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Feitel

Feitel

Dominik Hartl
Auf dem Bild von Dominik Hartl wird schnell klar, wie die Einstellung der vier Musiker zum Thema Mittelalter zu verstehen ist. Man ist offen für alles und betreibt keinen Etikettenschwindel. Denn man ist sich bewusst, in der Gegenwart zu leben - und mit vielfältigen Einflüssen aus all den Jahrhunderten vom Mittelalter bis zum heuten Tag zu experimentieren.


Feitels Aufbruch - das erste Album
Happy Sound macht Lust auf ein Live-Wiedersehen
Florian Machl
15.11.2012 22:24

Aufbruch ist ein Wort, das gegenwärtig für die heimische Mittelalter-Formation Feitel viele Bedeutungen mit sich bringt. Nach der Trennung von den Schandgesellen waren die vier an dem Projekt beteiligten Musiker von großer Aufbruchsstimmung getrieben. Diese führte nach mehreren Marktauftritten zu einem ersten Abendkonzert – und einem zeitgleich erschienenen ersten Album. Huscarl hat schon einmal hineingehört – und nochmal. Und nochmal.

Mit „Aufbruch“ legen Stephen, Armin, Clemens und Scott eine Silberscheibe mit 13 Titeln vor. Dabei zeigt sich auch den wenigen, welche die Spielleute noch nicht kennen sollten: hier sind Profis am Werk. Die Produktion hebt sich erfreulich von üblich quietschigen Erstlingsproduktionen ab. Allerdings braucht es ein paar Nummern, um den Redakteur abholen und überzeugen zu können. Dies mag mit der Dramaturgie zu tun haben, also mit der Auswahl und Abfolge der Titel, hinter der bei einer CD ziemlich viel Plan und Überlegung stecken können. Häufig starten CDs mit besonders starken Nummern. Hier ist ein Aufbau eines Spannungsbogens zu bemerken. Als Hemmschwelle mag man dabei das ewig lange Fade-In (Einblenden) des ersten Titels „Eber“ empfinden, das die Nummer außerhalb des Kontexts der CD leider etwas unspielbarer machen dürfte. Eine gefällige Melodie, welche von schnell gespielten Dudelsäcken getragen wird, macht andererseits Hoffnung auf mehr.

Langsamer Spannungsaufbau

„Die Maid“ an zweiter Stelle ist einer der wenigen Gesangstitel. Insgesamt befinden sich nur drei Nummern auf dem Album, die mit Vocals aufwarten können. Der erste Höhepunkt kann vielleicht mit Nummer vier, dem Wichtelmarsch, benannt werden – auch wenn der musikalische Geschmack verschiedener Hörer sicherlich auch verschiedene Vorlieben hervorbringen wird. Der Rezensent vernimmt in dieser Nummer aber erstmals eine konsistente Abmischung der vielen verwendeten Instrumente – und ein damit einhergehendes stimmiges Gesamtklangbild. Während manche Nummern sich in Aufbau und Melodien sehr zu ähneln scheinen – beispielsweise Zaubersalz und Hasenjagd fällt beispielsweise „G in A“ durch seine gemächliche aber sehr angenehme Langsamkeit deutlich auf. Erst der letzte Titel, Loch Lomond soll nochmals Ruhe in die sonst eher hohe, tanzbare Geschwindigkeit bringen.

Viel gute Laune

So zählen die vielen Gute-Laune-Nummern sicher zu den Stärken des Erstlingswerkes, das fast durchgehend aus Eigenkompositionen besteht. Ausnahmen sind die Traditionals Loch Lomond, Aiken Drum und Itchy Fingers, die allerdings in eigene Arrangements gebettet wurden. Merkwürdigerweise kann der Gesang hier nicht in dem Maße überzeugen, das beim „heimlichen Vorgänger“, nämlich „Lausch Dich Geil“, damals noch als Schandgesellen, äußerst positiv aufgefallen war. Die Mehrstimmigkeit will noch nicht so richtig funktionieren und die Stimmen wirken oft weniger wie Gesang und mehr wie rhythmisches Sprechen. Da ist noch viel drinnen und das mögliche Potenzial wurde sicher noch bei weitem nicht voll ausgeschöpft.

Dem interessierten Fan bleiben noch Fragen offen

Die CD und deren Hülle sind schön gestaltet, der Fan vermisst allerdings ein Beiheft, in dem auf die Entstehungsgeschichte und Inhalte der Titel näher eingegangen wird. Was hat die Musiker inspiriert, auf welche historische Stücke spielen sie jeweils an? Gibt es vielleicht die eine oder andere Anekdote dazu zu erzählen? Natürlich muss man verstehen, dass die finanziellen Mittel einer heimischen Band nicht endlos sind und jede Seite Booklet Mehrkosten bedeuten, die auch irgendwie zurück verdient werden müssen. Vielleicht reicht der Erfolg aus, um beim nächsten Mal etwas mehr ins Detail zu gehen.

Spaß an der Musik

Insgesamt kann man das Album „Aufbruch“ allen empfehlen, die gerne auf Mittelaltermärkte gehen und sich für genretypischen Happysound begeistern können. Man will hier keinesfalls vermitteln, ein historisch korrektes Kammermusik-Ensemble zu sein. Bei Feitel geht es um Spaß an der Musik, um Spaß an mittelalterlichen aber auch modernen Instrumenten. Diese Spielmannsfreude überträgt sich auf das Publikum. Gemessen am Mitbewerb hält man eine grundsolide Scheibe in Händen, die den Vergleich nicht scheuen muss.

Live gibt es noch mehr Energie

Ein für jeden anhand der Konzertmitschnitte nachhörbare Tatsache ist: Live steckt noch um einiges mehr Energie in dieser Band. Diese Einschätzung soll die Hörtauglichkeit der Titel von „Aufbruch“ aber nicht schmälern. Wer Feitel schon einmal live gehört hat, wird beim Hören der CD definitiv Lust auf mehr bekommen – und ein Wiedersehen bei einem Mittelaltermarkt oder Abendtermin herbeisehnen. 

Bezugsquellen

Das Album kann über CDBaby auch online erworben werden, ansonsten empfiehlt sich ein Kauf über die Homepage der Band, wenn man eine angreifbare Version vorzieht.


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