
|
Elmar Hruby: Sie alle trugen das rote Tatzenkreuz
Ein Büchlein über das Wirken der Tempelritter in Österreich, Böhmen und Mähren.
Werner Fröhlich
14.12.2011 10:45
„Sie alle trugen das rote Tatzenkreuz“ nennt sich ein kleines Büchlein mit dem Untertitel „Tempelritter in Österreich, Böhmen und Mähren“. Wer zu diesem Buch greift, um von den Taten und dem Wirken der Tempelritter als Streiter für den Glauben in unseren Gefilden zu erfahren wird enttäuscht werden – wenn auch das Büchlein an sich keinesfalls eine Enttäuschung ist. Denn es arbeitet aus dem Nebel aus Sagen und verklärender Romantik zahlreiche reale Persönlichkeiten dieses Ordens heraus, sowie das spannende historische Umfeld, in dem die Tempelritter in der genannten Region tätig waren, wodurch sowohl die Personen als auch der Orden viel realer greifbar werden, als in allen romantisch überhöhten Darstellungen. Man wird hier zahlreiche Informationen zu dieser Thematik finden. Ebenso bekommt der Leser die Information über wichtige und interessante weiterführende Literatur, wie auch die vorhandenen Quellen.
Elmar Hruby ist Wirtschaftsjournalist und beschäftigt sich seit rund drei Jahrzehnten mit der Geschichte im südlichen Niederösterreich. Unter anderem beteiligte er sich in Zusammenarbeit mit Gerhard Volfing, bekannt für diverse Werke zu selbiger Thematik, an der Film-Produktion von "Die Templer - mitten unter uns" (Huscarl.at berichtete).
Akribische Recherche hinsichtlich Einzelpersonen
Der Autor führt den Leser sorgfältig an die Problematik heran, dass in der Frühzeit der Tempelritter - die Ordensgründung erfolgte 1119/1120 - eine seriöse Darstellung ihres Wirkens, ja sogar ihres Vorhandenseins immens schwer ist, gerade bei einer Gemeinschaft, bei der Diskretion im Auftreten und Wirken immer im Vordergrund gestanden hat und wie dringend notwendig es ist, sich endlich der vorhandenen Fakten anzunehmen, deren Bild sowohl durch die Überlieferung in Sagen wie auch durch die romantisierend geprägte Heimatkundeforschung des 19. Jahrhunderts stark verfälscht worden ist.
Wir bewegen uns, wenn wir „Österreich“, Böhmen und Mähren im frühen 12. Jahrhundert betrachten, in einer Zeit, in der die Verschriftlichung des täglichen Lebens praktisch noch kaum existent war und sich fast ausschließlich auf Rechtsgeschäfte im Grundverkehr bezog, bzw. Ereignisse des Zeitgeschehens höchsten von Klöstern in Chroniken festgehalten wurden, die inhaltlich im Wesentlichen jedoch nur Bezug zu dem jeweiligen Kloster hatten.
In dieser Zeit ist es somit immens schwer, Spuren vom Wirken von Einzelpersonen nachzuvollziehen, ja überhaupt Einzelpersonen nachzuweisen, da auch die Namensführung noch nicht so fix geregelt war, wie in unserem heutigen Verständnis und sich mehrmals im Laufe des Lebens eines Menschen je nach Wohnsitzwechsel oder Standeswechsel ändern konnte.
Eingedenk dieser Problematik bedarf es schon einer immensen Akribie, überhaupt die Existenz einzelner Tempelritter, einzelner „miles Christi“, in unseren Gefilden nachzuweisen, was dem Autor aber nachvollziehbar gelingt und was für die historische Forschung wohl wesentlich wichtiger ist, als weiterhin sich auf die Verbreitung von romantisierend geprägten Rittervorstellungen zu beschränken.
Kritische und regional bezogene Untersuchungen von Ritterideal, Wirtschaft und Architektur der Templer
Weiters erläutert der Autor auch den Wandel des Ritterbildes und des Ritterwesens, welcher in dieser Zeit und nicht zuletzt auch wegen der Entstehung und Entwicklung der Tempelritter stattfindet. Verstand man bis zum 9. und 10. Jahrhundert unter einem „miles Christi“ nur Asketen, Apostel und besonders eifrige Mönche, so wurde nach dieser Zeit auch der Ritter zum „miles Christi“, wobei dieser Begriff dann insbesondere Tempelritter bezeichnete. War das Ideal des Rittertums bis dahin nämlich die Wehrhaftigkeit und die Bereitschaft bzw. Fähigkeit Konflikte jederzeit bewaffnet mit Gewalt zu lösen, so wandelte sich dieses Ideal unter dem Einfluss der Kirche im genannten Zeitraum. Da diese das vorhandene Kampfpotential nicht unterbinden konnte, suchte sie es zu kanalisieren. Der Autor zeigt hier sehr schön auf, wie sich auch im Zusammenhang mit der Entwicklung des Templerordens völlig neue ritterliche Ideale von Schutz für die Schwachen und Kampf gegen die Heiden bzw. Kampf für den Glauben zu entwickeln beginnen.
Der Autor wirft auch einen Blick auf Spuren der wirtschaftlichen Aktivitäten des Ordens in unserem Gebiet und auf seine Rolle in diversen lokalen Konflikten.
Zu guter Letzt werden neben den schriftlichen Quellen auch einige bauliche Spuren der Tempelritter analysiert und auch kritisch hinterfragt, vor allem deren romantisierende Interpretation des 19. Jahrhunderts.
Grundstein für zukünftige Forschungen
Es ist zwar nicht viel, was sich nach Lektüre des Buches an – belegbaren - Spuren der Tempelritter zusammenfassen lässt, aber es ist sicher Verdienst dieses Buches, hier abseits aller romantischen Vorstellungen und Überlieferungen für die wissenschaftlichen Erforschung und Betrachtung der Tempelritter in unserem Gebiet einen wichtigen Grundstein gelegt zu haben und wer an einer seriösen Betrachtung dieses Geschichtskapitels interessiert ist, dem sei dieses Büchlein wärmstens empfohlen. Nicht zuletzt auch, da der Autor seinen Text reich mit Quellen und Literaturverweisen belegt hat und somit auch für weitere Lektüre und Forschung eine Grundlage liefert.
Verbesserungswürdige Zitierregeln
Um zum Schluss aber dennoch ein Haar in der Suppe zu finden: die Quellenzitate erfolgen entgegen moderner wissenschaftlicher Praxis nicht in Fußnoten, sondern mitten im Text, was oft den Lesefluss stört, vor allem da anscheinend am Lektorat gespart worden ist und so manche fehlende Klammer, die den Quellenverweis zum Text hin abgrenzen sollte, fehlt und man sich da beim Lesen recht häufig verhaspelt. Diese Zitierweise macht es auch bei den Quellenangaben „a.a.O“ bzw. „s.o.“ schwierig, den „angegebenen Ort“ mitten im Textfluss zu finden, was bei Fußnoten wesentlich leichter wäre. Eine Verbesserung im genannten moderneren Sinne wäre sicher eine Bereicherung bei einer zweiten Auflage, die diesem Buche auf jeden Fall zu wünschen ist.
Bibliographische Angaben:
Taschenbuch: 232 Seiten
Verlag: Hruby, Elmar, 2011
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3200022256
ISBN-13: 978-3200022256
Weiterführende Links:
|
|
WISSENSCHAFT / MUSEEN
Weitere Artikel

Noch schneller informiert: Huscarl auf Facebook

Dieser Huscarl-Artikel ist mir eine kleine Spende wert:
|
1. Kommentar von Teutone am 15.12.2011 um 12:39
|
...nicht falsch verstehen...
Und wieder ein Buch über die Templer..., langsam wirds fad.
Ich kenne keinen Orden, welcher mehr mit diversen geschichtlich wichtigen Ereignissen in Verbindung gebracht wird, als die Templer (egal ob es tatsächlich Nachweise gibt, oder nicht).
2. Kommentar von gevatter am 16.12.2011 um 17:02
|
Literatur für Interessierte
Ich kann die Kritik des Vorredners schon verstehen. Wenn ich mich z.B. für die Zeit der Kreuzfahrer interessiere, darf ich mir auch nicht die 7. Gesamtbetrachtung zum Thema "Kreuzzüge" kaufen. Das wird natürlich keine Überraschungen bringen.
Wer das alles schon kennt, der freut sich dann über Monographien und Einzelbetrachtungen zum Thema. Genauso verhält es sich mit den Büchern zum Thema Templer.
Klammern wir die Bücher mit esoterischem Bezug und die Gesamtbetrachtungen wie "Die Templer" von Demurger, Bauer, Dinzelbacher .... usw. aus. Was bleibt? Eben! Bücher wie die von Hruby, der versucht auf Basis lokaler, eigener Forschungen zu schreiben um eben Neues aus unserer Umgebung aufzuzeigen. Das Buch ist also allen jenen zu empfehlen, die vorgeblich "eh schon alles wissen", um doch noch etwas dazulernen zu können.
Wer allerdings die esoterische Schiene bevorzugt, dem empfehle ich das neue Buch von Neundlinger: "Templer und Freimaurer". Da kann man alles wiederfinden, was man schon bei Baigent, Dan Brown und Konsorten wieder vergessen hat.
3. Kommentar von Teutone am 20.12.2011 um 09:52
|
Ja...
...stimme zu. Aber in Anbetracht der Tatsache, daß es in Österreich sehr wenig bis gar keine Niederlassungen des Templer-Ordens gab (zumindest nicht korrekt nachgwiesen, ganz anders als in z.B. Spanien), ist es immer wieder verwunderlich, wieviel Stoff Österreich in Sachen Templer herzugeben scheint.
Hier kommt noch hinzu, daß viele Schriftstücke der Templer, durch deren Verfolgung, vernichtet wurden.
Wobei, nur zum Beispiel, die Existenz großer Besitzungen des deutschen Ordens in Österreich durchaus nachgewiesen werden kann, siehe Deutscher Orden, Doza-Regesten 1.
Nicht falsch verstehen, auch mich interessiert die Geschichte der Templer in hohem Maße, aber mittlerweile ist das Thema wirklich ausgelutscht, sei es esotherisch oder geschichtlich fundiert.
4. Kommentar von gevatter am 20.12.2011 um 13:31
|
Ignorieren
Dann bleibt nur eines: Nicht kaufen, nicht motzen und Freude daran haben, daß über den deutschen Orden auch schon tausend Bücher existieren.
PS: Über den deutschen Orden vorhandenes zu lesen ist natürlich einfacher, als selbst etwas Neues zu suchen.
Weihnachtliche Grüße
5. Kommentar von Teutone am 20.12.2011 um 17:27
|
Wie gesagt...
...nicht falsch verstehen. Ich habe den deutschen Orden jetzt nur als Beispiel genommen, man könnte auch den Hospitaller-, Schwertbrüder- usw. Orden hernehmen.
Und ja, es gibt eine Menge gute und besch...eidene Werke über den deutschen Orden, die Hospitaller usw., aber zumindest wird hier eine Heroisierung und Mythologisierung hintangehalten.
Wie ich auch schon sagte, basiert die Nachforschung und der Nachweis bzgl. der Templer in Österreich auf ein paar wenigen Schriftstücken (u.a. im Deutschordensarchiv im 1. Bezirk) und vielen mündlich überlieferten Geschichten und Sagen (welche leider in der Mehrzahl vorhanden sind).
Es war nicht bös gemeint, sondern reflektiert meine persönliche Meinung : )
Du erhältst derzeit keine E-Mail-Benachrichtigung, wenn neue Kommentare zu diesem Artikel verfasst werden. Ändern.
|
|
|
|