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Manfred Seidl, Wien
Die verwirklichten Teile des Kaiserforums (Heldenplatz mit der Neuen Burg)

Österreichische Nationalbibliothek, Wien
Ansicht der Hofburg vom Burg- bzw. Opernring vor der Errichtung der Neuen Burg (mit Färbelungsarbeiten am Leopoldinischen Trakt), Fotografie vor 1879

Albertina, Wien
„Der neue Burgplatz in Wien mit dem Projekt des Kaiserforums“ aus dem Album „Wien – Einst und Jetzt“, Aquarell von Franz Alt, 1873

Manfred Seidl, Wien
Pietra dura-Zimmer des Zeremonialappartements in der Beletage des Leopoldinischen Traktes der Wiener Hofburg

Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Wien
Emil von Förster, Entwurf zur Neugestaltung des Treppenhauses in der Neuen Burg, um 1897/1898


Standardwerk zu 700 Jahren Baugeschichte der Wiener Hofburg
In fünf Bänden bis 2014 veröffentlicht
Pressetext OEAW
29.10.2012 14:11

Mit der Publikation „Die Wiener Hofburg 1835–1918. Der Ausbau der Residenz vom Vormärz bis zum Ende des ‚Kaiserforums‘“ liegt der erste Band eines neuen, fünfbändigen Standardwerks zur Wiener Hofburg vor. Der Band bietet eine Vielzahl neuer Erkenntnisse zum kaiserlichen Palast als „Kommunikationsort“, zu monarchischen Planungsutopien und idealen kaiserlichen Wohnsphären. So lässt sich genauer als bisher darstellen, wie sich das kaiserliche „Raummanagement“ (die Verteilung von Appartements unter den Mitgliedern der Kaiserfamilie) entwickelte. Dass der Stellenwert der historischen Teile der Hofburg – gerade gegenüber den gigantomanischen Ausbauprojekten – erheblich größer war als gedacht, kann nun anhand der neuen Publikation nachvollzogen werden. Immerhin wurden alte Fassadenverputze penibel erhalten, um die Altehrwürdigkeit der Residenz zu demonstrieren. „Andererseits erweist sich die Hofburg des 19. Jahrhunderts als komplexes künstlerisches und funktionelles Gebilde, in dem kaum eine durchgehende Entwicklungslinie auszumachen ist“, erklärt der Herausgeber, der Kunsthistoriker Werner Telesko. Die weiteren vier Bände der Publikationsreihe werden bis 2014 im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vorliegen.
 

Die Kommission für Kunstgeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) bringt mit dieser Publikationsreihe ein langjähriges Forschungsunternehmen zum Abschluss, das sich der Bau- und Funktionsgeschichte einer der wichtigsten europäischen Palastanlagen widmet: der Wiener Hofburg. Bereits König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen soll im 19. Jahrhundert über die prestigeträchtige Strahlkraft der Wiener Hofburg gesagt haben: „Jedes Mal, wenn ich die Wiener Hofburg betrete, komme ich mir vor, als ob ich ein minderwertiger Parvenü wäre!“

Trotz ihres hohen Bekanntheitsgrades wurde die Hofburg bisher nur unter spezifischen Aspekten und in bestimmten Zeitabschnitten, nie in umfassendem Sinn und von ihren Anfängen im 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart erforscht. Im Rahmen der jahrelangen intensiven wissenschaftlichen Arbeit wurden zahlreiche neue Erkenntnisse gewonnen: „Es kann beispielsweise die Wohnsituation des Junggesellen Kaiser Franz Joseph I. bzw. des jungverheirateten Kaiserpaares ab 1854 einschließlich der Lage der Appartements der Kinder des Kaiserpaares genauer rekonstruiert werden“, so Werner Telesko. Die weltbekannten kaiserlichen Kunstsammlungen, die heute museal präsentiert nur hinter Vitrinenglas bewundert werden können, dienten damals als schmückende Einrichtungsgegenstände in der Wohnung der jungen Kaiserin Elisabeth.

Das Projekt des ‚Kaiserforums‘ von Gottfried Semper und Carl Hasenauer, eines gigantischen Erweiterungsprojekts der Hofburg im Rahmen der Ringstraßenanlage, beinhaltete planerische Unzulänglichkeiten, die die ausführenden Architekten vor schier unlösbare Probleme stellten. Eine genaue Analyse des Akten- und Planmaterials, die hier erstmals geliefert wird, lässt erkennen: Das Kaiserforum stellte ein ideales Gebilde dar. Seine Umsetzung wurde schon in der Planungsphase nicht ausreichend berücksichtigt, und die planerischen Unzulänglichkeiten lagen vor allem in den Größenverhältnissen, den Innenraumlösungen und im Raumprogramm.

Darüber hinaus liefert die kontextualisierte Betrachtung der Hofburg wertvolle Rückschlüsse auf die schriftliche und bildliche Rezeption der Hofburg in diversen Medien, auf die Rezeption historischer Stile für die Gestaltung der Hofburg oder auf die Rolle der Hofburg bei Festinszenierungen.

Erforschung europäischer Residenzkultur

Die wissenschaftlichen Bände zur Bau- und Ausstattungsgeschichte der Wiener Hofburg geben wichtige Anstöße zu weiteren Unternehmungen auf dem Gebiet der europäischen Residenzkultur. „Die Wiener Hofburg, ein über viele Jahrhunderte gewachsenes Ensemble, stellt einen der größten profanen Baukomplexe Europas und eine der bedeutendsten Palastanlagen weltweit dar. Ihre Nutzung als Regierungssitz ist bemerkenswert: seit 1275 Sitz der österreichischen Landesherren, von 1452 bis 1806 (mit kleineren Unterbrechungen) Sitz der deutschen Könige und römischen Kaiser, von 1804 bis 1918 Sitz der österreichischen Kaiser. Die Hofburg stand durch Jahrhunderte im Zentrum der europäischen Geschichte. Dem entspricht die äußerst hohe architekturgeschichtliche Stellung der Hofburg, deren Trakte bauhistorisch die gesamte europäische Kunstgeschichte – vom Hochmittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert umfassen“, betont Artur Rosenauer, Obmann der Kommission für Kunstgeschichte und Gesamtherausgeber der Hofburg-Bände.

Interdisziplinäres Forschungsprojekt

Das umfassende Projekt zur Erforschung der Wiener Hofburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart wird von der Kommission für Kunstgeschichte der ÖAW durchgeführt. Seit dem Jahr 2004 forschen rund 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fächern Kunstgeschichte, Bauarchäologie, Geschichte, Gartengeschichte, Theatergeschichte, Film- und Medienwissenschaft sowie Kulturwissenschaft. Untersucht werden breit angelegte Themenkreise wie die Bau- und Funktionsgeschichte, Architektur und Gartenanlagen, der urbanistische Kontext, die Einrichtung der Räume, die plastische und malerische Dekoration der Gebäude und die dahinter stehenden programmatischen Konzepte der Bauherren und Auftraggeberinnen.

Die Forschungsarbeit basiert auf der intensiven Sichtung tausender Aktenstücke des Österreichischen Staatsarchivs und eines rund 10.000 Zeichnungen umfassenden Planbestandes der Wiener Albertina, des Haus-, Hof- und Staatsarchivs und des Wien Museums. Zusätzlich tragen Bauuntersuchungen zur Beantwortung offener Fragen bei. Seit dem späten 19. Jahrhundert vermitteln auch Printmedien, Film- und Tondokumente als Quellen neue Aufschlüsse über die Hofburg als zentralen Ort der österreichisch-habsburgischer (Kunst-)Geschichte. Durch die Beteiligung zahlreicher kultureller Einrichtungen der Republik Österreich und das Zusammenwirken vieler wissenschaftlicher und kunstwissenschaftlicher Institutionen kommt dem Hofburgprojekt der Rang eines nationalen Forschungsunternehmens zu. Darüber hinaus richten die Forscherinnen und Forscher den Blick auf den europäischen Kontext, da die Wiener Hofburg durch die Jahrhunderte dem Vergleich mit anderen europäischen Residenzen ausgesetzt war.

Die Forschungen zu dieser Publikation wurden im Rahmen zweier Projekte des FWF Wissenschaftsfonds (Projekte Nr. P 17.815 und P 20.810) gefördert. Die Drucklegung des vorliegenden Bandes wurde durch eine großzügige Unterstützung der UniCredit Bank Austria AG ermöglicht.

Präsentation

Der Band wird am 7. November 2012 im Beisein von Bundespräsident Heinz Fischer in der Hofburg im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung präsentiert. Am 23. November 2012 wird das Buch bei der BuchWien12, Messegelände, 1020 Wien, öffentlich vorgestellt.

Die Edition

Herausgeber der Gesamtedition: Artur Rosenauer

Band 1 (erscheint 2014)
Mario Schwarz (Hg.)
Die Wiener Hofburg im Mittelalter

Band 2 (erscheint 2013)
Herbert Karner (Hg.)
Die Wiener Hofburg 1521-1705

Band 3 (erscheint 2013)
Hellmut Lorenz (Hg.)
Die Wiener Hofburg 1705-1835

Band 4 (2012)
Werner Telesko (Hg.)
Die Wiener Hofburg 1835-1918

Band 5 (erscheint 2015)
Maria Welzig (Hg.)
Die Wiener Hofburg seit 1918

 


Bibliographie

Werner Telesko (Hg.)
Die Wiener Hofburg 1835–1918

Der Ausbau der Residenz vom Vormärz bis zum Ende des „Kaiserforums“

Texte von Elfriede Iby, Richard Kurdiovsky, Jochen Martz, Andreas Nierhaus, Bernadette Reinhold, Dagmar Sachsenhofer, Werner Telesko

(Österreichische Akademie der Wissenschaften Denkschriften der philosophisch-historischen Klasse 446, Veröffentlichungen zur Kunstgeschichte [vormals Veröffentlichungen der Kommission für Kunstgeschichte] 15, Veröffentlichungen zur Bau- und Funktionsgeschichte der Wiener Hofburg [hg. von Artur Rosenauer] 4)

2012, 544 Seiten, 437 Abbildungen (durchgängig farbig), 28cm hoch x 22cm, Harteinband

ISBN 978-3-7001-7231-4

Preis EUR 89,90




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