elmsfeuer auf der Burgbühne, gefolgt von Satolstelamanderfanz. Über richtig viel Publikum konnten sich die Dänen von Euzen (gesprochen engl.: you seen) freuen, die ein Konzert der Extraklasse spielten. Sängerin Maria Franz brachte die nicht ganz einfachen Songs so überzeugend herüber, dass die Menge aus dem Klatschen und Jubeln gar nicht mehr herauskam. Steve und Jenny von Omnia schauten bei einem Song vorbei und unterstützten ihre Kollegin auf der Bühne. Nach dem anschließenden Run auf den Merch-Stand zu urteilen, dürfte die Band an diesem Nachmittag viele neue Fans gewonnen haben. Gut durchschütteln war bei The Sandsacks angesagt, die Stimmungsmucke par excellence darboten. In eine völlig andere musikalische Kerbe schlugen danach die Headliner Winterstorm. Hier hieß es: Zopfgummi lösen und Matte schütteln - und das ließen sich die Fans nicht zwei Mal sagen!

Auf der Schlossbühne gab es am Mittag mit Kauna, einem Nebenprojekt von Oliver Sa.Tyr, etwas ganz Besonderes auf die Ohren. Anregendes für die Augen wurde danach mit Dandelion Wine aus Australien geboten: Sängerin Naomi Henderson erschien mit schlumpfig-blauen Haaren und in einem Minikleid in grün-rot-gelb, dessen Muster als völlig willenlos bezeichnet werden darf. Für die Haare zumindest gibt es eine Erklärung: Damit das Duo den Flug um die halbe Welt stemmen konnte, hatten Fans im Vorfeld Geld gespendet, und die edlen Geber durften im Gegenzug die Haarfarbe der Sängerin bestimmen. Herausgekommen war ein Traum in "atlantic-blue" - mit Sicherheit die schrillste Haarfarbe des gesamten Festivals. Nach dem scharfen elektrolastigen Weltmusikklängen von Dandelion Wine fühlte sich die traditionelle Show von Gny aus Dänemark fast etwas lasch an. Vor der Show von Poeta Magica hat wahrscheinlich nicht nur die Band ein paar bange Blicke gen Himmel gerichtet, denn vor zwei Jahren musste das Konzert wegen eines Unwetters abgebrochen werden. Die alten Götter schienen in diesem Jahr jedoch nichts an der Vertonung der Edda auszusetzen zu haben, nicht mal ein raues Lüftchen regte sich während der märchenhaften Darbietung. 

Als Samstags-Headliner konnten keine Geringeren als Garmarna gewonnen werden. Obwohl die Band in vielen Teilen der Welt Kultstatus besitzt, macht sie seit langem keine Alben mehr und sie tritt auch nicht mehr allzu oft auf, in Deutschland zuletzt vor zwölf Jahren. Sängerin Emma Härdelin fühlte sich im vergangenen Jahr mit ihrer anderen Band Triakel jedoch so wohl auf dem Festival Mediaval, dass sie mit Garmarna wiedergekommen ist. Garmarna agierten auf der Bühne geradezu grandios; Emmas glasklarer Gesang ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, weshalb die Band so sehr verehrt wird. Stefan Brisland-Ferner, ein wahrer Gott auf der Nyckelharpa, verausgabte sich auch an der Violine und entlockte seinen Instrumenten Töne von einer anderen Welt. Die Reaktion des Publikums fiel entsprechend frenetisch und der Zugabe-Block besonders lang aus. Garmarna spielten ein Konzert, von dem die Fans sicher sehr lange zehren werden.

Nach dem Headliner ging die Session der Spielleute los, bei der stolze 35 Gruppen mitwirkten. Wie Überlebende dieser langen Nacht glaubhaft versicherten, zog sich die Session so lange hin, bis die angrenzenden Tavernen keinen Tropfen Alkohol mehr hatten. Tatsächlich waren überdurchschnittlich viele Künstler und Gäste den ganzen Sonntag über verkatert. 

Mit Sagax Furor erschallte am Sonntag der Weckruf auf der Burgbühne. Strömkarlen, ein Trio aus Deutschland und Schweden, boten danach traditionelle schwedische und norwegische Lieder dar, die im krassen Kontrast zu den Metal-Klängen der russischen Band Wolfmare standen. Am frühen Abend  hieß es Abschied nehmen, die skandinavische Ausnahme-Band Valravn spielte ihr letztes Konzert vor dem Aus. Nur zwei der ehemals fünf Bandmitglieder standen auf der Bühne: Sängerin Anna Katrin Egilstrød und Percussionist Juan Pino. Weibliche Unterstützung bekamen die beiden vom String-Trio Sirenere. Das Ende von Valravn nahm Anna Katrin und Juan offensichtlich stark mit. Juan rang das gesamte Konzert über um Fassung, bei den Ansagen klang seine Stimme brüchig. Auch Anna Katrins Moderation war sehr emotional. Als Juan eine Raupe auf der Bühne aufhob und erklärte, dass sich manche Dinge veränderten und doch die gleichen blieben, wurden auch im Publikum Taschentücher gezückt. Anna Katrin erklärte die Bedeutung des Songs " Farin uttan at verða vekk" und stellte den Bezug zu Valravn her. "Immer, wenn etwas geht, bleibt auch ein Teil da. Es gibt immer eine Verbindung", sagte sich mit zittriger Stimme, und genau in dem Moment, als sie dieses letzte Lied anstimmen wollte, weinte sogar der Himmel ein paar Abschiedstränen. Beim tosenden anhaltenden Schlussapplaus brachen auch bei Juan alle Dämme, die Fans ließen die beiden jedoch nicht ohne Zugabe ziehen. Danach gingen Anna Katrin und Juan endgültig ab. "We have no more music for you", sagte Juan. Da nutzten auch noch so laute Zugabe-Rufe nichts.

Die Schlossbühne rappelte am Mittag unter den Klängen von Obscurus Orbis, und danach sorgten Berlinski Beat für ausgelassene Stimmung. Die Lieder waren zwar nicht authentisch mittelalterlich, dafür aber echt Berliner Schnauze - das gefiel den Leuten. 

Beschwingt und heiter ging es weiter mit Cara. Vor der Bühne wurde sehr angeregt getanzt, die Leute fassten sich an den Schultern und bildeten eine große Schlange, oder sie übten sich im Freestyle-Folken. Daran änderte sich auch nichts bei Corvus Corax - ganz im Gegenteil. Die Berliner hatten sich aber zur Sicherheit Unterstützung von Wadokyo mitgebracht. Das kraftvolle Zusammenspiel von riesigen Trommeln und dominanten Dudelsäcken entfachte bei den Fans einen Sturm der Euphorie, der in gnadenlosem Abfeiern gipfelte. Was für eine Abschlussshow!

Auch in diesem Jahr wurde das Festival Mediaval seinem Ruf als das schönste und friedlichste Fest der Szene gerecht. "Ich habe noch nie so gelangweilte Security-Leute gesehen, die haben ja gar nichts zu tun", bemerkte ein Label-Chef hinter der Bühne erstaunt. Tatsächlich ist es so, dass Bands und Zuhörer auf dem Mediaval geradezu tiefenentspannt sind. Es gibt keine Rüpeleien oder Handgreiflichkeiten und auch die Met-Exzesse halten sich in Grenzen. Die Sanitäter kümmern sich meist um ein paar Barfuß-Läufer, die in Scherben getreten sind, oder sie versorgen Wespen-Stiche. 

Und die Besucher? Wer sich gerade nicht vor einer der Bühnen aufhält, schlendert über den weitläufigen Marktbereich, der sich über zwei Ebenen erstreckt. Überall auf dem Gelände treten Gaukler und Kleinkünstler auf und auf der Theater-Bühne finden an zwei Tagen Nachwuchs-Wettbewerbe statt, dieses Jahr übrigens mit den österreichischen Tanzebom. Viele Künstler halten Workshops auf dem Goldberg ab, so kann man zum Beispiel Drehleier oder Didgeridoo spielen, sich in historischen Tänzen üben oder sich mit der zauberhaften Beatrice in Kontaktjonglage versuchen.

Steigender Beliebtheit erfreuen sich die Highland-Games, und auch die Köhler hatten in diesem Jahr wieder ihren Meiler angezündet. Da das Festival großen Wert auf Familienfreundlichkeit legt, gibt es für Kinder ein Extra-Programm mit Spiel und Spaß und auch bei zahlreichen Handwerkern ist Mitmachen ausdrücklich erwünscht. Im kommenden Jahr soll übrigens das Armbrustturnier, das 2013 wegen Krankheit ausgefallen ist, stattfinden. Na dann, auf ein Wiedersehen beim VII. Festival Mediaval mit Irish-Scottish Special! 





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