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Peter Schindler
Tolles Retro-Ambiente auf der ESC

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Erfinder der ESC: Marcus Rauchfuß.

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Ohne sie hätte es keine ESC gegeben: SteamHeart alias Dag Rauber und Matthias Richter.

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Viele Gesichter kennt man aus der Mittelalterszene...

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Ausstellung von Brazenbold

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Und der Künstler selbst - auch kein Unbekannter in der Mittelalterszene!

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Mit Volldampf voraus in die fiktive Vergangenheit
Retro-Futuristik am Vormarsch
Martina
16.12.2012 17:25

Steampunk und Geschichte – was hat das miteinander zu tun? Nun, zuerst einmal geht es beim Steampunk um die Retro-Futuristik, also eine Zukunft, die auf einer Vergangenheit basiert, wie sie Jules Verne oder H.G. Wells in ihrem Werk festgehalten haben. Und andererseits braucht es solide historische Kenntnisse, um die anachronistische Technik des Steampunk entwickeln und darstellen zu können. Vor allem aber ist es: Spaß.

Zu Beginn eines Artikels auf einer Internetplattform für Erlebbare Geschichte über die Entwicklung der Steampunk-Szene in Österreich sollte man sich allerdings die Frage stellen: wieviel haben Steampunk und Geschichte eigentlich miteinander zu tun? Nun, auf den ersten Blick sehen Steampunker ja recht „historisch“ aus. Sofort denkt man an Jules Verne und seine Zeit, die Weltausstellung in Wien, an die uns heute noch das Palmenhaus  in Schönbrunn erinnert. Oberflächlich betrachtet scheint Steampunk wunderbar die Mode und den Zeitgeist der Belle Epoque abzubilden.

Wieviel Geschichte steckt im Steampunk?

Wenn man sich etwas intensiver mit der Retro-Futuristik beschäftigt, dann sind Parallelen zur Darstellung der „Wikinger-Gromi-Heiden-Ritter“ deutlich zu sehen: man sucht sich eine Zeit aus und bringt dann all das hinein, was man glaubt, dass es gegeben haben könnte und was überhaupt einfach gut aussieht. Mit einem großen Unterschied: Steampunker sind sich dessen bewusst und wollen nicht als „authentische“ Historiendarsteller gesehen werden. Sie stellen eine Zeit dar, die es nie gab: eine Zukunft, die hätte sein können, falls sich die Technik im 19. Jahrhundert auf Basis der Dampfmaschine weiterentwickelt hätte. In diesem Sinn hat Steampunk außer einer äußerlichen Annäherung an historische Gegenstände und einer Weiterentwicklung des Zeitgeistes des ausgehenden 19. Jahrhunderts nichts mit historischer Darstellung zu tun. Wir möchten aber auch diese Szene der Huscarl-Leserschaft vorstellen, insbesondere weil wir uns bewusst sind, dass es viele personelle Überschneidungen von Steampunk- und Mittelalterdarstellern gibt. 

Steampunk: eine offene Szene mit viel Gelegenheit zur Selbstverwirklichung

Die Steampunk-Fangemeinde wächst und gedeiht. In den USA, wo sich Steampunk sehr an Wildwest-Themen orientiert, und in Europa, wo das viktorianische England die Vorlage für die phantastische Steampunk-Welt bietet. Es gibt keine geschlossene „Szene“, keine großen, länderübergreifenden Events. Es gibt aber jemanden, der das ändern will: Marcus Rauchfuß hat am 29. September 2012 zur ersten europaweiten Steampunk-Convention, der ESC, aufgerufen. Zeitgleich haben an diesem Tag in ganz Europa Steampunk-Veranstaltungen stattgefunden. Über das Internet wurde fleißig vernetzt, sodass man jederzeit sehen konnte, was in anderen Ländern gerade passierte. Welche Art von Veranstaltungen das waren wurde dabei nicht vorgegeben – vom kleinen Steampunk-Bastel-Garagentreff bis zur Riesenparty war alles möglich.

Die European Steampunk Convention in Wien

In Wien wurde die ESC am Samstag mit einem großen Treffen aller Steampunk-Begeisterten im Club Pi gefeiert. Ziel der Veranstaltung war es, Steampunk-Begeisterte, interessierte Neulinge und Händler bzw. Aussteller zusammenzubringen. Dieses Vorhaben schien gelungen, war doch der Club Pi gut besucht – und zwar nicht nur von perfekt Kostümierten, sondern auch von jeder Menge „Normalbürgern“, die zum Kennenlernen kamen, teilweise sogar aus dem Ausland. Das umfangreiche Aussteller- und Händlerangebot bot sogar die Möglichkeit, sich direkt vor Ort passend auszustatten: es gab Goggles von BrazenBold, Schmuck von Kupferdach Production und Cinnamon Panther und schlussendlich viele praktische Alltagsgegenstände von SteamHeart. SteamHeart, in Person der beiden Gründer Dag Rauber und Matthias Richter, haben die ESC in Wien organisiert.

Interview mit dem "Erfinder" der ESC, Marcus Rauchfuß

Marcus Rauchfuß, Organisator der ESC, stand für einige Fragen zur Convention zur Verfügung:

Marcus, wie bist Du auf die Idee zur ESC gekommen?
„Die Idee hat sich aus einer Twitter-Konversation zwischen mir und dem Science-Fiction- und Steampunk Autor Lavie Tidhar entwickelt. Wir haben über seine Steampunk-Buchreihe "Bookman Chroncles" geredet und er meinte dann zwischenrein, Europa bräuchte in Sachen Steampunk ein Großevent. Daraufhin habe ich beschlossen, genau das so eines auf die Beine zu stellen.“

Wie bist Du damit zufrieden, wie die ESC gelaufen ist?
„Ich bin mehr als zufrieden. Ich hatte nicht damit gerechnet, so eine Resonanz aus ganz Europa zu bekommen. Wir haben es tatsächlich geschafft, Parties am 29. und am 30. September zu haben,
die Events in Luxemburg und Porto waren sogar an beiden Tagen. Das einzige was besser hätte laufen können, war die Vernetzung über Twitter, Skype und Google+.“

Wie bist Du selbst eigentlich zum Steampunk gekommen?
„Oh je... Zeppelin-Enthusiast bin ich, seit ich weiß, dass es Zeppeline gibt (also seit 1976 oder so). Die Mode der Jahrhundertwende und Jules Verne fand ich auch schon immer gut. Zum Steampunk selbst bin ich über [die Band] Abney Park gekommen. Die habe ich bei einer Musikrecherche im Netz gefunden, habe mir die dann genauer angesehen, war dann im Forum auf Brassgoggles.co.uk, der Rest hat sich dann recht schnell entwickelt.“

Was können wir eigentlich vom Steampunk heute in das reale Leben mitnehmen und lernen?
„Zumindest Manieren sollten vom Steampunk ins reale Leben überfließen, die im Steampunk mitschwingende Hands-On-Mentalität und der Wille, etwas zu verändern spielt auf jeden Fall auch mit rein. Ich persönlich würde es auch gerne sehen, dass die Begeisterung für Bildung und Wissenschaft, die man in der Belle Epoque hatte, wiederkommt und postuliere das auch auf
meinem Blog.“

Du hast ja in der Vorbereitung für die ESC Steampunkbegeisterte in einigen europäischen Ländern kennengelernt. Kannst Du Unterschiede zwischen den Ländern feststellen?
„Ja. Um einige Beispiele zu nennen: die polnische Szene ist nicht wirklich von der Gothic-Szene getrennt, die österreichische Szene ist trotz geringerem Umfang wesentlich aktiver als die deutsche und stellt mehr auf die Beine, die deutsche Szene hadert mit der eigenen Vergangenheit und hat (Zitat Captain Serenus a.k.a Alex Jahnke) "einen Stock im Arsch" und die Steampunks der iberischen Halbinsel sind geradezu wahnsinnig aktiv, dynamisch und enthusiastisch, die waren mir auch im Bezug auf dem ESC eine Riesenhilfe.“

Marcus, danke für dieses Interview. Noch eine letzte Frage: was hast Du als Nächstes vor?
„Den ESC zu einem regelmäßigen Ereignis zu machen und die Weltherrschaft an mich zu reißen. Außerdem hoffe ich, 2013 etwas mehr in Sachen Steampunk reisen zu können.“

Marcus hat nicht nur die ESC organisiert, er hat auch schon ein Buch zum Thema Steampunk geschrieben (Alex Jahnke & Marcus Rauchfuß: Steampunk - kurz & geek. Verlag O'Reilly, 2007). Doch die ESC soll erst der Anfang sein – Steampunk in Wien dampft mit voller Kraft voraus!


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