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Bildquelle: Verein für gerüsteten Vollkontaktkampf

Bildquelle: Verein für gerüsteten Vollkontaktkampf

Bildquelle: Verein für gerüsteten Vollkontaktkampf


Battle of the Nations - Team Österreich
Neue Wege, neue Maßstäbe
Florian Machl
06.02.2012 16:45

Am 20. Jänner in Wien und am 21. Jänner in Linz lud Heinrich Wurzian im Namen seines Vereins für gerüsteten Vollkontaktkampf (VgVK) zu Informationsabenden ein, bei denen Interessierten das Konzept und der Ablauf der kommenden internationalen Kampf- und Reenactmentveranstaltung Battle of the Nations näher gebracht werden sollten. Huscarl war in Linz dabei und wir stellten anerkennend fest: Hier werden neue Maßstäbe in vielen Bereichen gesetzt. Bei BotN wird bereits von den Veranstaltern ein massiver Aufwand betrieben, um Vollkontakt-Kampfsport in historischer Ausrüstung als internationale Sportart zu etablieren. Dieser Aufwand setzt sich in der Ernsthaftigkeit fort, mit denen sich die Mitglieder des Vereins in Österreich bemühen, ein qualifiziertes Nationalteam auf die Beine zu stellen.

Mehr oder weniger "historischer" Vollkontakt-Kampf war eines der am meisten und hitzigsten diskutierten Themen des Vorjahres. Vor allem durch merkwürdige Auffassungen zur nötigen körperlichen Verfassung der Kämpfer als auch Vernachlässigung der historischen Komponenten, setzten sich viele Ausübende sowie Turnierveranstalter der Kritik aus. So wird es eventuell überraschen, dass man bei BotN einen gänzlich anderen Zugang verfolgt. Auch wenn klar gestellt wird, dass der Kampf der zentrale Grund für die jährliche Großveranstaltung ist, die Voraussetzungen für die Teilnahme grenzen sich von allem ab, was man von anderswo gewohnt sein mag. So dürfen Kämpfer ausschließlich in historisch argumentierbarer Ausrüstung antreten, wobei die Darstellung mit klar definiertem Ort und Zeit zu wählen ist. "Ausrüstungsteile am Körper sollen maximal 20 Jahre vorwärts oder rückwärts vom Jahr der Darstellung abweichen.", so Wurzian. Insgesamt muss die Darstellung zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert angesiedelt sein. Unter historisch argumentierbar ist zu verstehen, dass man nicht so weit geht, dass jedes Detail musealen Ansprüchen entsprechend handgefertigt sein muss. Maschinennähte für Kleidungsstücke sind genauso zulässig wie moderne, leichte Metalle für Rüstungskomponenten. Jedoch: Es muss aus einer gewissen Distanz historisch korrekt aussehen.

Historisch und modern: strenge Vorgaben

Was für die Begleiter der Kämpfer vielleicht eine leichtere Übung darstellt, hat für die Kämpfer weitreichendere Bedeutung. Denn jegliche Art von Plastik und modernen Protektoren am Körper sind verboten. Die einzige Ausnahmen werden mit Mundschutz und Tiefschutz genehmigt. Das Regelwerk hinsichtlich der Qualität und Stabilität der verwendeten Waffen und Rüstungen wird hierbei Jahr für Jahr aufgrund der gewonnenen Erfahrungen adaptiert. Waren früher z.B. noch 300 Gramm Abweichung vom Sollgewicht einer Waffe zulässig, spricht Wurzian für die kommende Veranstaltung von einer Toleranzgrenze von 50 Gramm. Über die Zulassung von Aussehen (es wird sowohl "zivile" als auch Kampfausrüstung beurteilt) als auch Ausrüstung wird im Vorfeld entschieden. Über die Optik wird per E-Mail anhand eingereichter Fotos entschieden, über Waffen und Rüstung bei Qualifikationsveranstaltungen. Das Qualifikationsturnier für die österreichische Nationalmannschaft findet am 7. April in Wien statt. Nur wer sich hier qualifiziert, darf beim BotN antreten. Auch daran sieht man, dass der Schritt von Spaß zu Ernst gewagt wird, denn bei jeglicher ranglisten- oder qualifikationsrelevanter Kampfveranstaltung müssen speziell ausgebildete "Marshals" anwesend sein. Die Schiedsrichterausbildung steht übrigens auch Österreichern frei, allerdings ist - wie bei vielen anderen Dingen im BotN sehr viel persönlicher Einsatz nötig. In zwei aufeinanderfolgenden Jahren werden mindestens vier Ausbildungswochen vor Ort gefordert. 

Gehobenere Exklusivität im
Vergleich zum Gewohnten


Einsatzbereitschaft ist nicht nur hinsichtlich Zeit und Training sondern auch finanziell vonnöten. Neben den Kosten für die Ausrüstung schlagen die Gesamtgebühren für das BotN 2012 mit 355 Euro zu Buche. All inclusive allerdings, mit Busreise, Vollverpflegung, Transport und allem was dazugehört. Gelegenheitsritter die mit 10 Euro Eintritt zu einem Mittelalterfest schon überfordert sind, spricht dieses Angebot sicher nicht an. Aber es schafft mit Sicherheit eine gewisse Exklusivität, die den Vorteil mit sich bringt, dass die Sportart vor allem von denen ausgeübt wird, die zu einer entsprechenden "Hingabe" bereit sind. "Nur mal schnell vorbeischauen" und "auch mal schnell probieren" ist absolut unmöglich. Ganz oder gar nicht lautet das Motto und setzt somit Maßstäbe, die in dieser Strenge auf kaum einer österreichischen Genreveranstaltung bekannt sind. Zwischen dem in Österreich etablierten Vollkontakt-Turnier in Kaprun und dem BotN liegen bereits auf den ersten Blick in allen Teilaspekten Welten, auch wenn manche Teilnehmer fraglos die selben Interessen verfolgen und ihrer Hingabe zum Kampf in "allen Welten" nachgehen.

Die Teilnehmer beschenken sich gegenseitig reichlich...

Im Lagerleben, das für "Festtouristen" maximal zu kurzen, festgelegten Zeiten besucht werden darf, sind derzeit noch so genannte "Mischlager" erlaubt - also eine Gruppe aus dem 13. Jahrhundert darf neben einer aus dem 15. lagern. Für das österreichische Team gilt vollständiges Alkoholverbot, bis der letzte Bewerb absolviert ist - auch für die Nichtkämpfer. Eine sehr interessante - wenn auch aufwändige Idee - sind die Gastgeschenke. Jeder Teilnehmer am BotN beschenkt dabei jeden anderen Teilnehmer der anderen Nationen. Somit wechseln hunderte Geschenke ihren Besitzer - und selbstverständlich ist hierbei auch Kreativität gefordert. Dies ist eines der Details, das die Lästermäuler Lügen straft, die sich bereits im Vorfeld über den Titel "of the Nations" aufgeregt haben: Der Nationalbegriff sei ja längst überholt und in Zusammenhang mit Kampfsport problematisch. Nun, er ist in keiner sonstigen Kampfsportart der Gegenwart problematisch und die Veranstaltung ist, hinter den Kulissen betrachtet, vielmehr als Event der Völkerverständigung zu sehen, der gewiss mehr Möglichkeiten des Austauschs bietet, als metschwanger bei einer heimischen Mittelaltertaverne zu philosophieren.

CUP-Turniere in Österreich

Nach dem BotN ist vor dem BotN. Deshalb schließt der Verein ab Juni mit einer Turnierreihe an, die sich auch an internationale Teilnehmer richtet und vor Ort von BotN Marshals überwacht wird. 2012 wird der Modus noch 4 gegen 4 heißen, 2013 wird auf 5 gegen 5 ausgebaut um den internationalen BotN Standards zu entsprechen und für die Kämpfe auch Punkte auf der Weltrangliste zu holen. In diesem Jahr findet die Turnierreihe in Zusammenarbeit mit Torxes von Freygeyst statt, der zu diesem Zweck mit dem Verein für gerüsteten Vollkontaktkampf in Hainburg, Linz und Reichenau kooperiert. Wer sich als Zuseher also einmal ansehen möchte, was diese Sportart ausmacht, kann sich bei den dort stattfindenden Mittelalterfesten einen guten Eindruck verschaffen.


Termine

Qualifikationsturnier für das österreichiche Team
beim Battle of the Nations 2012
Wien, 7. April

BATTLE of the NATIONS 2012
Nähe Warschau (Polen)    
30. April - 3. Mai

1. Österreich-CUP Turnier
Hainburg (NÖ)    
9. - 10. Juni

2. Österreich-CUP Turnier
Linz (OÖ)    
7. Juli

3. Österreich-CUP Turnier
Reichenau (OÖ)    
18. - 19. August

Weiterführende Links:




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1. Kommentar von Gunher von Erla am 07.02.2012 um 18:39

leichte, moderne Materialien
Ich hab den Artikel mit großer Freude gelesen.
Als kleine Abweichung vom Reglement der BotN sehe ich die Passage im ersten Absatz.
Laut den Regeln bei BotN sind genau diese Materialien nicht zugelassen.
Anders gesagt: Titan is nicht.
Das Regelwerk ist nicht in Stein gehauen und wird den Bedürfnissen angepasst.
Um einem "Wettrüsten" auf Kosten der historical correctness entgegenzutreten wurde dieser Passus hinzugefügt.

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2. Kommentar von Heinrich Wolfenreuth am 07.02.2012 um 22:32

Ukolov trägt (laut BotN Anton) Titan.
Gehärteter Federstahl, Carbonstahl und Titan sind erlaubt. Beim Captains Meeting haben wir das besprochen und es ist die Entscheidung gefallen das zu erlauben, solange die historisch korrekte Optik erhalten bleibt! Wer es sich leisten kann, darf es durchaus verwenden!

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3. Kommentar von Schwerthase am 08.02.2012 um 16:51

Finds echt toll...
... wünsche dem österreichischen Team alles Gute bei der Schlacht!

HAUT REIN! WAR AUSTRIA!!!!!!!!!!!!!!!!

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4. Kommentar von Norbert am 10.02.2012 um 21:07

Unterstützung
Wenn Ihr irgendwas braucht, meldet Euch bei uns.
(www.fechtrunde.at)
Wir unterstützen Euch gerne nach unseren Möglichkeiten (Bargeld ausgenommen - wir haben keines)
Immer wieder, immer wieder, immerwieder Österreich!!!

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