huscarl.at
EditorialMarktlebenWissenschaftMusikKulturVereineChronikVermischtesKurzWahlRadioVideoSzeneSuche
in der Community anmelden
(C) Verlag Droemer Knaur
Liebliche, leichte Kost: Wolf Sernos dritter Band um den Puppenspieler Julius Klingenthal alias Abraham.

Florian Seidl
Das Unglück wollte es, dass er dem berühmten Professor Hermannus Tatzel bei einer Tumor-Operation assistierte, die tödlich ausging. Dem berühmten Lehrer war das Skalpell ausgerutscht und Klingenthal wurde dafür verantwortlich gemacht. (S.14)

Florian Seidl
Schließlich hatte er die Kunst des Bauchredens für sich entdeckt. Seitdem zog er mit seinen Puppen durch die Lande. (S.15)

Florian Seidl
„Wir waren uns einig, dass wir heiraten wollten und ich danach studiere. Dafür habe ich in den letzten Monaten jeden Pfennig und jeden Guten Groschen beiseitegelegt. Du weißt, wie wichtig mir das Studium ist. Ich werde nicht jünger.“ (S.14)

Florian Seidl
"Oh Abraham, was machst Du bloß mit mir, oh Abraham, oh, Abraham, oh, Liebster, Liebster, oooh...!" (Seite 120)

Florian Seidl
„Dann, ohne Vorwarnung, zog er den Hieber, holte aus und wollte ihn seinem Gegenüber durchs Gesicht ziehen, doch er hatte nicht mit Abrahams Schnelligkeit gerechnet. Es war die Schnelligkeit eines alten Überlandfahrers, entstanden aus der Notwendigkeit, immer und überall mit Gefahren zu rechnen.“ (Seite 137)


Das Lied der Klagefrau
Wolf Sernos dritter Puppenspieler-Band
Florian Seidl
08.12.2011 19:44

Der dritte Band um den gelehrten Puppenspieler Julius Abraham und seine Begleiterin Alena führt in die Universitätsstadt Göttingen im Jahr 1789. Der Erfolgsautor Wolf Serno kocht nach einem pseudoliterarischen Erfolgsrezept ohne geistigen Tiefgang.

Der geniale Puppenspieler Julius Klingenthal alias Abraham, dem Publikum aus zwei Romanen bereits bestens bekannt,  begibt sich mit seiner um 20 Jahre jüngeren Lebensgefährtin nach Göttingen, um sein dereinst abgebrochenes Medizinstudium zu vollenden. Todesfälle unter seinen Patienten und alte Rechnungen ergeben einen Kriminalplot von durchschnittlichem Reiz, garniert mit zahlreichen gelehrsamen Zitaten und lexikalisch verbürgten Hinweisen auf das alte Göttingen und seine Bewohner, weswegen die Lokalpresse das Werk freundlich aufnahm.

Viel Klischee...

Der Plot hinkt an allen Ecken und Enden, die sprachliche Kompetenz des Autors ist überschaubar, die Personenbeschreibungen sind, falls vorhanden, klischeehaft. Ausreißer ist die launige Beschreibung von Georg Christoph Lichtenberg. Die Hauptfigur Abraham ist neben seinem Talent zum Schauspiel intelligent, tapfer, stark, ein guter Liebhaber und treuer Ehemann; seine schlechten Eigenschaften sind nur seine Armut, seine Güte und sein Wille, Arzt zu werden. Seine Begleiterin, die titelgebende Klagefrau bleibt nur Nebenfigur. Bei so viel bürgerlicher Tugend fällt einem das Wachbleiben schwer. Die auftretenden Figuren bleiben schablonenhaft, wodurch es den Lesern einfach gemacht wird, mangelnde Erzählkunst mit eigenen Klischees aufzufüllen.

Viele Quellen...

In aller künstlichen Bescheidenheit dankt der Autor in seinem Nachwort den zahlreichen Informanten, die die Hinweise zur Verfügung stellten, „die das i-Tüpfelchen auf jedem guten historischen Roman ausmachen“ (W. Serno). „Die religiösen Zitate stammen aus: Die Bibel“, wie wir im Nachwort lesen können. Weitere Quellen sind die Spiegel-Edition, das evangelisch-lutherische Gesangsbuch der Provinz Schleswig-Holstein und einige andere Titel, die unterstreichen sollen, dass der Autor, der nie im Leben eine Universität von Innen gesehen hat, dennoch in der Lage sei, fundiert zu recherchieren.

Viele Dialoge...

Einen „historischen Roman“ macht aber nicht die spießige Aufzählung von Fakten aus Reiseführern zur Umrahmung einer durchschnittlichen Krimi-Handlung aus, sondern der Versuch, nachvollziehbar die Lebensrealität und Gedankenwelt der Zeitgenossen zu skizzieren. 460 Seiten, vornehmlich mit Dialogen, reichen nicht einmal ansatzweise, den Zustand der intellektuellen Welt im Banne der Aufklärung im Widerstreit mit den deutschen Kleinstaat-Regimes zu skizzieren. Der gelernte Werbetexter Wolf Serno unternimmt auch keinen Versuch dazu. Ein Fall für die Flohmarkt-Kiste.


Informationen zum Buch

Autor: Wolf Serno
Verlag: Droemer Knaur
Jahr: 2011
Seiten: 496 Seiten
ISBN: 978-3-426-19807-0

Weiterführende Links:






Kultur- und Veranstaltungsgemeinschaft Eulenspiel


Noch schneller informiert:
Huscarl auf Facebook



Dieser Huscarl-Artikel ist mir eine kleine Spende wert:





Du erhältst derzeit keine E-Mail-Benachrichtigung, wenn
neue Kommentare zu diesem Artikel verfasst werden. Ändern.