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Die religiöse Darstellung in der Mittelalterszene
Vorankündigung der Radiosendung "Huscarl on air" im Oktober
20. 8. 2008 - 12:00 - Florian Machl

Bildquelle: Wikipedia / Dürer
Simon Petrus (Teilansicht des Bildes "Die vier Apostel" von Albrecht Dürer)

Am Dienstag, dem 21. Oktober, ist es wieder so weit - das Magazin Huscarl geht abermals für drei Stunden "on air". Diesmal mit einem Thema, das in den letzten Monaten immer wieder aufgetaucht ist: Religion als Teil der historischen Darstellung. In einer historisch korrekten Wiedergabe sollte die Religion ihren festen Platz haben, davon sind viele Vereine überzeugt. Wie sollte es auch anders sein, die christliche Religion verdrängte im mittelalterlichen Europa alle anderen Glaubensformen, Kriege wurden geführt, Kreuzzüge ausgerufen. Wie die österreichische Mittelalterszene diesem Thema gegenübersteht, soll live auf Sendung hinterfragt werden.

Auch hier darf nicht vergessen werden, dass "das Mittelalter" einen großen Zeitraum umspannt. Im Frühmittelalter ist in der Darstellung noch Interpretationsspielraum in Richtung einer heidnischen Darstellung. Nordischer Götterglaube, ja vielleicht auch viele keltische Einflüsse. Doch seriöserweise muss man hier anmerken, dass gerade über die Religion von Kelten und Skandinaviern wenig bekannt ist, schon gar kein Details. Verwertbare schriftliche Aufzeichnungen sind sind erst ab dem 10. Jahrhundert verfügbar, wenn man römische Quellen ausser Acht lässt, die jedoch zumeist auf Hörensagen und Interpretation beruhen.

Vermischung mit "neuen Religionen"

Diese magere Quellenlage ist ein gefundenes Fressen für Esoteriker, Neuheiden, Wicca-Kultisten und dergleichen mehr. Auch in die Mittelalterszene dringen solche Einflüsse ein und vermengen sich mit historisch korrekter Darstellung, obwohl der Ursprung der meisten neureligiösen Bewegungen im 18. Jahrhundert zu finden ist. Ob eine solche Vermischung wünschenswert oder gar sinnvoll ist, soll in Gesprächen mit Telefongästen hinterfragt werden.

Religion in Gesellschaft und Denken

In späteren Zeiten des Mittelalters ist für das Heidentum aus historischer Sicht so gut wie kein Platz mehr. Der monotheistische, christliche Glaube wurde verordnet, erzwungen oder setzte sich von selbst gegenüber den früheren Glaubensrichtungen durch. Die Religion und die kirchlichen Strukturen wurden natürlich auch zu Machtinstrumenten. Der Glaube war im Denken der mittelalterlichen Bevölkerung eine fixe Größenordnung, der sich niemand wiedersetzen konnte. Es gibt keinen gesellschaftlichen Bereich, der nicht mit Religion durchdrungen gewesen wäre, so wurde auch in der Wissenschaft lange Zeit jede Erkenntnis auf göttliches Wirken zurückgeführt und musste natürlich auch mit der Kirche abgestimmt werden. Ob eine historische Darstellung ohne Einbeziehung religiösen Denkens und ohne Berücksichtigung der Funktion des Klerus zulässig ist, soll herausgefunden werden.

Rezeption des Klerus

Ebenso will man sich mit dem Bild beschäftigen, das man vom mittelalterlichen Klerus hat, beziehungsweise das in verschiedener Form gezeigt wird. Vom Bild eines dekadenten, verschwendungssüchtigen Angehörigen des hohen Klerus bis hin zu versoffenen, herumhurenden Mönchen wird im Kino aber auch auf Mittelaltermärkten vieles gezeigt, wohingegen ergebene Gottesfurcht meist keinen Platz hat. Fast wahllos herausgegriffen scheinen die Motive, die das religiöse Leben berühren. Am ehesten sieht man noch spielerische Darstellungen von Hexenverfolgung und Inquisition - in einer Art und Weise, die dem grausamen historischen Original meist in keiner Form gerecht wird.

Kunst und Kultur

Religion war im Eigentlichen auch der Motor für die meiste überlieferte Kunst des Mittelalters. Seien es Bücher und Schriften, Wandmalereien, darstellende Kunst - die meisten davon waren religiöser Natur und wurden natürlich von Adel und Klerus auch in dieser Forum in Auftrag gegeben. Soll dies auch auf die Gestaltung von historischen Gebrauchsgegenständen oder Mobilar für das Lagerleben Einfluss haben? Wurde es vielleicht sogar schon von jemandem realisiert?

Ergänzung zu "so wa[h]rs"

Jakob Marberger hat in seiner letzten Sendung "so wa[h]hrs", die hoffentlich auch bald als Mitschnitt zur Verfügung stehen wird, begonnen, die wissenschaftliche Seite der Thematik aufzuarbeiten und hat so einen wertvollen Beitrag zum Hintergrundwissen geleistet. In Huscarl on air wird es weniger um die Wissenschaft gehen, sondern ganz konkret um die Einflüsse auf die Darstellung. Wie gehen Vereine damit um? Kann und darf man das Thema ausblenden? In welchem Detail soll oder muss man die Darstellung darauf ausrichten? In welcher Form geschieht dies schon heute? Soll sich diesbezüglich auch in Zukunft etwas ändern? Wie verträgt sich das Thema mit dem Unterhaltungsanspruch?

Als Anrufer teilnehmen

Wer als Telefongast an der Sendung teilnehmen will und seine Sicht der Dinge beitragen möchte, kann sich bis zur Sendung hier in den Kommentaren oder im Huscarl Forum melden. Eine direkte Kontaktaufnahme unter Zuhilfenahme der im Impressum hinterlegten Kontaktdaten ist ebenso möglich. Jeder Teilnehmer wird während der Sendung zurückgerufen, die Kosten tragen die Sendungsmacher. Weiters wird auch wie immer der Live-Chat über Skype verfügbar sein.

Terrestrische Sendelizenz

Die Sendung ist als Live-Stream weltweit über B-138 zu hören. Der Sender verfügt übrigens ab dem 25. 10. wieder über eine terrestrische Frequenz und kann im Bereich Kirchdorf regional begrenzt auch außerhalb des Internets empfangen werden. Damit wird die bisherige Hörerzahl, die auf bis zu 300 geschätzt wird, noch weiter gesteigert werden.

Sendetermin

Dienstag, 21. Oktober
19:00 bis 22:00 Uhr

Kontaktmöglichkeit während der Sendung

Skype: huscarlonair

Weiterführende Links:



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