
Ein Stempel mit dem siebenarmigen Leuchter zeigte die jüdische Identität des Bäckers.

Auf der Fläche des Stempels ist die Tempel-Menorah noch gut zu erkennen.

Die Ausgrabungsstätte in Horbat Uza nahe Akkon
|
Markenzeichen Menorah
Der Stempel für koscheres Brot
Arno Cincelli
22.01.2012 12:00
Nahe der Stadt Akkon haben Archäologen der Israel Antiquities Authority ein etwa 1.500 Jahre altes Siegel mit der Menorah, dem siebenarmigen Leuchter des Tempels, entdeckt. Der kleine Stempel diente in der byzantinischen Zeit dazu, koscheres Brot zu kennzeichnen. Die Forscher sehen den Fund als Beleg einer jüdischen Besiedlung auch während der byzantinisch-christlichen Epoche.
Der Keramik-Stempel aus dem sechsten Jahrhundert nach Christus ist bei einer Ausgrabung östlich von Akkon im Norden Israels entdeckt worden. Die Israel Antiquities Authority (IAA) bezeichnet den Fund als Teil einer Gruppe, die sie als 'Marken-Stempel' bezeichnen, da sie im Allgemeinen als Stempel für Backwaren dienten. Aufgrund der Darstellung der Tempel-Menorah, des siebenarmigen Leuchters, deuten sie es als Gütesiegel für koscher gebackenes Brot.
Die Ausgrabungsleiter Gilad Jaffe und Danny Syon erklären, dass derartige Stempel in der byzantinischen Periode häufig Verwendung fanden. Nach Danny Syon sei es "das erste Mal, dass ein derartiger Stempel bei einer kontrollierten archäologischen Ausgrabung entdeckt worden sei. So wird es möglich Herkunftsort und Zeit der Herstellung festzustellen. Der Stempel ist wichtig, weil er beweist, dass eine jüdische Kommune in der Ansiedlung von Uza in der christlich-byzantinischen Zeit existierte. Die Anwesenheit einer jüdischen Siedlung so nahe an Akkon - eine Region, die definitiv christlich war - stellt eine Innovation in der archäologischen Forschung dar."
Serienprodukt
Neben der Gravur des siebenarmigen Leuchters auf der Fläche finden sich am Ende des Griffes einige griechische Buchstaben. Leah Di Segni von der Hebräischen Universität von Jerusalem vermutet darin den Namen Launtius. Dies war ein verbreiteter jüdischer Name zu dieser Zeit. Die Forscher vermuten, dass es sich um den Namen des Bäckers handeln könnte.
David Amit von der IAA, der eine Studie über Brot-Stempel verfasst hat, führt an, dass es eine Reihe von Stempeln mit Menorah-Symbol und unterschiedlichen Namen gäbe und ergänzt: "Daher können wir annehmen, dass Serien von Stempeln mit dem Menorah-Bild auf der Fläche für jüdische Bäcker hergestellt wurden. Und jeder dieser Bäcker gravierte seinen Namen in den Griff, der auch als Stempel diente. Auf diese Weise konnte der Teig vor dem Backen zweimal gestempelt werden: Einmal mit der Menorah - dem üblichen Symbol für die jüdische Identität der jüdischen Bäckereien sowie dem privaten Namen des Bäckers in jeder dieser Bäckereien, was zusätzlich die Einhaltung der Speisegesetze garantierte."
Weiterführende Links: